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Cattenom: Saarbrücken von Atom-Wolke bedroht?

Saarbrücken. Seit der Explosion in der südfranzösischen Atomanlage Marcoule diskutieren die sonst so gelassenen Franzosen über die Risiken von Nuklearanlagen. Offiziell wurde beim Unfall keine Radioaktivität freigesetzt.

Ausgelöst durch die Katastrophe in Frankreich, machen sich auch die Saarbrücker Gedanken, wie sicher Atomkraft ist. Leben sie doch nur rund 60 Kilometer Luftlinie entfernt vom französischen Kraftwerk Cattenom. Was passiert mit Saarbrücken, wenn in Cattenom das Unvorstellbare Realität würde: der „Supergau“? Die Landeshauptstadt liegt in der „Fernzone“. Die erstreckt sich in einem Radius von 25 bis 100 Kilometer um das Atomkraftwerk (AKW) und gilt prinzipiell als sicher. „Die Notfallpläne gehen von einem Evakuierungsradius von maximal 25 Kilometer aus“, sagt Rainer Thome, Referatsleiter für Katastrophenschutz im Innenministerium.

Das bedeutet also: Für Saarbrücken gibt es keinen offiziellen Evakuierungsplan. Das bestätigen Thome und Mayer. Die sich an Bundesvorschriften orientierenden Notfallpläne sehen keine Räumung der Fernzonen vor. Das sei „fatal“, warnt Axel Mayer, Geschäftsführer vom BUND Regionalverband Südlicher Oberrhein. Eine atomare Wolke könne je nach Windstärke mehr als 300 Kilometer weit reichen. Er warnt: „Die Behörden wären mit einem atomaren Supergau absolut überfordert.“ Derzeit diskutierten Bund und Länder eine Ausweitung der Evakurierungszonen, erklärt Thome. Was würde also in Saarbrücken passieren, wenn das AKW hochginge? „Es kann Tage und Wochen dauern, bis der Reaktorkern schmilzt und Radioaktivität entweicht“, so Mayer.

Erst wenn sich die Strahlen-Wolke gebildet hat, liefe die Uhr gegen die Retter. Deshalb ertönten bereits wenige Minuten nach der Katastrophe überall in Saarbrücken Sirenen. Die alarmieren die Einsatzkräfte, erklärt Thome. „In weniger als zwei Stunden wird ein Krisenstab des Landes gebildet.“ Der koordiniert vom Hauptquartier in der Mainzerstraße aus die Notfallmaßnahmen und gegebenenfalls auch die Evakuierung.

Das Oberkommando hat Innenminister Stephan Toscani. Der informiert dann auch die Saarländer über Radio- und Fernsehansprachen, über das weitere Vorgehen. Unterstützt wird er dabei vom Saarbrücker Krisenstab, der formal von Oberbürgermeisterin Charlotte Britz geleitet wird, sagt Thomas Blug, Pressesprecher der Stadt. „Wir schicken Warnfahrzeuge durch die Straßen, versorgen die Menschen auch mit Jodtabletten.“ Die Tabletten schützen die Menschen davor, dass sich radioaktives Jod in der Schilddrüse ablagert. In Saarbrücken würden sie an 16 Stationen ausgegeben, beispielsweise in Sport- und Mehrzweckhallen oder in Bürgerhäusern. Eingeflogen werden die per Hubschrauber aus Karlsruhe. Das Jod sollen die Menschen auch in der Fernzone unbedingt einnehmen, sagt Mayer vom BUND. Und dann: „Die Fenster und Türen im Haus schließen und in den Keller gehen. Und dort auf Ansagen der Rettungskräfte warten.“ Dort erfahren die Menschen dann auch, ob die Landeshauptstadt evakuiert wird und über welche Straßen sie aus der Stadt kommen.

Ein Verkehrschaos sei unvermeintlich. „Sobald die Warnungen über Radio und Fernsehen durchgesagt wurden, setzen zwei gegensätzliche Bewegungsströmungen ein.“ Die einen wollen aus der Stadt. Die anderen steuern die Kindergärten, Seniorenheime, Krankenhäuser im Stadtzentrum an. Auch die Langzeitfolgen wären nach einem Supergau unvorstellbar. „Die verseuchten Gebiete wären 50 Jahre lang nicht mehr bewohnbar.“ Die Bevölkerung wäre bedroht von einem erhöhten Krebs- und Gesundheitsrisiko, auch für die kommende Generation.

Wie kann man das verhindern? „Am besten: Das AKW abschalten“, sagt Mayer. Doch das kann nur Frankreich.

Hintergrund

Das Atomkraftwerk Cattenom ist das siebtgrößte Kraftwerk der Welt. Seine vier Reaktorkerne produzieren eine Leistung von jeweils 1300 Megawatt. Rund acht Prozent der jährlichen nationalen Stromversorgung des Energiekonzerns EDF werden im grenznahen AKW gewonnen. Dieser Superlativ berge allerdings auch enormes Gefahrenpotenzial, warnt Axel Mayer von BUND Regionalverband Südlicher Oberrhein. Er sagt: In einem Reaktor entstehe jährlich die kurz- und langlebige Radioaktivität von 1300 Hiroshima-Bomben. Und die würde bei einer Katastrophe wie einem Supergau entweichen. Dazu ist es in Cattenom nicht gekommen. Dennoch meldet die AKW-Leitung ständig Zwischen- und Störfälle an die nationale Sicherheitsbehörde. Allein 2009 waren es 40. pbe

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