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Cattenoms neuer Direktor: "Anlage kann bis 2045 laufen"



Saarbrücken. Cattenom sei sicher – diese Botschaft wird der neue Direktor des Atomkraftwerkes, Guy Catrix, nicht müde zu wiederholen. Hoffnungen vieler Atomenergie-Gegner, der französische Meiler nahe der deutschen und luxemburgischen Grenze werde ähnlich bald – also bis 2016 – wie das Atomkraftwerk im elsässischen Fessenheim geschlossen, mag Catrix nicht schüren. Technisch gesehen rechnet er mit einer Laufzeit von insgesamt 60 Jahren ab Inbetriebnahme der Kraftwerkszentrale, sagte er im SZ-Redaktionsgespräch. Für Cattenom hieße das: Bis zirka 2045 wird weiter Atomstrom produziert. „Aber ich bin Ingenieur, kein französischer Politiker, der über die Energiepolitik zu entscheiden hat“, sagte Catrix, der seit 1. September im Amt ist. 39 Zwischenfälle wurden allein für das Jahr 2012 registriert, davon eine Abschaltung der Kategorie zwei der Störfall-Skala Ines. Dabei handelt es sich um einen Störfall mit begrenztem Ausfall der Sicherheitsvorkehrungen.

„Die Sicherheitsbestimmungen sind in Frankreich extrem hoch, es werden selbst Kleinigkeiten gemeldet, die auf die Abläufe keinerlei Einfluss haben“, meint der Direktor. Die schlechten Noten, die sein Atomkraftwerk noch bei den EU-Stresstests bekommen hatte – noch schlechtere als das AKW Fessenheim – will Catrix so nicht stehen lassen: „Im Januar 2012 sind die französische Atomaufsichtsbehörde ASN und im April 2012 die internationalen Behörden zu dem gleichen Ergebnis gekommen: Beide Atomkraftwerke halten die Sicherheitsstandards ein.“ Zwischen Fessenheim und Cattenom gebe es nur den Unterschied, dass im Elsass bereits weitere Sicherheitsvorkehrungen getroffen seien, die in Lothringen erst in Arbeit seien. Zwischen 2016 und 2022 will der Betreiber EDF fast vier Milliarden Euro in das Atomkraftwerk Cattenom investieren, unter anderem auch in die Sicherheit. „Diese Investitionen hatten wir bereits vor Fukushima geplant“, betont Catrix. Nach dem Unglück in Japan habe man die Mittel um fast 20 Prozent aufgestockt. Die Atomaufsicht ASN prüfe alle zehn Jahre die Sicherheit jedes Reaktorblocks und stelle bei einem positiven Befund eine Betriebsgenehmigung für weitere zehn Jahre aus.

„Im Februar wird Reaktor vier neu bewertet. Dafür wird er komplett heruntergefahren und der Reaktorraum einem Druck von 4,5 Bar ausgesetzt“, sagt er. Guy Catrix ist ruhig in seinem Auftreten, er spricht leise, gestikuliert wenig. Nur einmal lacht er laut und herzhaft – auf die Frage, ob Deutschland der beschlossene stufenweise Ausstieg aus der Atomenergie bis 2022 gelingen wird. „Ich habe volles Vertrauen in die deutsche Regierung, wenn sie sich das vorgenommen hat.“ Ob Frankreich eines Tages ebenfalls einen Ausstieg aus der Atomenergie planen könnte, sei nicht seine Sache, sondern die der Regierung. „In der einen Sache sind wir uns doch alle einig: Erneuerbare Energien müssen ausgebaut und Energie muss gespart werden“, sagt er. Hier leiste auch die EDF ihren Beitrag: „EDF ist der erste Hersteller erneuerbarer Energien in Europa.

Wir stellen Windkrafträder und Wasserkraftanlagen her, in Lothringen haben wir die größte Photovoltaikanlage in Europa.“ Die Zusammenarbeit mit den Behörden im Saarland, die über jede Störung informiert werden müssen, sei „von guter Qualität“: „Wir reden miteinander. Wir sind nicht immer einer Meinung, aber der Austausch ist gewinnbringend“, sagte Catrix. Ob er eine Erklärung hat für die Furcht vieler Menschen im Saarland vor dem Atommeiler? Catrix schweigt für eine Weile und überlegt.

Es seien vielleicht fehlendes Wissen über die Gewinnung von Atomstrom und falsche Vorstellungen über das AKW Cattenom, sagt er schließlich. „In Cattenom arbeiten 1250 Personen. Wir wissen, wie die Anlage funktioniert, die wir betreiben. Wir wohnen mit unseren Familien um die Anlage herum und haben Vertrauen in diese Art der Stromgewinnung.“ Es bestehe die Möglichkeit, als Besucher den Meiler zu besichtigen und sich selbst vor Ort ein Bild zu machen. „Kommen Sie uns besuchen.“ Guy Catrix weiß, dass er damit nicht alle überzeugen wird: „Aber ich glaube, dass man einen besseren Eindruck haben kann, was so eine Anlage kann. Und das wird Sie mit Sicherheit beruhigen.“



AUF EINEN BLICK

Die Kraftwerkszentrale von Cattenom ist von ihrer Leistung mit vier Reaktoren zu je 1300 Megawatt das siebtgrößte Kernkraftwerk der Welt und das viertgrößte in Frankreich. Von Anfang an war die Anlage, die rund 1250 Dauerarbeitsplätze bietet, höchst umstritten. Das lag nicht nur daran, dass der erste Block ein halbes Jahr nach der Reaktor-Katastrophe von Tschernobyl in Betrieb genommen wurde.

Sondern auch daran, dass seit 1986 über jede Menge Pannen berichtet wurde. Im August 1986 wurde etwa bekannt, dass der erste Block bei Versuchen zur Inbetriebnahme mit Wasser geflutet worden war; allerdings hatte dies so gut wie keinen Einfluss auf die Sicherheit.

Schlimmer war es ein paar Jahre später, als Risse in den Reaktordeckeln entdeckt wurden. Das saarländische Umweltministerium geht inzwischen von 700 Ereignissen und Zwischenfällen aus. Was aber nichts über die Ernsthaftigkeit oder die Beherrschbarkeit dieser Ereignisse aussagt. gf


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