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Chef-Ermittler packt im Saarland selbst mit an

Nach 23 Jahren als Richter, zuletzt Vorsitzender des Strafsenates am Oberlandesgericht, wechselte Michael Görlinger an die Spitze der Staatsanwaltschaft. Foto: Becker &  Bredel</p>

Nach 23 Jahren als Richter, zuletzt Vorsitzender des Strafsenates am Oberlandesgericht, wechselte Michael Görlinger an die Spitze der Staatsanwaltschaft. Foto: Becker & Bredel

In der saarländischen Justiz gilt Michael Görlinger (51) als „alter Hase“, ein Jurist mit Berufserfahrung. Seit 1993 sprach der gebürtige Neunkircher, der mit seiner Ehefrau in Spiesen-Elversberg lebt, Recht „im Namen des Volkes“. Bisherige Stufen der Karriereleiter des parteilosen Juristen: die Amtsgerichte in Ottweiler, Lebach und Neunkirchen, das Landgericht in Saarbrücken und von 2013 bis Sommer dieses Jahres Vorsitzender Richter des Strafsenates am Oberlandesgericht (OLG). In diesem Amt hatte Görlinger es auch, gewissermaßen als Königsdisziplin, mit Revisionen zu Berufungsentscheidungen des Landgerichtes zu tun, welche gelegentlich auch von der Staatsanwaltschaft auf den Weg gebracht wurden. Mittlerweile steht der Ex-Richter vor einer neuen Herausforderung: Er hat die schwarze Richterrobe vorerst abgelegt und ist seit Mitte September Chef der Staatsanwaltschaft , „einer wahnsinnig vielfältigen Behörde“, die Jahr für Jahr 100 000 neue Verfahren zu bearbeiten hat.

Aus dem Vorsitzenden Richter wurde der Leitende Oberstaatsanwalt (LOStA). Görlinger sieht sich selbst als „Neuling“ unter den Staatsanwälten, denn außer in seiner Referendarzeit stand er bislang noch nie auf der Seite der Ankläger. „Ich wurde hier sehr freundlich aufgenommen“, erzählt der neue Chefankläger und Vorgesetzte von 61 Staatsanwälten und weiteren 58 Beschäftigten. Er spricht von einem Vertrauensvorschuss seiner Belegschaft. An jedem einzelnen Arbeitsplatz will er in den kommenden Wochen und Monaten vorbeischauen. Der neue Chef will sich ein exaktes Bild davon machen, was seine Mannschaft tut und wo es gegebenenfalls hakt.

Kaum an der neuen Dienststelle angekommen, musste Görlinger bereits wieder seine sieben Sachen packen und innerhalb der Großbaustelle in dem Justizgebäude in der Zähringer Straße umziehen. Jetzt steht die eigene Kaffeemaschine im neuen Eckbüro in der fünften Etage. Der Chef kocht seinen Gästen den Kaffee persönlich. Zum Aufgabenbereich des Behördenleiters gehört es aktuell auch, eine gewisse Praxis als Baustellenmanager oder Projektleiter zu sammeln. Stühle- und Möbelrücken sowie Kistenpacken ist bei der Staatsanwaltschaft derzeit fast ständig angesagt.

Neuling Görlinger, zuletzt auch Vorsitzender des Hauptrichterrates der Saar-Justiz, ist in seiner neuen Funktion als Leitender Oberstaatsanwalt zwangsläufig mit Verwaltungsaufgaben, Dienstaufsicht, Personalführung und Berichtssachen an das Justizministerium beschäftigt. Für typische Ermittlungsarbeit bleibt da eher wenig Zeit. Görlinger denkt dennoch ernsthaft darüber nach, sich selbst „ein kleines Dezernat für allgemeine Strafsachen“ zuzuordnen. Dann würde der Behördenchef persönlich in Fällen der Alltagskriminalität Regie führen und unter Umständen die Anklage vor Gericht vertreten. Das wäre sicher eine Saarland-Premiere.

Als Privatmann ist Görlinger übrigens auch als Jurist gefordert – nicht unbedingt mit dem Strafgesetzbuch unter dem Arm. Beim Saarländischen Tennisbund sitzt er dem Sportgericht vor, entscheidet beispielsweise in Disziplinarangelegenheiten, ahndet unsportliches Verhalten. Die eigene Tenniskarriere (Verbandsliga) endete nach Knieproblemen. Seit 2006 engagiert sich Görlinger zudem als ehrenamtlicher Vorsitzender der Kreisverkehrswacht Neunkirchen.

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