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Chinesen wollen Flughafen Hahn kaufen

Der Hunsrück-Flughafen Hahn könnte einen chinesischen Besitzer bekommen. Aus Kreisen der Luftfahrt wurde gestern bestätigt, dass mindestens einer der drei verbliebenen Bieter aus China komme und sich den kriselnden Airport bereits angeschaut habe. Hahn-Aufsichtsratschef Salvatore Barbaro sprach von „substanziellen Angeboten“, hüllte sich aber ansonsten in Schweigen. „Es ist ein laufendes Ausschreibungsverfahren. Wenn man darüber redet, kann man es gefährden“, teilte er mit.

Bis zum Frühjahr soll der finanziell schwer angeschlagene Flughafen verkauft sein. Für dieses Jahr wird ein Defizit von fast 16 Millionen Euro erwartet. Der Airport gehört zu 82,5 Prozent Rheinland-Pfalz und zu 17,5 Prozent Hessen. Die CDU-Opposition in Rheinland-Pfalz sieht ihn in einer dramatischen Lage. Rot-Grün verschleiere dies vor der Landtagswahl am 13. März.

Dass chinesische Investoren für den Flughafen Hahn bieten, spiegelt einen Trend: Seit Jahren wächst das Interesse aus dem Reich der Mitte an Unternehmen im Ausland. Gestern wurde bekanntgegeben, dass der nordchinesische Unterhaltungs- und Immobilienkonzern Wanda das US-Filmstudio Legendary Entertainment übernimmt, das unter anderem die Rechte an Filmen wie „ Batman “, „Jurassic Park“ oder „Godzilla“ hält. Firmenchef Wang Jianlin, einer der reichsten Männer Chinas, lässt 3,5 Milliarden Dollar für die Rechte an den Superhelden und Riesenmonstern springen.

Im vorigen Jahr lagen die Auslandsinvestitionen des Landes nach jüngsten Zahlen des Handelsministeriums bei 128 Milliarden Euro, ein Viertel mehr als im Jahr davor. Von einer „neuen Ära des chinesischen Kapitals“ sprechen die Chinaforscher des unabhängigen Forschungsinstituts Merics in Berlin. „Im Wochentakt werden neue Investitionsprojekte bekannt.“ Vieles spreche dafür, dass sich dieser Trend fortsetzt. China wird zu einer treibenden Kraft globaler Kapitalströme und gehört schon heute zu den drei größten Auslandsinvestoren weltweit. Zum Teil sind es Privatunternehmen wie Wanda, die bei guten Gelegenheiten zugreifen. Oft sind es auch Staatsbetriebe wie der Chemiekonzern Chem China, der erst am Montag durch die Übernahme des Maschinenbauers Krauss-Maffei aus München aufgefallen ist .

Hinter den zahlreichen Zukäufen steckt eine Strategie der staatlichen Wirtschaftsplaner in Peking. „Es ist offizielle Politik, dass Chinas Unternehmen sich internationalisieren sollen“, sagt Klaus Meyer von der China Europe International Business School in Shanghai. Die aufstrebende Wirtschaftsmacht könne dadurch ihren Einfluss weltweit ausdehnen und erhält Zugriff auf fortschrittliche Technik sowie etablierte Marken. Chinas Präsident Xi Jinping hat für die kommenden zehn Jahre Auslandsinvestitionen seines Landes in Höhe von 1200 Milliarden Euro angekündigt.

Auch im Saarland sind chinesische Investoren präsent. So hat 2011 der Staatskonzern CQLT Saargummi aus der Insolvenz übernommen. Auch steht hinter der niederländischen Nedschroef-Holding, die Schraubenfabriken in Fraulautern und Beckingen betreibt, ein chinesischer Eigner: die Shanghai Prime Machinery Company. Der Neunkircher Windkraftanlagen-Hersteller Vensys gehört mehrheitlich zur chinesischen Goldwind-Gruppe. Und der Merziger Tuning-Spezialist Carlsson war einige Jahre mehrheitlich im Besitz der Zhong sheng Group .
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