A62 Landstuhl Richtung Nonnweiler Zwischen AS Nohfelden-Türkismühle und AS Nonnweiler-Otzenhausen Gefahr durch ungesicherte Unfallstelle (19:35)

A62

Priorität: Sehr dringend

2°C
Saarbrücken
weather-Saarbrücken
2°C
Saarbrücken
weather-Saarbrücken

Comics sind kein Kinderkram



Wadgassen.
„Comics made in Germany – 60 Jahre Comics aus Deutschland“ zeigt seit Freitag das Deutsche Zeitungsmuseum Wadgassen. Gegliedert nach inhaltlichen oder geschichtlichen Kriterien beziehungsweise nach Art des Publikationsmediums sind hier insgesamt 280 Exponate zu sehen. Sie stammen aus den Sammlungen der Deutschen Nationalbibliothek und des Instituts für Jugendbuchforschung der Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt am Main: Sie sind gemeinsame Ausrichter der Ausstellung, die vor einem Jahr in Frankfurt eröffnet wurde. „Eine große und eine kleine Quelle“, wie Kurator Bernd Dolle-Weinkauff vom Institut für Jugendbuchforschung bei der Vernissage erläuterte: Die Nationalbibliothek werde mit Pflichtexemplaren aller Verlage bestückt; sein 1963 gegründetes Institut könne heute immerhin einen Bestand von 50000 Exemplaren aufweisen

. Dass in der Ausstellung dennoch so beliebte Figuren wie der „Mecki“-Igel der Zeitschrift „Hör zu“ oder der Schuhe preisende Salamander „Lurchi“ fehlen, liege daran, dass in den 50er Jahren Comics noch als Schund oder bestenfalls Kinderkram galten und die Nationalbibliothek damit eher nachlässig bestückt wurde – durch Neukäufe versuche man, die Lücken zu füllen. Insofern bietet die Schau mit Büchern, Alben und Heften nicht nur einen Überblick zu Stoffen und Stilen, Helden und Serien sowie Erfolgen und Kuriositäten des deutschen Comic, sondern erzählt auch die Geschichte der gesellschaftlichen Anerkennung und Emanzipation einer Literaturform – nachzulesen im informativen Katalog. Und: Mit ihrer Konzentration auf Werke deutscher Herkunft spiegelt sie eine Minderheitenlinie, denn der Markt wurde und wird von anderen beherrscht. Beachtung fand das Genre hierzulande erst mit Ende des Zweiten Weltkriegs – erstaunlich eigentlich, wenn man bedenkt, dass Wilhelm Buschs Bildergeschichten ein direkter Vorläufer waren.

Das erste komplette Comic-Heft aus deutscher Feder erschien 1947 als unscheinbarer Schwarz-weiß-Druck im Düsseldorfer Hartmann-Verlag: „Bumm macht das Rennen“, eine Detektivgeschichte des damals 25-jährigen Autors Klaus Pielert. Von hier an spannt die Schau den Bogen von Manfred Schmidts „Nick Knatterton“ über Rolf Kaukas „Fix und Foxi“-Imperium bis zur Gegenwart, streift Phänomene und Strömungen: Jugendkultur, Feminismus, Untergrund; Humoristisches und Satirisches, Science-Fiction, Literatur-Adaptionen, Geschichtsparodien, Abenteuergeschichten und Sagen, Krimis, Thriller, Fantasy, Graphic Novel und Manga. Auch die Entwicklung in der DDR bleibt nicht außen vor.

Dass Comics kein Kinderkram sind, machten spätestens die 68er deutlich, die das Medium für politische Agitation entdeckten und damit ein erwachsenes Publikum eroberten, woraufhin sich auch die Kunst-Avantgarde bediente. Die Schau, durch die Pappfiguren und Sprechblasen den Weg weisen, richtet sich an Besucher jeden Alters – der Kurator hofft auf „interkulturelle Kommunikation“ der Generationen. Wer aber glaubt, er könne gemütlich schmökern: Anfassen ist nicht. Die Vitrinen bleiben geschlossen. kek

Läuft bis 10. Mai  
Hat dir dieser Artikel gefallen?
Ja Nein