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Commerçon sieht Islam-Unterricht als Erfolgsprojekt

Der Streit um Kopftücher kommt später dran: Im Islam-Unterricht für 60 Erstklässler ging es zunächst „kindgerecht“ zu. Foto: dpa

Der Streit um Kopftücher kommt später dran: Im Islam-Unterricht für 60 Erstklässler ging es zunächst „kindgerecht“ zu. Foto: dpa

Es ist ein zartes Pflänzchen, das Schulminister Ulrich Commerçon ( SPD ), die Saar-Integrationsbeauftragte und Sozialministerin Monika Bachmann ( CDU ) und die Arbeitsgemeinschaft muslimischer Vereine vor einem Jahr an vier Grundschulen in Saarbrücken und Völklingen eingepflanzt haben. Doch dieses Pflänzchen, Islam-Unterricht für 60 Erstklässler , gedeiht trotz eines in Deutschland extrem rauen Klimas, was das Thema Islam angeht.

 

„Die Schulaufsicht hat bei ihren regelmäßigen Besuchen in den Klassen Erstklässler erlebt, die Spaß am Unterricht und Interesse an der Auseinandersetzung mit dem Thema hatten. Auch die beiden Lehrkräfte und die vier Schulleitungen haben uns nur positive Rückmeldungen gegeben“, zog Commerçon gestern auf SZ-Anfrage eine erste Bilanz des Islam-Unterrichts-Projekts. Offenbar unbeschadet und unbeeindruckt von den öffentlichen Debatten über islamistische Terror-Anschläge, Burka- und Kopftuchverbote haben die beiden vom Bildungsministerium beauftragten Lehrer die Erstklässler unterrichten können. „Auch aktuelle Ereignisse wie Terror-Anschläge werden im Schulunterricht fächerübergreifend mit den Schülerinnen und Schülern besprochen und diskutiert“, betonte der Minister.

 

Da den Islamischen Religionsunterricht allerdings nur Erstklässler besuchten, habe die Auseinandersetzung dort in sehr begrenztem Maße und auf einem kindgerechten Niveau stattgefunden. Zum Bildungsauftrag der Schulen gehöre es, Schüler zum gewaltfreien Zusammenleben unterschiedlicher Kulturen anzuleiten und ihnen Achtung und Respekt gegenüber anderen zu vermitteln, erklärte Commerçon.

 

In den zwei Islam-Unterrichtsstunden wöchentlich sei kein festes Buch oder Arbeitsheft eingeführt worden. Die beiden Lehrer hätten die auf dem Markt vorhandenen und selbst erstellte Materialien genutzt. Beide führten demnach die in der Grundschule üblichen Sammelmappen ein.

 

Lisa Brausch, Vorsitzende des Saarländischen Lehrerinnen- und Lehrerverbandes (SLLV) und selbst Grundschullehrerin, sagte, dass die beiden Kollegen, die mit dem Islam-Unterricht betraut worden seien, vom Personalrat „sehr sorgfältig ausgewählt wurden, damit nichts Negatives davon ausgeht“. Minister Commerçon betonte, der zuständige Schulaufsichtsbeamte und die für die Betreuung der Lehrkräfte eingesetzte Fachleiterin des Staatlichen Studienseminars hätten den Unterricht besucht und die Materialien geprüft. „Die geleistete Arbeit wurde positiv bewertet. Es gab keine inhaltlichen Auffälligkeiten“, sagte Commerçon. Auf die SZ-Frage, wie die Eltern der Erstklässler in das Schulprojekt eingebunden seien und welche Rückmeldungen es von deren Seite gebe, räumte er ein, dass noch keine Befragungen der Eltern stattgefunden hätten. „Aber die beteiligten islamischen Partnerorganisationen sowie die Lehrkräfte und die Schulleitungen gaben positive Rückmeldung“, sagte der Schulminister.

 

Rasim Akkaya, Chef des Vereins Türkisch-Islamische Union der Anstalt für Religion (Ditib) im Saarland, hatte vor einem Jahr noch betont, dass es durch die „Kleinheit des Saarlandes“ besser gelungen sei, eine Einigkeit unter den Muslimverbänden über den Islam-Unterricht zu erzielen. „Muslime werden sich nun noch mehr als Teil der saarländischen Gesellschaft fühlen“, sagte er damals. Ob dem so ist, bleibt offen, Akkaya war gestern nicht zu erreichen. Der Islamunterricht wird jedenfalls fortgesetzt. „Zum neuen Schuljahr werden an den gleichen Standorten vier weitere Gruppen der Jahrgangsstufe eins gebildet“, sagte Commerçon. Die angekündigte Personalaufstockung auf drei Islam-Lehrkräfte hat er aber kassiert.  
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