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Cornetz und Kaul verteidigen Idee der Business School

Der große Widerstand gegen die geplante Business School ist für die Professoren Wolfgang Cornetz und Ashok Kaul ein Fehler.

Der große Widerstand gegen die geplante Business School ist für die Professoren Wolfgang Cornetz und Ashok Kaul ein Fehler.

Für viele Professoren der Saar-Universität ist das Stichwort „Business School“ das sprichwörtliche rote Tuch in der aktuellen Spardebatte um die Hochschulen. Der Vorschlag des Wissenschaftsrats, die BWL-Bachelorausbildung an der Universität und an der Hochschule für Technik und Wirtschaft unter einem Dach zu integrieren, sei schlecht begründet und in seinen Konsequenzen nicht durchdacht. Er führe zu einer Gesamthochschule, die Studenten nicht akzeptieren und die dem Saarland massive Image-Schäden beschere.

Diese mit großem Nachdruck vorgetragene Argumentation klingt für Professor Wolfgang Cornetz allerdings „manchmal ein bisschen hysterisch“. Cornetz, der im vergangenen Jahr als HTW-Rektor in den Ruhestand ging, arbeitet heute im Institut für Wirtschaftsforschung Saarland (Wifos) mit seinem Uni-Kollegen Professor Ashok Kaul zusammen. Mit ihm teilt er die Ansicht, dass eine Blockade-Haltung gegenüber der Business School auf dem Uni-Campus ein Fehler ist. Ein gemeinsames Bachelor-Programm wäre ohne großen Aufwand bei relativ geringen Opfern für beide Seiten umzusetzen, so die beiden Wirtschaftswissenschaftler im SZ-Gespräch. „In der Master-Ausbildung sollten beide Hochschule natürlich ihr eigenes Profil behalten“, so Wolfgang Cornetz.
Auf dem Campus hätten viele seiner Kollegen noch nicht in vollem Umfang realisiert, welche Konsequenzen die Schuldenbremse fürs Saarland habe, so Kaul. Dieser finanzielle Druck sei aber nun einmal nicht wegzudiskutieren. Er „sollte bei den Wirtschaftswissenschaftlern der Uni für eine etwas stärkere Bereitschaft sorgen, über sinnvolle, wenn auch teilweise schmerzhafte, synergieerzeugende Kooperationsmodelle nachzudenken“, schreiben Cornetz und Kaul in einer gemeinsamen Erklärung. Die dagegen an der Uni vorgebrachten Argumente betrachten sie als nicht stichhaltig. „Sachliche Grundlagen stechen bei den Ablehnungsbegründungen der Uni-Betriebswirte nicht hervor. In der BWL mit ihrer ’natürlichen Praxisnähe’ unterscheiden sich inzwischen nicht einmal die formalen Standards, zum Beispiel bei Mathematik und Statistik, der Saar-Universität gravierend von denen der HTW.“

Natürlich seien die Arbeitsbedingungen eines Uni-Professors deutlich besser als die seines Pendants an der HTW, so Cornetz. Natürlich gingen mit der Einrichtung einer Business School Befürchtungen einher, dass das mit neun Stunden nur halb so hohe Lehrdeputat der Uni angehoben werden könnte, so Kaul. Doch angesichts des finanziellen Drucks müsse in der aktuellen Diskussion eine ganz andere Frage im Mittelpunkt stehen. „Können wir etwas auf die Beine stellen, bei dem die Studierenden nicht verlieren?“ Und da laute die Antwort: Die Business School bietet die Möglichkeit dafür. Sie ermögliche zum Beispiel an der Uni kleinere Gruppen bei BWL-Übungen einzurichten – ein Vorteil für die Studenten. Für ihre HTW-Kommilitonen ergäben sich mehr Wahl-Möglichkeiten im akademischen Programm, als möglicher Nachteil allerdings eine größere Zahl von akademischen Massenveranstaltungen, so Kaul und Cornetz. Würde die Universität fünf derzeit vakante oder demnächst freiwerdende Professuren nicht wiederbesetzen, brächte das Einsparungen von mehr als einer Million Euro im Jahr. „Die Sparmöglichkeiten der HTW sind da noch nicht einmal mitgerechnet“, so Kaul.

 Ohne politische Vorgaben sehen die Wirtschaftswissenschaftler jedoch wenig Chancen, dass sich in dieser Frage viel bewegt. Von der Landesregierung verlangt Kaul „eine klare Ansage“. Der Weg zu einer gemeinsamen Business School von Saar-Universität und HTW sei jedenfalls wesentlich kürzer, als es gegenwärtig in der BWL-Diskussion den Anschein habe. Es wäre schließlich nicht das erste gemeinsame Projekt der beiden größten Hochschulen des Saarlands. Beispiele in den Ingenieurwissenschaften und in der Medizin zeigten, dass solche Kooperationen gut funktionieren können. Die Wirtschaftswissenschaften böten „eine gute Voraussetzung, um durch eine intelligente Arbeitsteilung Synergieeffekte, einen Mehrwert und Kosteneinsparungen zu erzielen“.
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