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Da sprudeln die Geschäftsideen: Saarländer rettet die Curry-Wurst

Neue Geschäftskonzepte auszutüfteln, ist Thilo Nasts große Leidenschaft. Als das Internet noch in den Kinderschuhen steckte, gründete der Saarbrücker mit einem Kumpel einen Versandhandel für Fahrzeugteile.

 

„Die Bank wollte uns damals keinen Kredit geben, weil sie meinte, der E-Commerce sei nur ein vorübergehendes Phänomen“, erinnert sich der Geschäftsmann schmunzelnd.

 

Dennoch wurde die Firma Scooter Attack ein Erfolg. 104 Mitarbeiter hätten sie gehabt und 30 Millionen Euro Jahresumsatz gemacht, erzählt Nast – als er ausstieg, um den ersten Tea Fresh Shop in Saarbrücken zu gründen. Die Idee, Teegetränke anzubieten, habe er aus Taiwan mitgebracht, wo Scooter Attack produzieren ließ, sagt Nast. Vor zweieinhalb Jahren, nachdem er den Tea-Fresh-Shop verkaufte, trat Nast an, um die Currywurst zu retten – mit „Kalinskis Wurstwirtschaft“, die er in einem der beiden Tea-Shops eröffnete.

 

Dass die klassischen Imbissstuben aussterben, liege auch daran, dass die Betreiber es versäumt hätten, ihr Konzept zu überdenken. „Sie haben gemerkt, die Dönerbuden oder Pizzabuden laufen ihnen den Rang ab, aber sie fragten sich nicht, was machen wir falsch.“

 

Ambiente zum Wohlfühlen

In „Kalinskis Wurstwirtschaft“, die er mit zwei Partnern betreibt, setzt er daher auf Wohlfühlambiente mit traditionellem Charme und auf handwerkliche Qualität.

 

Und schon hat Nast, der mal einige Semester Kommunikationsdesign studierte, wieder eine neue Idee: Diesmal will er dem Bäckergeschäft eine Frischzellenkur verpassen. Gleich neben der Wurstwirtschaft eröffnet er mit seinen Partnern in ein paar Wochen „Brot & Seele“, eine „Backgastronomie“. Als die dortige Sandwich-Filiale dichtmachte, hätten sie sich gesagt: „Damit da nicht die nächste Kette einsteigt, machen wir's.“

 

Wieder mal reiste Nast dafür zuerst nach Taiwan. „Ich hab, nur mal zum Spaß in einer jüdischen Bäckerei mitgearbeitet, und bei den leckeren Bagles und dem Toast hat es mich dann gepackt“, erzählt Nast. Wieder daheim beschloss er, eine Bäckerlehre anzufangen. Mit 44 Jahren.

 

In Aßweiler, bei Stefan Anstadt, fand er genau die Handwerksbäckerei, die ihm vorschwebte. „Er macht sehr mediterrane, weich geführte Teige, mit vielen Aromen, frischem Rosmarin, Datteln, Chili und solchen Sachen“, schwärmt der Azubi.

 

Man dürfe als Bäcker nicht versuchen, mit der Industrie mitzuziehen und 30 Brotsorten bieten, denn das könne man wirtschaftlich gar nicht leisten, ist Nast überzeugt. Nur ein paar ausgesuchte Brotsorten will er in „Brot&Seele“ anbieten, dafür aber in ganz besonderer Qualität. Für den Umsatz sorgen sollen belegte Brote und Dips. Gerade sind zwei Vertreter einer Mühle aus den französischen Ardennen bei ihm zu Besuch.

 

Die habe er auf der Pariser Bäckerei-Fachmesse, dem Salon du pain, gefunden, sagt er. Die Franzosen liefern ihm künftig ihre speziellen Mehlsorten und dazu ihre Spezialrezepte für Baguette.

 

Internationale Rezepte

Auch in Südtirol hat er sich Know-how besorgt. „Dort hab' ich in einer Vinschgauer Bäckerei mitgearbeitet, wo sie italienisches Ciabatta und Foccacia backen“, erzählt er stolz. In „Brot&Seele“ sollen ihm die Kunden künftig beim Backen zusehen können.

 

Man dürfe nicht nur Rohlinge aufbacken, sondern müsse den ganzen handwerklichen Prozess sichtbar machen, sagt Nast über sein Konzept. Derzeit ist er noch beim Probebacken. Doch auch seine Partner sind zuversichtlich, dass es funktioniert.

 

„Wir vertrauen ihm da voll“, sagt Olli Dillinger, „wenn er eine Idee hat, hat die eigentlich immer Hand und Fuß.“
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