A8 Neunkirchen Richtung Luxemburg Zwischen AS Dillingen-Süd und Dreieck Saarlouis Gefahr durch defekten LKW, Standstreifen blockiert (20:36)

A8

Priorität: Sehr dringend

10°C
Saarbrücken
weather-Saarbrücken
10°C
Saarbrücken
weather-Saarbrücken

Dänische Bettenlager: Kampf gegen Kündigung

Saarbrücken. „Jens muss bleiben.“ Das ist das Motto einer Unterschriftenaktion, die Verdi heute in saarländischen Handelsbetrieben gestartet hat. „Jens muss bleiben“ stand auch auf einem Flugblatt, das Gewerkschafter vor ein paar Wochen vor der Saarbrücker Filiale des Dänischen Bettenlagers (DBL) verteilten. Das war der Auftakt der Kampagne für Jens Pitschmann. Die Forderung von Verdi: Das Unternehmen soll die fristlose Kündigung des 41-jährigen Betriebsratsmitglieds zurücknehmen.

Heute vorm Arbeitsgericht

Heute wäre dazu Gelegenheit, weil sich vor dem Arbeitsgericht Saarlouis beide Seiten zu einem Gütetermin treffen, der erste Schritt in dem Verfahren, nachdem Pitschmann Klage gegen seine Kündigung eingereicht hatte. Viel Hoffnung kann er sich aber wohl nicht machen. In anderen Fällen hatte DBL laut Verdi bei Güteterminen kein Entgegenkommen gezeigt.

Der Fall Pitschmann ist aus Verdi-Sicht außergewöhnlich. Es steht mehr auf dem Spiel als ein persönliches Schicksal, so schlimm die Kündigung auch für den Familienvater sein mag. „Einen nicht hinzunehmenden Angriff auf Arbeitnehmerrechte“ sieht Steffi Recknagel in dem Vorgehen von DBL. Mehr noch: „Das ist ein Versuch, Gesetze in Deutschland zu umgehen und eigene Firmengesetze zu installieren“, sagt die Gewerkschafterin, die bei Verdi Saar für die Sparte Handel zuständig ist.

Bis Mitte August war Pitschmann noch Leiter der Saarbrücker DBL-Filiale. Dann hatte man ihn plötzlich nach Merzig versetzt und zwei Wochen später fristlos entlassen. Für Recknagel ist offensichtlich: „Es steckt System dahinter.“ Jens Pitschmann ist das fünfte Betriebsratsmitglied innerhalb weniger Monate, dem DBL gekündigt hat. Alle fünf gehörten auch einem Ausschuss an, der darauf drängte, dass ohne Abstriche tariflich bezahlt wird und Arbeitszeiten korrekt erfasst werden.

Diese Aktivitäten missfielen dem Unternehmen offenbar sehr. „Seit 18 Monaten haben wir Chaos mit dem Betriebsrat und Unruhe im Unternehmen“, hatte Geschäftsführer Ole N. Nielsen im Juni geklagt, wie das „Flensburger Tageblatt“ schrieb. Er sprach gar von „krimineller Energie“ im Betriebsrat. Besonders ärgerte Nielsen ein Papier des Gremiums, das dem Bericht zufolge unter anderem dazu aufrief, Versetzungen oder Mehrarbeit abzulehnen und mit Streiks und Klagen zu drohen. Aus Gewerkschaftssicht handelt es sich dabei lediglich um betriebsratsinterne Überlegungen, wie sich notfalls tarifliche Rechte durchsetzen lassen. Die erboste Geschäftsführung setzte jedoch ein Verfahren in Gang, um den 31-köpfigen Betriebsrat seines Amtes zu entheben. Die Arbeitnehmervertretung trat dann aber selbst geschlossen zurück.

Die Vorbereitungen für die Wahl eines neuen Betriebsrats mündeten in weiterem Streit mit dem Management und auch unter den Betriebsräten, die kommissarisch weiter amtierten. Verdi zufolge versuchte DBL, die Wahl unbequemer Betriebsräte zu vereiteln. Ziel sei ein Betriebsrat, „der nach der Pfeife des Arbeitgebers handelt“, sagt Recknagel. Zu den Unbequemen zählt auch Jens Pitschmann, der während der Vorbereitungen für die Betriebsratswahl entlassen wurde.

Protestwelle

Wenn ein so großes Unternehmen wie DBL, das laut Verdi knapp 7000 Beschäftigte hat, mit seiner Anti-Betriebsrat-Strategie durchkomme, gebe es bald Nachahmer, befürchtet Recknagel. Verdi will nun weiter Druck aufbauen, die Politik und den Deutschen Gewerkschaftsbund mobilisieren sowie einen bundesweiten Protest anstoßen. Pitschmann selbst hofft auf einen Erfolg seiner Klage gegen die Kündigung. „Ich bin optimistisch“, sagt er. „Ich will meinen Arbeitsplatz zurückhaben.“ Das Unternehmen wollte zu dem laufenden Verfahren keine Stellungnahme abgeben.


Meinung

Der Ruf ist bald ruiniert

Von Volker Meyer zu Tittingdorf

Der Fall Schlecker sollte der Geschäftsführung des Dänischen Bettenlagers eine Warnung sein. Die Drogeriekette hatte sich den zweifelhaften Ruf erworben, ihre Mitarbeiter miserabel zu behandeln. Das ramponierte Image war einer der Faktoren für den Zusammenbruch des Unternehmens. Das Dänische Bettenlager eifert diesem schlechten Vorbild offenbar nach. Wer Betriebsräten wie im Fall Pitschmann ohne nachvollziehbare Begründung kündigt und den Arbeitnehmervertretern kriminelle Energie unterstellt, bekommt bald die Folgen zu spüren: Eine Gegenkampagne der Gewerkschaft ist der Anfang, und am Ende bleiben womöglich die Kunden fern.
Hat dir dieser Artikel gefallen?
Ja Nein