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Daniele aus Wiebelskirchen in Supertalent- Sendung

Daniele in Aktion

Daniele in Aktion

Von SZ-Redakteurin Cathrin Elss-Seringhaus

Neunkirchen. Die Rappermütze sitzt perfekt über der dunkeln Stirnlocke, das karierte Hemd lugt trendgemäß zwei Zentimeter unter dem Pulli hervor. Und dann der Duft! Das Kerlchen – 1,30 hoch, 24 Kilo leicht – ist eine einzige Wolke. Papas Parfum. Zu viel. „Ich hab mir auch die Füße parfümiert“, verkündet Daniele in dem für ihn typischen bestimmten Ton. Man könnte ihn für vorlaut halten. Wäre dieses Kind nicht so, wie man es schon im Fernsehen bei RTL oder auf den Videos im Internet sah: unbekümmert selbstbewusst, unangestrengt schlagfertig. Ein Breakdance-Tanz-Talent? Weit mehr als das: Eine Charme-Offensive.

Daniele steht in der Tür zur großzügigen Ess-Küche der Domizios, seinem bevorzugten Trainings-Raum, wo er eben noch seine immer akrobatischeren „Powermoves“ zeigte. „Das Meiste bringt er sich selbst und allein bei, vor dem Computer“, sagt Mutter Mariella (34). Lern-Material sind nicht nur Michael-Jackson-Videos. Doch seit es ernst wurde mit dem Halbfinale, hat Daniele auch einen Trainer. Denis, ein ehemaliger Arbeitskollege des Vaters, ein professioneller Breakdance-Trainer, meldete sich. Zum Vorwurf, ihr Kind werde zum Star „gedrillt“, können die Domizios nur den Kopf schütteln: „Er tanzt nicht nach Plan. 99 Prozent seines Auftritts sind improvisiert. Nur einige wenige Passagen wie der Moonwalk sind genau platziert.“ Zwar stehe Daniele in Köln, wo drei Tage vor der Live-Sendung geprobt wird, eine Choreografin zur Verfügung. „Doch was will man einem Kind in drei Tagen beibringen?“, fragt seine Mutter Mariella. Für sie ist das, was die Zuschauer als geschliffenes Produkt erleben, Alltag. „Daniele war immer schon ein temperamentvolles, sportlich begeistertes Kind. Er steht gern im Mittelpunkt“, sagt sie.

Und er kann es. Lebhaft ist er, spontan und fotogen. Die „Supertalent“-Jury ging davor beim Halbfinale in die Knie, hob den Wiebelskirchener Jungen ins Finale. Der für Nicklichkeiten berühmte Dieter Bohlen drückte ihn gar ans Herz. „Hmm, der roch so gut!“, erinnert sich Daniele. Viel mehr fällt ihm zu „Didi“ nicht ein. Außer vielleicht noch das: Reichtum. Und dass er, Daniele, wenn er denn die 100 000 Euro gewinnt, vielleicht dorthin kommen könnte, wo Bohlen heute schon ist: in ein Schloss mit Bodyguards, die ganze Familie fährt Limousine. Und Frau Schulz, seine Lehrerin, bekommt einen Porsche.

Das Backstage der Show jedenfalls läuft unglamouröser ab als erwartet. Kontakte ergeben sich hauptsächlich zwischen den Kandidaten. Die Begegnungen mit der Jury-Prominenz – neben Bohlen Bruce Darnell und Sylvie van der Vaart – seien rar, berichtet Mariella. Sie liefen professionell ab. Also eher höflich als herzlich. Drei Tage vor der Live-Show werden die neuen Performances einstudiert. Daniele trägt am Samstag nicht mehr den weißen Nadelstreifen-Anzug, auch das Musikmedley wurde fürs Finale neu gemixt.

Wie kommt ein Kind dorthin? Tanzen ist nur eines von vielen Hobbies. Daniele stürmt in der F-Jugend, boxt und spielt Basketball. Familienerbe: Der Papa war 1982 Saarlandmeister im Breakdance, dann Handballer, einer der fünf Brüder spielt beim FV Neunkirchen. Irgendwie ist das ganze Umfeld in Bewegung oder musikalisch veranlagt. „Am liebsten würde Daniele die „Jackson Six“ gründen“, berichtet Vater Pasquale (37). Ein Bruder meldete denn auch Daniele beim „Supertalent“-Wettbewerb an. Innerhalb von 24 Stunden kam die Einladung zum Casting in Frankfurt. Kein Stress. Denn Daniele tanzte bereits vor viel Publikum. Er war das erste Kind, das beim Karnevalsclub NKV bei der Abendsitzung auftreten durfte, erzählen die Eltern. Auf den Geschmack gebracht hat ihn der „Highschool Musical“-Film (2006). Danach interessierte er sich gleichermaßen für „Men in Black“ wie für „Grease“. Eigentlich wollte er den Travolta machen. Erst durch den Medienrummel um „MJ’s“ Tod (2009) entdeckte Daniele den King of Hip-Hop für sich. Als Inspirationsquelle für seine Nachahmungslust, nicht als anbetungswürdige Ikone. Daniele ist alles andere als ein Michael-Jackson-Fan: „Bevor der gestorben ist, war er hässlich. Die Nase hoch machen lassen würde ich nie.“

Daniele ist mittlerweile abmarschbereit, zu den „heißen Mädels“, wie er erzählt, und dazu eindeutig die Hüften zucken lässt. Die Show dauert eben den ganzen Tag, ein Casanova hat nie Pause. Denn jetzt laden den „Jacker“ auch die viel älteren Mädels zu ihren Geburtstags-Parties ein. In diesem Fall Freundinnen seiner Schwester Chiara (13).

Auch während des Gesprächs springt Daniele auf, zieht Grimassen, erstarrt in Marionetten-Posen. Affig? Jackson war das zweifellos. Daniele ist einfach nur ein Energiebündel und gut drauf. „Das Programm läuft ganztägig“, sagt Mariella und spaßt: „Wir haben viel Beruhigungstee im Haus“. Sie beobachtet aber auch mitunter „Starallüren“ bei ihrem Jüngsten, eine gewisse „Zickigkeit“. Wie auch nicht? „Er hört überall nur Komplimente.“ Macht man sich da Sorgen? Nicht wirklich. Das Vertrauen in die Natürlichkeit Danieles ist größer als die Angst vorm gern zitierten „Drama des begabten Kindes“. Irgendwie im Griff hat man selbst das Szenario einer Niederlage: „Das ist Erziehungssache. Wir haben viel darüber geredet.“ Darüber, dass Weinen nicht schlimm ist. Tatsächlich sagt Daniele viele kluge Sachen, wenn man ihn darauf anspricht, dass er womöglich nicht Erster wird. „Ich bin ja dann nicht der einzige Verlierer und immer noch das erste Kind unter zwölf Jahren, das jemals in Finale gekommen ist.“

Und was ist, wenn er Deuschlands jüngstes Supertalent wird? Für dieses Märchen-Szenario steht noch kein Drehbuch. Klar ist lediglich: „Wir machen keine Werbeverträge, die Schule behält Vorrang.“ Und Rummel könne doch auch eine tolle Zeit sein, meint Pasquale spontan.



Hintergrund

Im Finale der Sendung „Das Supertalent“ (RTL, 18.10., 20.15 Uhr), tritt Daniele gegen elf Konkurrenten an. Die Zuschauer können mit abstimmen. Es handelt sich bereits um die vierte Staffel; die Sendung hat 8,5 Mio. Zuschauer. Bereits 2009 stand ein Saarländerin im Finale: die Sängerin Vanessa Calcagno. Sie verpasste den Sieg knapp. Auf Nachfrage der SZ erklärt sie: „Das Leben wird auf den Kopf gestellt.“ Es habe für sie Verpflichtungen, Auftritte und Geld gehagelt, doch nicht zum großen Durchbruch gereicht. Eine Niederlage sei nervlich extrem anstrengend, was sie Kindern nicht zumuten würde. Ihr Architekturstudium hat sie aufgegeben. ce


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