L125 Neunkirchen Richtung Saarbrücken-Johannisbrücke Kreuzung Neunkirchen-Sinnerthal Vollsperrung, Bauarbeiten bis 01.05.2018, eine Umleitung ist eingerichtet Die Sperrung erfolgt aufgrund von Sanierungsarbeiten am Brückenbauwerk und der Fahrbahn im Bereich "Plättches Dohle" (18.04.2017, 10:58)

L125

Priorität: Dringend

20°C
Saarbrücken
weather-Saarbrücken
20°C
Saarbrücken
weather-Saarbrücken

Das „Kloster am Rande der Stadt” besteht seit zehn Jahren

„Ich geh ins Kloster.“ Es gibt Leute, für die ist das eine Verzweiflungstat. Die Gründung des Klosters am Rande der Stadt vor 10 Jahren war aber keine seelsorgerische Verzweiflungstat, oder?

Johannes Kreier: Kloster am Rande der Stadt war eine Idee, die ich seit vielen Jahren bedacht habe: Wie kann eine Art „Stadt-Oratorium“ in einer Kirche nach „monastischer“ Weise, also einer mönchischen Lebensform entsprechend gelebt werden? Diese Idee kam weniger durch Inspiration als durch Beobachtung der Menschen, die Freude an einer solchen Art zu leben und zu beten haben.

„Verzweiflung“ – davon gibt es eine Menge in unserer Zeit. Ich will daher dieses Bedürfnis von Menschen nicht als Verzweiflung bezeichnen. Denken wir nur an das Wort „verzweifelt“ in Bezug auf die wachsenden Probleme, mit denen hilflose Flüchtlinge in diesen Wochen konfrontiert sind, an die Armut und Ungleichheit in unserer Gesellschaft und die geistige und intellektuelle Austrocknung unserer zeitgenössischen Kultur.

War es Zufall, oder wurde das Kloster bewusst in einem Stadtteil gegründet, von dem man sagt, dass dort nicht nur Menschen wohnen, die auf der Sonnenseite des Lebens stehen?

Johannes Kreier: Man kann in einer Sekunde ein solches Stereotyp wiederholen, das dann für lange Zeit anhält. Ich glaube nicht, dass Burbach wesentlich anders ist als andere Vorstädte in Deutschland mit industrieller Vergangenheit. Ich persönlich bin sehr gerne hier. Aus der Sicht des Klosters war es ein sehr glücklicher „Zufall“: Die Menschen hier haben das Projekt von Anfang an mit großer Begeisterung angenommen, die heute noch wächst. Aber ich muss klarstellen, dass diejenigen, die jede Woche zu uns kommen, nicht nur Saarbrücker aus der unmittelbaren Nachbarschaft sind. Menschen kommen aus allen Teilen der Stadt und der umgebenden Region. Wir freuen uns sehr über diese Vielfalt. Sie ist gleichzeitig der Inbegriff einer Einheit, die heute so dringlich ist.

Herz Jesu war eine eigenständige Pfarrei, gehört jetzt zur Burbacher Großpfarrei. Wie haben es die Katholiken in Burbach aufgenommen, dass ihre Pfarrkirche nun Klosterkirche ist?

Johannes Kreier: Es gibt wohl Menschen, die auch heute noch eine gewisse Bitternis darüber verspüren, und das ist ihr gutes Recht. Denn die Auflösung einer Pfarrei ist der Vertreibung eines Menschen aus dem eigenen Haus ähnlich. Allerdings muss man auch sagen, dass im Gegensatz zu den meisten Kirchengemeinden, denen es ähnlich ging und geht, die Herz-Jesu-Kirche durch eine ähnliche Nutzung immer noch Kirche ist. Eine große Zahl von Pfarrangehörigen hat dies auch verstanden und das Kloster begrüßt.

Das Kloster am Rande der Stadt ist keine Gemeinschaft hinter Mauern.

Johannes Kreier: Erlauben Sie mir, dass ich ein Missverständnis aufkläre, das bei denen, die uns aus der Ferne wahrnehmen, oft auftritt: Kloster am Rande der Stadt ist kein Kloster im klassischen Sinn. Wir nennen uns Kloster aufgrund der monastischen Elemente und des Gebetes, das ein konstitutiver Teil unserer Liturgie ist. Aber weil Sie gerade die Mauern eines Klosters erwähnen: Wenn jemand neu kommt, ist eine Pfarrei nicht selten ein in sich geschlossener Kreis, der zuweilen sogar abweisend auf den Ankommenden wirkt. So ein Gefühl werden Sie im Kloster am Rande der Stadt nicht haben, die Menschen hier sind freundlich, und es gibt viele Aktivitäten, die über den üblichen Rahmen hinausgehen – von Vorträgen über besondere Veranstaltungen, Konzerte und karitatives Engagement – eine Wärme, die man unmittelbar spürt.

Ein Gelübde sei „nichts für menschliche Trockengestecke“ haben Sie vor sechs Jahren gesagt, als eine der Schwestern in die Gemeinschaft aufgenommen wurde. Wie sieht es denn mit dieser Gemeinschaft inzwischen aus? Wie viele Schwestern leben in der Gemeinschaft?

Wie die Schwesterngemeinschaft organisiert ist oder wie viele „ Schwestern der Heiligen Klara“ in Saarbrücken leben, ist nicht vom Kloster am Rande der Stadt abhängig. Die Schwestern , die hier mit uns beten und hart arbeiten, sind Teil einer geistlichen Gemeinschaft, die wiederum eine unabhängige Ordensgemeinschaft ist. Für diese Gemeinschaft haben sie Gelübde abgelegt, nicht für das Kloster am Rande der Stadt. Dies ist ein weiteres Missverständnis, das ich oft zu hören bekomme, das Kloster am Rande der Stadt sei ein „Nonnenkloster“.

Während das Bistum angefangen hat, Pfarreien zusammenzulegen, also die Struktur zu schrumpfen, wurde das Kloster neu gegründet – eine Entscheidung gegen den Trend. War sie richtig?

Es ist wohl immer besser nachzujustieren, als etwas ganz zu beseitigen. In diesem Sinne ist die Entscheidung, kirchliche Aktivität in unserer Gegend nicht zu minimieren, nach wie vor richtig. Das Konzept der Pfarrei steht heute vor gewaltigen Herausforderungen, und es gibt viele Meinungen und Ansätze zu diesem Thema. Kloster am Rande der Stadt ist bestrebt, sowohl konservative als auch moderne Fehler zu vermeiden. Das Kloster verbindet einen offenen, menschlichen Ansatz mit einer intellektuellen und kulturellen Stimulation und der Erhaltung dessen, was die besondere Rolle der Kirche ausmacht, ein spirituell verlässliches Zuhause zu sein.

Wie sehen Sie die Zukunft des Klosters am Rande der Stadt?

Die Zahl der Gläubigen ist stetig gewachsen, und es gibt Interesse an unserem Ansatz auch von Orten außerhalb unserer Region. Aber wir leben in Zeiten extremer sozialer Instabilität. Ich zögere deshalb mit irgendwelchen Vorhersagen. Unser unmittelbares Ziel ist es, den Rahmen unserer kulturellen und prägenden Aktivitäten zu erweitern. Durch die harte Realität angetrieben, bekommen karitatives Engagement und soziale Initiativen eine sehr hohe Priorität. Ich bin mir sicher, dass wir alle – ich , die Schwestern und die Gläubigen – ein gemeinsames Ziel haben: zusammen zu wachsen. Dieses dynamische „Ich bin mir sicher“ erlaubt mir, mir meinen Optimismus zu bewahren.


Drei Nonnen brachten neuen Geist: Schwestern der Heiligen Klara leben im Kloster

Die Schwestern der Heiligen Klara sind eine verhältnismäßig junge Gemeinschaft. 1983 begannen sie ihr „Experiment“, wie sie sagen, in einem Vorarlberger Kapuzinerkloster. 2003 kamen sie nach Saarbrücken.

Zum Adventbeginn 2003 kamen Maria Kriegner, Barbara Moosbrugger und Maria-Dora Höfler nach Saarbrücken. Zusammen mit Pfarrer Johannes Kreier begannen die drei Schwestern der Heiligen Klara, aus dem ehemaligen Pfarrhaus Herz Jesu in Burbach einen „Ort der Kontemplation“ zu machen.

Kontemplation ist religiöse Versenkung und Versunkenheit, Beschaulichkeit und Betrachtung. So beschreibt es der Duden. Die Schwestern beschreiben ihr kontemplatives Kloster als einen Ort des Gebetes und der Stille. „Der tragende Grund und die bestimmende Sehnsucht unseres Lebens ist Gott“, sagen sie. „Kraftquelle“ sei das täglich mehrstündige Gebet, „geistiges Zentrum“ die Feier der Eucharistie.

Aus dem Pfarrhaus und der Kirche Herz Jesu ein „Kloster am Rande der Stadt“. Das Bistum Trier ließ das Pfarrhaus renovieren und stellte es den Schwestern zur Verfügung. Seit der Errichtung der Niederlassung durch Bischof Reinhard Marx heißt es „Haus St. Klara“.

„Unser kontemplatives Leben ist eingepflanzt in eine Umgebung, die der Kirche und allem Religiösen weithin entfremdet ist. Unser Haus ist ein stiller Ort im städtischen Umfeld. Durch die Lage am Rande ist der große Stadtwald nahe und ermöglicht uns auch hier, stille Waldwege zur Erholung oder an den Wüstentagen gehen zu können“, beschreiben die Schwestern den Ort, an dem sie leben..

Der „Ort des Gebets“ soll aber auch offen sein für andere Menschen. Gäste sind den Schwestern willkommen.

Kloster am Rande der Stadt, Hubert-Müller-Straße/Odilienbergstraße, 66115 Saarbrücken,

E-Mail-Adresse: kloster@amrandederstadt.de
Internet: kloster-am-rande-der-stadt.de
 

 
Hat dir dieser Artikel gefallen?
Ja Nein