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Das Saarland, ein Wald-Flickenteppich

Etwa 40 000 Saarländer besitzen ein Stück Wald, oft nur eine kleine Parzelle.  Foto: Weigel/dpa

Etwa 40 000 Saarländer besitzen ein Stück Wald, oft nur eine kleine Parzelle. Foto: Weigel/dpa

Die Saarländer sind stolz auf ihre deutschen „Meisterschaften“ im Eigenheim-Erwerb und bei den Vereinsmitgliedschaften. Was viele nicht wissen: Sie sind auch Spitze beim Waldbesitz. Etwa 40 000 Männer und Frauen können von sich behaupten, ein Stück Wald zu besitzen, überwiegend jüngere Laubwälder mit Potenzial, wobei es den meisten schwerfallen wird, ihre Parzelle überhaupt zu finden und gegenüber der des Nachbarn abzugrenzen. Rein rechnerisch ist jeder Wald nur ein Viertel Hektar groß, oft ein „schmales Handtuch“ von Sportplatzlänge und wenigen Metern Breite. Alles in allem verfügen die „Privaten“ über fast 30 Prozent des saarländischen Waldes, etwa 26 000 von 93 000 Hektar.

Der Wald-Flickenteppich, vor allem im Nordsaarland, gilt als großer Gewinn für die Vielfalt der Landschaften. Tausende unterschiedliche Eigentümerziele und waldbauliche Nutzungen beziehungsweise Nichtnutzungen auf ebenso vielen Parzellen ergeben zusammen „Bio-Diversität pur“, wie es Wendelin von Boch formuliert, der Vorsitzende des Saarländischen Waldbesitzerverbandes. Sein Wunsch: Lasst die Waldbesitzer weiter im Rahmen geltender Gesetze mit möglichst wenig externer Einflussnahme gewähren, das sei Garant für den Fortbestand der Lebendigkeit.

Allerdings stehen die kleinstparzellierten Flächen einer sinnvollen Waldbewirtschaftung im Wege. Holzreserve-Werte im einstelligen Millionenbereich schlummern, wobei Nutzung durch eine naturnahe Waldbewirtschaftung, wie sie im Lande betrieben wird, gemeinhin als bestmöglicher Waldschutz gilt. Deren Lehre heißt: Man kann den bestehenden Gesamtwald reicher und stabiler machen, wenn man ihn durch Entnahme einzelner Bäume pflegt und natürlich verjüngen lässt.

Wie der saarländische Umweltminister Reinhold Jost ( SPD ) bei der Präsentation der jüngsten, mit großem Aufwand betriebenen Inventur des Privatwaldes mitteilte, sind etwa 95 000 Erntefestmeter in Händen von Privatleuten. Die tatsächliche Nutzung wird auf nicht einmal ein Drittel dessen geschätzt. 16 000 Hektar Privatwald werden nie oder nur unregelmäßig bewirtschaftet, vor allem weil sich der Aufwand finanziell und technisch nicht rechnet. Vielen Besitzern fehlt das Wissen, was sie auf ihrer Parzelle tun oder lassen könnten.

Das Ministerium hat eine kostenlose „Privatwaldbetreuung“ eingerichtet. Thomas Reget und Kollegen konnten so manchem Waldbesitzer vor Ort mit einem GPS-Gerät dessen Grundstück überhaupt einmal zeigen. Man möchte dahin kommen, dass mehr Waldbesitzer sich für ihr Eigentum interessieren, eine Bewirtschaftung ins Auge fassen und sich zu diesem Zweck mit Nachbarn, Forstbetriebsgemeinschaften oder demnächst vielleicht Genossenschaften zusammentun, damit sich der Aufwand rentiert. Das Land möchte auch auf die Waldflurbereinigung setzen, also die Zusammenführung von Grundstücken, „ein ideales Instrument, um forstwirtschaftliche Eigentümerinteressen mit öffentlichem Interesse wie Erholung und Naturschutz zu verbinden“, sagte der Umweltminister . Als erstrebenswert gilt auch eine „Waldbörse“, also ein Handelsplatz, wo Verkäufer und Käufer in nennenswerter Zahl zusammenfinden. Der Handel mit Waldgrundstücken ist derzeit noch eine Sache von Insidern.
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