L125 Neunkirchen Richtung Saarbrücken-Johannisbrücke Kreuzung Neunkirchen-Sinnerthal Vollsperrung, Bauarbeiten bis 01.05.2018, eine Umleitung ist eingerichtet Die Sperrung erfolgt aufgrund von Sanierungsarbeiten am Brückenbauwerk und der Fahrbahn im Bereich "Plättches Dohle" (18.04.2017, 10:58)

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Das Saarland ist kein Bafög-Land: Nirgendwo sonst ist die Quote der Studentenförderung so niedrig

Michelle Hussong ist erleichtert. Gerade hat die 19-Jährige ihren Antrag beim Bafög-Amt eingereicht. Ganz vollständig ist er zwar noch nicht, aber: „Das Schlimmste habe ich hinter mir“, sagt die Abiturientin.

Seit sie zwölf Jahre alt ist, hat Michelle ein klares Ziel vor Augen. Sie möchte Jura studieren. „Erst hatte ich die klassische Vorstellung von Strafrecht, wollte Anwältin werden. Aber mittlerweile kann ich mir auch gut vorstellen, als Notarin zu arbeiten“, sagt sie. Darauf arbeitet sie seit Jahren zielstrebig hin, hat Praktika in Kanzleien gemacht und ist nach einem sehr guten Realschulabschluss aufs Gymnasium gewechselt. Vor wenigen Monaten hat sie ihr Abitur mit der Durchschnittsnote 1,5 bestanden.

In ihrer Familie wird Michelle die Erste sein, die studiert. Ihre Mutter ist Hausfrau, ihr Vater Maurer. Erst vor wenigen Monaten ging die Firma, in der er 20 Jahre lang angestellt war, pleite. Seither ist er arbeitslos. Ein Studium können die Eltern ihr daher nicht finanzieren. „Meine Eltern unterstützen mich trotzdem und sind stolz auf mich“, erzählt Michelle. Eine Bekannte brachte sie schließlich auf den Gedanken, Bafög zu beantragen.

Michelle ist an der Saar-Universität keine Ausnahme, so das Ergebnis der Studie „Die Saar-Universität in sozio-ökonomischer Perspektive“. Sie wurde von Saarbrücker Wissenschaftlern um die Soziologen Eike Emrich und Freya Gassmann erarbeitet. 51 Prozent der Studenten stammen aus Nicht-Akademikerfamilien, lautet ihr Ergebnis. Doch dies wäre eigentlich als Hinweis zu werten, dass die Bafög-Quote eher hoch sein müsste, sagt Gassmann. Doch die Realität sieht anders aus. Extrem wenige saarländische Studenten erhalten Bafög , das Saarland ist laut Statistik sogar bundesweiter Negativ-Spitzenreiter. „Im Verhältnis zur Studentenzahl sind es ein Drittel weniger Geförderte als in den meisten anderen Bundesländern“, sagt Joachim Lehmann vom Statistischen Bundesamt. Auf insgesamt 29 544 Studenten im Saarland kamen im vergangenen Wintersemester 4770 Bafög-Empfänger – das sind 16 Prozent. Im Bundesdurchschnitt erhielten dagegen knapp 25 Prozent der Studenten diese Unterstützungszahlungen. Auch der durchschnittliche Förderbetrag war mit 411 Euro deutlich niedriger als anderswo. „Das kann damit zusammenhängen, dass hier so viele der Studenten bei den Eltern wohnen“, erklärt Gassmann. Laut ihrer Studie sind das 38 Prozent der Studenten .

Auch Heike Savelkouls und Elke Wagner vom Studentenwerk können über die Gründe für die geringe Anzahl an Bafög-Empfängern nur spekulieren. „Wir erfassen ja nur die Fälle, wo Bafög beantragt wurde“, erklärt die Leiterin des Amts für Ausbildungsförderung, Elke Wagner. „Das Saarland ist Sparerland“, lautet die Interpretation von Savelkouls. „Wenn wir zum Beispiel bei der Abimesse zu Bafög beraten, sieht man ganz deutlich, dass besonders die Eltern eine Hemmschwelle haben, sich zu verschulden.“ Auch Michelle Hussong hat die Bafög-Rückzahlung zunächst einmal Angst gemacht. „Aber je mehr ich mich mit dem Thema beschäftigt habe, desto mehr ist sie geschwunden“, sagt sie. „Und es ist ja nur ein kleiner Teil, den ich zurückzahlen muss.“

Tatsächlich sei Bafög neben den Stipendien „die beste Studienfinanzierung, die es gibt“, urteilt Elke Wagner. „Die eine Hälfte ist geschenkt und die andere Hälfte kann zinslos und ans spätere Einkommen angepasst zurückgezahlt werden“, erklärt sie. Beträge, die über der Darlehensobergrenze von 10 000 Euro liegen, müssten die Geförderten nicht erstatten.

Generell rät Wagner jedem Studenten , Bafög zu beantragen. „Wenn jemand sein Studium beginnt, soll er es einfach mal probieren – es gibt so viele Kleinigkeiten, die mitwirken.“

Die angehende Jura-Studentin Michelle Hussong haben vor allem die komplizierten Antragsformulare abgeschreckt. Je weiter man da lese, desto schlimmer werde es, „und desto mehr Lücken habe ich gelassen“, lacht sie. Elke Wagner vom Bafög-Amt empfiehlt, das Ganze sportlich zu sehen. „Das ist eine gute Vorübung zur Steuererklärung“, meint sie. „Und natürlich helfen wir auch gerne beim Ausfüllen.“
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