A620 Saarlouis Richtung Saarbrücken Zwischen AS Wallerfangen und AS Saarlouis-Mitte Gefahr durch Gegenstände auf der Fahrbahn (13:11)

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Das Saarland soll fahrradfreundlicher werden

Saarbrücken. Staunend mit offenem Mund, teilweise heftig kopfnickend oder freudig erregt, haben am Mittwochabend im Saarbrücker Landtag etwa 60 Zuhörer zwei Impulsreferaten von Verkehrsexperten aus Stuttgart und Bern gelauscht. Denn bei der Veranstaltung der grünen Landtagsfraktion „Innovation auf zwei Rädern“ berichteten der Stuttgarter Stadtplaner und Radfahrbeauftragte, Claus Köhnlein, sowie der Direktor der Mobilitätsakademie des Schweizer Automobilclubs TCS in Bern Jörg Beckmann von einer modernen Verkehrswelt, in der Radfahren eine selbstverständliche Rolle einnimmt. Ganz im Gegensatz zum Saarland, wo der Anteil des Radverkehrs am Verkehrsaufkommen nur drei Prozent beträgt, wie Grünen-Fraktionsvize Claudia Willger bemerkte. Und wo Radfahrer, schlimmer noch, in Saarbrücken „Randständige“ seien, „eine marginale Gruppe“, wie der Saarbrücker Umwelt-, Migrations- und Rechtsdezernent Kajo Breuer (Grüne), ein passionierter Radler, später in der Diskussion frustriert feststellte.



Dabei sah die Lage in der „Autostadt“ Stuttgart (Daimler, Porsche, Bosch) vor 20 Jahren noch genauso aus. „Wir haben es seitdem geschafft, den Anteil der Radler am Gesamtverkehrsaufkommen von drei auf etwa acht Prozent zu steigern“, sagte Köhnlein.  Aus 53 Kilometern Radwegen wurden 160 Kilometer, rund ums Rathaus wurden drei reine Radstraßen ausgeschildert, viele Vorbeifahrspuren eingerichtet, auf denen die Radler rechts an dem stehenden Autoverkehr vorbeiziehen, Radaufstellflächen vor den Ampeln geschaffen, von denen die Radler bei Grün als erste wegkommen. „Die gemeinsamen Fuß- und Radwege, die nur zu Konflikten führen, haben wir stark abgebaut“, so Köhnlein. Stattdessen wurden zweispurige Ausfallstraßen einer Autospur zugunsten von Radspuren beraubt. 2003 gab sich die Schwabenmetropole ein Radverkehrsförderkonzept, mit dem Ziel, den Anteil der Radler auf 20 Prozent zu steigern. Darum wurde das Stuttgarter Radforum eingerichtet, in dem Verwaltung, Stadträte, Bürgergruppen, selbst der ADAC und Wissenschaftler in drei Arbeitskreisen alle vier Wochen tagen. „90 000 Fahrten gab es mit Leihfahrrädern jährlich, wir haben das Netz der Leihstationen zusammen mit der Bahn jetzt stark ausgeweitet“, so der Stadtplaner. An den Schulen seien professionelle Radständer aufgestellt worden, der Anteil des Schülerverkehrs mit dem Rad steige rapide an. Und das in einer Stadt, die Steigungen von 207 Meter bis 549 Meter über dem Meeresspiegel aufzuweisen hat. Der neueste Knüller am Neckar: Ein Scherbenmelde-Link der Stadtverwaltung im Internet. „Binnen eines Tages werden die Reifenkiller beseitigt“, so Köhnlein.



Den Saarländern beamte der Berner Mobilitätssoziologe Beckmann dann Science-Fiction-Fotos auf die Leinwand.  Der gebürtige Osnabrücker präsentierte Fotos etwa von Yikebikes, von den Flyers, von schnellen Elektrorädern und am Ende vom „furzenden Auto“, dem „Air-Pod“, einem per Druckluft betriebenen Kabinen-Dreirad. „Velomobilität ist positive Mobilität“, betonte Beckmann.

In der Debatte mit Saar-Verkehrsstaatssekretär Dieter Grünewald (Grüne), Andrea Schrickel vom Verkehrsclub Deutschland, Thomas Fläschner vom Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Club (ADFC) Saar und Moderator Werner Gaspard (Grüne) kam schnell die Ernüchterung, angesichts der gewaltigen Aufgabe, ein Umdenken und Umlenken im Saarland hin zu mehr Radverkehr zu schaffen. Die Mutter eines Dudweiler Studenten, der auch im Winter an die Uni radelt, fragte: „Warum werden die Radwege in Saarbrücken im ganzen Winter nicht vom Schnee geräumt?“ Eine Antwort darauf hatte niemand
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