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Das Spiel für Smartphones „Pokémon Go“ hat auch Merzig erobert

Sightseeing der Zukunft? Pokéstops findet man an bekannten Orten, Sehenswürdigkeiten, Denkmälern.

Sightseeing der Zukunft? Pokéstops findet man an bekannten Orten, Sehenswürdigkeiten, Denkmälern.

Das Spiel für Smartphones verbindet die Realität mit der digitalen Spielwelt. Augmented Reality heißt das, wenn echte und virtuelle Welt verschwimmen. Spieler laufen durch die Gegend, das Handy vibriert, und ein wildes Pokémon erscheint auf dem Bildschirm. Wer die Kamera-Funktion einschaltet, sieht das kleine Wesen vor sich auf der Straße sitzen. Mit einem Fingerwisch kann man es einfangen. Dafür gibt es so genannten Sternenstaub und virtuelle Bonbons, die man dafür verwendet die Pokémon stärker zu machen und weiterzuentwickeln. Ursprünglich erschien Pokémon 1996 als Nintendo-Spiel. Wegen des großen Erfolgs gab es kurze Zeit später eine Anime-Fernsehserie, ein Sammelkartenspiel und sage und schreibe 18 Kinofilme. Für viele die in dieser Zeit aufgewachsen sind, ist Pokémon Go deshalb ein Kindheitstraum. Kevin, Kai und Michelle, alle Mitte zwanzig und Pokémonfans der ersten Stunde, versuchen gerade ihr Glück am Sammelpunkt an der Stadthalle in Merzig . „Wir wollten schon immer so sein wie Ash, Rocko und Misty“, die drei Helden der Fernsehserie Pokémon.

 

Gemeinsame Jagd

„Rausgehen in die echte Welt und Pokémon fangen, davon habe ich als Kind schon geträumt“, ergänzt Thomas (27), der gerade zu der Gruppe stößt. Die Freunde haben sich zur gemeinsamen Jagd verabredet. Alle sind sich einig: „Wir gehen jetzt definitiv öfter vor die Tür.“ „Normalerweise würde ich jetzt auf der Couch liegen. Aber in dieser Woche bin ich schon 30 Kilometer gelaufen – Pokémon sei Dank“, sagt Thomas. Wenn sie erzählen, lösen sich die Blicke nicht von den Bildschirmen. Niemand wolle unhöflich sein, sagen sie, aber gerade sei wieder ein wildes Pokémon aufgetaucht. Das darf natürlich nicht entwischen.

 

Thomas präsentiert stolz seine 61 bereits gefangenen Errungenschaften. Wie in dem ersten Videospiel gibt es in der aktuellen Version von Pokémon Go 151 Pokémon verschiedener Typen, wie Psycho, Wasser, Feuer und viele mehr. Und Fans müssen wirklich in Bewegung bleiben, um sie alle zu sammeln. So findet man Pokémon des Typs Wasser auch wirklich nur in der Nähe von Brunnen wie im Stadtpark in Merzig , an Seen wie in Losheim oder an Flüssen wie der Saar. Auch eine Besonderheit des Spiels: So genannte Poké-Eier werden erst ausgebrütet, nachdem man eine gewisse Anzahl an Kilometern zurückgelegt hat. Die jungen Leute greifen auf Fahrräder oder Cityroller zurück, um den Vorgang zu beschleunigen. Mit dem Auto kann man nicht schummeln.

 

Plattenspielertrick

Schneller als 20 Kilometer pro Stunde darf man nicht sein. Aber die Community ist erfinderisch: Yannick (25) erzählt vom Plattenspielertrick: „Man legt sein Gerät einfach auf einen sich drehenden Plattenspieler, bis das Pokémon schlüpft.“ Normalerweise zielt das Spiel aber darauf ab, seine Spieler an die frische Luft zu locken. Basierend auf den Geodaten von Google-Maps werden auf einer Karte so genannte Pokéstops angezeigt, Orte an denen man für das Spiel wichtige Items, also Waren, wie Pokébälle zum Fangen der Fantasiewesen oder Heiltränke, sammeln kann. Diese Pokéstops sind in der Regel an bekannten Orten, Sehenswürdigkeiten oder Ähnlichem wie am Brunnen hinter dem Alten Rathaus, an der Kreuzbergkapelle, am Bahnhof Stadtmitte oder am Merziger Weg der Kinderrechte im Park.

 

Virtuelle Belohnung

Dabei entdeckt man auch schon mal Besonderheiten, an denen man bisher vorbei gelaufen ist: „In Losheim gibt es eine Brücke mit sehr viel Pop Art, ich wohne seit einem Jahr dort und habe sie zuvor noch nie gesehen“, erzählt Kai. Jetzt läuft er fast täglich hin, um seine virtuellen Belohnungen einzusammeln.

 

Aber nicht jeder ist wie Kai langjähriger Pokémon-Fan. Alexander (22) aus Schwemlingen erzählt, dass er früher Geocaching betrieben hat, eine Art elektronische Schnitzeljagd. Von Pokémon hat er durch die Nachrichten erfahren: „Man hört ja im Moment sehr viel davon, und es ist quasi wie Geocaching. Deshalb dachte ich, ich probier's mal aus.“ Jaqueline (31) hat ihrem Partner zuliebe angefangen. Gemeinsam gehen sie jetzt auf Monsterjagd im Stadtpark: „Es hat einen gewissen Suchtfaktor . Und endlich geht man mal wieder spazieren“, freut sie sich.

 

An einigen Denkmälern und sonstigen öffentlichen Orten gibt es auch so genannte Arenen. Drei Teams kämpfen hier mit ihren Pokémon um die Vorherrschaft in der jeweiligen Arena. In Merzig kann beispielsweise eine Arena an der Saline im Stadtpark eingenommen werden.

 

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Hintergrund Von Beginn an stand das Spiel auch in der Kritik: Es gebe zu viele Informationen preis. Die Verbraucherzentrale Bundesverband mahnte das Unternehmen Niantic bereits ab, weil die Nutzungsbedingungen nicht mit dem deutschen Verbraucherrechts- und Datenschutzstandard einhergingen. Vor allem für jüngere Spieler ist das gefährlich. Von Datenschutz wollen die befragten Spieler allerdings nichts wissen: „ Datenschutz ? Seit es Facebook gibt, ist der doch eh passé.“ In Ländern wie den USA, in denen das Spiel schon länger erschienen ist, kam es bereits zu etlichen Unfällen: „Man muss das Spiel schon mit Verstand spielen und das Handy beim Überqueren der Straße wegpacken“, seufzt die Gruppe an der Stadthalle , die Augen rollend: „Dann passiert auch nichts“. Es sind auch Fälle aus den USA bekannt, in denen Spielern an abgelegeneren Pokéstops aufgelauert wurde, um sie auszurauben. Aber die App kann der Polizei auch behilflich sein, informiert Kevin: „In Trier wurde ein gesuchter Straftäter von der Polizei gefasst, weil er Pokémon spielend durch die Gegend geschlendert ist“. nid
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