A1 Saarbrücken - Trier AS Quierschied in beiden Richtungen Gefahr durch Fahrradfahrer auf der Fahrbahn (12:35)

A1

Priorität: Sehr dringend

22°C
Saarbrücken
weather-Saarbrücken
22°C
Saarbrücken
weather-Saarbrücken

Das Wetter macht dem Saarland zu schaffen

Saarbrücken. Für Willi Scholtes war die Nacht zum Donnerstag schon vorbei, bevor sie richtig begonnen hatte. Um halb eins wurde der Vorsitzende des DRK-Ortsvereins Reimsbach-Oppen vom Klingeln seines Handys aus dem Schlaf gerissen. Eine Stunde später stand er mit zwei Kollegen und 40 Liter heißem Zitronentee auf der Autobahn bei Perl. Dort waren rund 50 Lkw auf der glatten und schneebedeckten Fahrbahn liegen geblieben. Die Rotkreuzler versorgten die Brummifahrer mit dem wärmenden Getränk. „Das gehört zum Ehrenamt dazu“, sagt Scholtes, der erst um fünf Uhr wieder zurück ins Bett konnte.

Während sich die Lkw-Fahrer wenigstens von innen wärmen konnten, verlief der Mittwochabend für viele saarländische Pendler in Luxemburg richtig übel. Ein SZ-Leser berichtete, dass seine Frau Stunden auf der Autobahn feststeckte – von Helfern mit Tee oder Decken keine Spur. Matthias Probst aus Beckingen-Honzrath entschied sich mit Blick auf das Chaos im Großherzogtum gleich dazu, die Nacht im Büro zu verbringen.

Unfälle, Staus, Straßensperrungen, Züge zu spät, Stromausfälle im Kreis Merzig-Wadern: Der Winter zeigt in diesen Tagen sein hässliches Gesicht. Im Regionalverband wurde der Busverkehr am Mittwochabend komplett eingestellt, der Müll blieb in Teilen des Landes liegen, Krankenhäuser mussten vermehrt Knochenbrüche behandeln. In Ensheim, Zweibrücken, Luxemburg und am Hahn fielen zahlreiche Flüge aus. Und auf den Straßen sah es ganz schlimm aus. Allein zwischen Mittwochabend und Donnerstagfrüh registrierte die Polizei im Saarland fast 100 Unfälle mit sechs Leichtverletzten, bis gestern Mittag kamen weitere 20 Blechschäden dazu.

Die Kombination aus Glatteis und Schnee sei „böse“ gewesen, sagt Klaus Kosok vom Landesbetrieb für Straßenbau (LfS), vor allem im Nordwesten des Landes hätten am Mittwoch „wilde Verhältnisse“ geherrscht. Um 16 Uhr wurden die ersten der 81 Streufahrzeuge losgeschickt, die die ganze Nacht im Einsatz waren, um fast 2000 Kilometer Straße von Schnee und Eis zu befreien. Für die Fahrer bedeutet das volle Konzentration bei wenig Schlaf. „Das schlaucht schon, wir sind am Limit“, sagt Timo Fries aus Aschbach, der seinen Dienst gestern um zehn Uhr beendete. Wie schon häufiger hätten ihm einige Drängler das Leben schwer gemacht. Kosok berichtet, dass es in jedem Winter zu „haarsträubenden Situationen“ kommt, weil Streufahrzeuge „auf abenteuerliche Weise“ überholt werden.

Was es für den LfS besonders schwierig machte, war neben dem massiven Wintereinbruch das Hochwasser der Saar. Ein „ziemlicher Super-Gau“ sei diese Kombination, sagt Kosok. Um kurz vor 21 Uhr am Mittwoch machte die Polizei die Saarbrücker Stadtautobahn dicht, was für erhebliche Beeinträchtigungen und in der Folge viele genervte Autofahrer sorgte, die ihren Frust nicht selten hupend hinausposaunten. Nachdem beim Landesamt für Umwelt- und Arbeitsschutz gestern mit allmählich fallenden Pegelständen gerechnet wurde, ging man dort davon aus, dass die Stadtautobahn „frühestens heute Abend“ wieder freigegeben werden kann. Auch bei Bahn, Bus und an den Flughäfen normalisierte sich die Lage.

Froh über das Schneechaos dürften allein einige Schüler gewesen sein. Am Schengen-Lyzeum in Perl fiel der Unterricht gestern komplett aus. Viele andere Schüler im Land kamen wegen Bus-Ausfällen erst mit Verspätung ins Klassenzimmer.

 

Hat dir dieser Artikel gefallen?
Ja Nein