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Das nasse Wetter im Saarland beschert Umsatzeinbußen

Nicht dass kräftiger Regen grundsätzlich etwas Schlechtes wäre: US-Schauspieler Gene Kelly etwa wusste sich einst lachend durch die Güsse zu steppen und machte „Singing in the Rain“ (1952) zu einem der erfolgreichsten Film-Musicals aller Zeiten. Uns aber ist derweil das Tanzen und Singen längst vergangen, Starkregen im Wechsel mit Schauern verhageln uns Wochenende um Wochenende und die Stimmung sowieso. Viel schlimmer noch die Wasserschäden in vielen Gebäuden, die nicht nur im Saarland in die Millionen gehen. Für das Wochenende zumindest ist kaum Besserung in Sicht. Wetter-Apps üben sich schon in Kraftausdrücken wie „Krawalltief Karin sorgt für viele Unwetter “.

 

Dennoch versuchen zumindest Veranstalter im Saarland optimistisch aufs Wochenende zu blicken: Heftige Regenschauer werden der dreitägigen Trofeo Karlsberg , dem internationalen Radrennen für Junioren, keinen Abbruch tun. „Das Rennen findet ja auf öffentlichen Straßen statt, allenfalls könnte eine Etappe abgesagt werden“, sagt Organisationsleiter Wolfgang Degott. Auch das „Rockcamp“-Festival wird über die Bühne gehen, allerdings nicht in Saarwellingen und nicht als Openair, sondern in der Saarbrücker Saarland-Halle. Für Besucher, die ihre gebuchten Hotelzimmer in Saarwellingen nicht mehr stornieren können, haben die Organisatoren eigens einen Shuttle-Service nach Saarbrücken eingerichtet, wie Mitveranstalter Stefan Mohr erklärt. Kleinere Veranstaltungen wie etwa „Jazz unter Bäumen“ in Quierschied, ein Familienfest im besonders betroffenen Dirmingen fallen entweder aus oder werden wie das Brunnenfest in Dillingen-Pachten verschoben.

 

Auch EM-Fans werden beim „Public Viewing“ im Freien wohl wenig Freude haben – etwa auf dem Großen Markt in Saarlouis, wo bis zu 12 000 Menschen auf einer 25 Quadratmeter großen Leinwand die Spiele verfolgen können. Profitieren dürfte davon beispielsweise der Lokschuppen in Dillingen, der Zuschauern Schutz vor Regengüssen bietet – wie ohnehin ein Großteil des Public Viewings im Saarland in Gaststätten stattfindet.

 

Den Gastwirten vermiest das anhaltende Regenwetter dennoch spürbar das Geschäft. „Die Unplanbarkeit macht uns allen zu schaffen, insbesondere den Kollegen, die vom Außengeschäft abhängig sind“, sagt Jürgen Becker, Saarbrücker Gastronom und Präsidiumsmitglied des Hotel- und Gaststättenverbandes Saarland (Dehoga). Seit diesem Jahr hätten Saarbrücker Gastwirte zudem eine Preissteigerung von 33 Prozent für die Außengastronomie zu verkraften. „Es wird nicht einfach sein, diese Kosten in diesem Sommer zu generieren“, so Becker.

 

Immerhin gibt das Umweltministerium Hochwasser-Entwarnung: Die Saar wird wohl nicht über die Ufer treten. „Da es aktuell keine großräumige Regenlage gibt, sondern eher kleinräumige Gewitterzellen , sind die Pegelstände derzeit nicht kritisch“, beruhigt Referatsleiter Hilmar Naumann.

 

Bei den saarländischen Bauern herrscht ebenfalls noch keine Katastrophenstimmung. Das Wachstum insbesondere von Gras und Getreide sei positiv, teilt der Hauptgeschäftsführer des Saar-Bauernverbands, Hans Lauer, mit. Lediglich für die Heuernte sei es zu nass: „Wir bräuchten jetzt eine Woche ohne Regen mit Temperaturen zwischen 20 und 25 Grad. Und wir bräuchten Sonne, damit die Pflanzen mehr Blüten bekommen und die Früchte Geschmack entfalten.“ Damit dürfte Lauer nicht allein den Landwirten aus der Seele sprechen.

 

Vor allem die Erdbeerbauern hoffen noch auf bessere Ernten. Hans-Georg Ernst von Erdbeerland in Heusweiler schätzt die Ausfälle mancher Flächen auf 50 Prozent. „Wir belegen einige Böden mit Stroh, damit die Beeren nicht mit der Nässe in Berührung kommen“, erklärt Ernst. Die Haut der Beeren sei durch die Nässe sehr empfindlich und daher anfällig für Schimmel. Bauer Ernst hofft daher auf die späteren Erdbeersorten: „Wenn sich das Wetter jetzt bessert, erwarten wir wenig Schaden.“ Noch wollen sich die Meteorologen nicht wirklich festlegen, doch zumindest für kommende Woche scheint Entspannung in Aussicht.

 

 

Zum Thema:

Die schweren Unwetter der vergangenen Wochen in Deutschland haben einer vorläufigen Schätzung nach versicherte Schäden von rund 1,2 Milliarden Euro verursacht. Eine Milliarde Euro werden die Versicherungen wohl für überschwemmte Häuser, Gewerbe- und Industriebetriebe zahlen, rund 200 Millionen Euro für beschädigte Autos, wie der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) gestern mitteilte. afp

 
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