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Debatte um Abiturprüfungen auf Bundesebene

Unterschiedliche Bundesländer, unterschiedliche Standards? Das sollte nicht sein, findet die 18-jährige Hedda Engel aus Eppelborn. Die diesjährige Abiturientin sieht die Entscheidung positiv, ab kommendem Jahr die Abiturprüfungen in den Kernfächern bundesweit anzugleichen. Roman Zhdanov, der sein Abitur dieses Jahr am Saarbrücker Otto-Hahn-Gymnasium absolviert hat, ist da anderer Meinung. „Wir wollen keine Einheitsschule“, sagt der junge Mann, der sich auch als Pressesprecher der saarländischen Schülerunion engagiert. Seiner Ansicht nach könne durch eine Vereinheitlichung der Abiturprüfungen am Ende nur das Niveau leiden. In der Konsequenz befürchtet er, dass immer mehr Schüler Zugang zur Hochschulreife bekämen und dadurch Lehren und Ausbildungsplätze unattraktiver würden. Doch wie umgehen mit den Unterschieden in der deutschen Bildungslandschaft?

 

Thüringens Abiturienten waren schon vor zehn Jahren die besten, sie sind es auch 2016. Das Saarland bleibt nach wie vor im Mittelfeld und verschlechtert sich im Vergleich zum Vorjahr geringfügig um 0,02 Punkte. Niedersachsen hält seit Ewigkeiten die Rote Laterne der Abi-Liga. Das Bundesländer-Ranking nach Notenschnitt und Einser-Prüfungen sorgt regelmäßig für Kopfschütteln über den deutschen Bildungsföderalismus. Auch von Bildungsexperten werden die Bundesländer-Unterschiede beim Hochschulreifetest als ungerecht empfunden. Immerhin: Nächstes Jahr wird die Vergleichbarkeit der Abiturprüfungen etwas besser. Dann greifen alle 16 Länder erstmals auf einen gemeinsamen Aufgabenpool zu – wenn auch nur in den Fächern Deutsch, Mathematik, Englisch und Französisch. Für die Präsidentin der Kultusministerkonferenz (KMK), Claudia Bogedan, ist dies „ein zentraler Schritt für mehr Gerechtigkeit“. Heinz-Peter Meidinger, Chef des Deutschen Philologenverbandes, hält den Aufgabenpool hingegen für viel zu klein, um wirklich von einer gewissen Abitur-Gleichwertigkeit zu sprechen. „Wenn man sich die rechnerische Bedeutung dieses gemeinsamen Prüfungsteils anschaut, dann ist die nur minimal“, sagt er. Für den Bildungsgewerkschafter wäre die Uneinheitlichkeit von Prüfungen und Noten halb so wild, „wenn es den Numerus Clausus für viele begehrte Studienfächer nicht gäbe. Aber bei der Vergabe der Studienplätze wird eben nicht unterschieden, ob eine Abi-Note aus Niedersachsen stammt oder aus Thüringen“. Ein erster Blick auf die aktuelle Statistik zeigt: Die Ergebnisse werden im Schnitt fast überall seit Jahren immer besser. Was konstant bleibt, ist die Ungleichheit von Land zu Land.

 

Am stärksten war der Sprung in Berlin – von einem Notenmittelwert 2,68 (2006) auf 2,40 (2016). Knapp dahinter Nordrhein-Westfalen, wo nach den aktuellsten Zahlen für 2016 ein Schnitt von 2,45 ermittelt wurde (2006: 2,66). Klare Verbesserungen gab es auch in Brandenburg (in zehn Jahren von 2,48 auf 2,30) und Thüringen (von 2,33 auf 2,18). Nur ganz wenige Bundesländer, etwa Baden-Württemberg, schwammen mit verschlechtertem Abi-Schnitt gegen den Strom. Auch bei den Einser-Quoten sind die Unterschiede groß: Während in Thüringen vier von zehn Abiturienten eine Top-Note – mit entsprechend besseren Chancen im NC-Wettbewerb – erhalten, sind es nicht mal 20 Prozent in Niedersachsen, Schleswig-Holstein und Rheinland-Pfalz. Dass in zwölf von 16 Bundesländern immer mehr Schüler ihr Abitur mit einer Eins vor dem Komma absolvieren, sieht Meidinger kritisch. Dies habe etwas mit politischen Entscheidungen der Kultusministerien zu tun, wie etwa der Verkürzung der Schulzeit von neun auf acht Jahre (G8). Das neue System „erkauft sich die Politik gerade am Gymnasium und beim Abitur , indem sie Notenberechnungs- und Prüfungssysteme aufweicht“, sagt Meidinger. Manche Länderminister reagieren pikiert auf die Vorwürfe. In Sachsen, wo sich der Abi-Schnitt innerhalb eines Jahrzehnts von 2,44 auf 2,29 verbesserte und die Traumnote 1,0 zuletzt von 167 Schülern (2006: 132) erreicht wurde, sagte Kultus-Ressortchefin Brunhild Kurth ( CDU ): „Wir messen uns nicht an der Quote der Spitzenzeugnisse, sondern an den Rückmeldungen von der Wirtschaft und den Universitäten. Dort ist das sächsische Abitur anerkannt.“

 

KMK-Präsidentin Bogedan ahnt trotz der Bestrebungen für das einheitlichere Abitur , „dass uns diese Debatte erhalten bleiben wird“. Jetzt werde man erst einmal die Erfahrungen mit dem Aufgabenpool 2017 abwarten. Die Landesschülervertretung Saar halte „einheitliche Standards für sinnvoll, eine komplette Vereinheitlichung jedoch nicht“, heißt es in einer schriftlichen Erklärung auf SZ-Anfrage. Ein Zentralabitur mache nur Sinn, wenn es auch ein „bundesweit gleiches Bildungssystem“ gebe. Auch Bayerns Kultusminister Ludwig Spaenle ( CSU ) wünscht sich statt eines Zentralabiturs weiterhin „Freiräume“ der Länder, „um eigene Schwerpunkte in der schulischen Bildung zu setzen“.

 

Meinung:

 

Einen Versuch ist es wert

Von SZ-Redaktionsmitglied Fatima Abbas

 

Die Qualität des Abiturs sollte nicht vom Wohnort des Schülers abhängen. Diese Einsicht ist in der Politik angekommen und das ist auch gut so. Dass man die Schritte hin zu einem Zentralabitur nur vorsichtig tut, ist verständlich. Wer eine einheitliche Reifeprüfung auf Bundesebene fordert, muss auch dafür sorgen, dass die Schüler bis zum Abitur unter vergleichbaren Bedingungen vorbereitet werden. Und genau das ist bislang nicht der Fall. Immer noch herrschen von Bundesland zu Bundesland unterschiedliche Standards. Die Umstellung auf G 8 macht die Vergleichbarkeit nicht einfacher. Sie rückt vielmehr die berechtigte Frage nach der Qualität der Bildungsvermittlung in den Fokus. Es bleibt abzuwarten, ob diese sich durch die Vereinheitlichung der Abi-Prüfungen in den Kernfächern tatsächlich verbessert. Einen Versuch ist es jedenfalls wert. Denn der bisherige Vergleich von wenig aussagekräftigen Abi-Durchschnittsnoten bringt niemanden in Deutschland weiter.
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