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Den IS-Terroristen entkommen

Abdo Merza und Tochter Maryam haben es ins Saarland geschafft. Seine Frau harrt mit drei Kindern in Beirut aus. Foto: Klostermann

Abdo Merza und Tochter Maryam haben es ins Saarland geschafft. Seine Frau harrt mit drei Kindern in Beirut aus. Foto: Klostermann

. Abdo Merza, 39, muss in den vergangenen Monaten um Jahre gealtert sein. Der Familienvater stammt aus einem Dorf der christlichen Assyrer am Chabour-Fluss im Norden Syriens, war dort Taxi- und Lkw-Fahrer. Am 23. Februar dieses Jahres begann der Sturm der Terroristen des Islamischen Staates (IS) auf diese Dörfer, in denen die Urchristen noch Aramäisch, die Sprache Jesus', sprechen. „Die Türkei hat den Staudamm aufgemacht, der ausgetrocknete Fluss schwoll an, und die Menschen saßen in der Falle“, sagt Charli Kanoun, Chef der assyrischen Kultusgemeinde in Saarlouis, der als Übersetzer beim SZ-Redaktionsbesuch von Merza in Saarbrücken dabei ist. Merza guckt traurig, seine sechsjährige Tochter Maryam weicht dem Vater nicht von der Seite. Etwa 300 Assyrer geraten an jenem Februartag in die Geiselhaft der IS-Kämpfer, darunter Merza und Maryam; seine Frau konnte sich mit drei weiteren Kindern vorher noch aus der Kampfzone retten.

„Wir wurden vom IS in deren Hochburg gebracht und in einen engen, dunklen Raum gepresst. Männer und Frauen wurden getrennt. Maryams Tante war auch unter den Geiseln “, berichtet Merza. Die IS-Leute wollten die 300 Christen zwingen, zum Islam überzutreten. Mehr über die Umstände der Geiselhaft will Merza nicht berichten, da sich noch immer 250 Assyrer in deren Gewalt befinden und er die Rache des IS fürchtet. Nachdem sie keinen Erfolg mit der Islamisierung hatten, sei es den Geiselnehmern schlicht ums Geld gegangen. Merza wurde gezwungen, als Bote in die Stadt Al Hasseke etwa 60 Kilometer von der IS-Stellung entfernt zu fahren. Er hatte ein Schreiben des IS-Kommandeurs an den Bischof von Al Hasseke, Mar Aprem, dabei, in dem der IS-Kommandant 50 000 Dollar pro Geisel forderte. Zugleich stand in dem Schreiben: Wenn Merza nicht binnen drei Tagen zurückkehrt, werden seine Tochter und die Tante getötet. „Ich musste verschiedene Kontrollposten von Kurden und sunnitischen Milizen passieren. In Al Hasseke brauchte der Bischof zwei Tage, um das Geld für 21 Geiseln , die frei kommen sollten, zu beschaffen“, sagt Kanoun. Und Merza schafft es, rechtzeitig vor Ablauf der Frist zurückzukehren.

Merza und Maryam kommen frei und reisen auf gefährlichen Wegen im Bürgerkriegsland über Damaskus in den Libanon aus. Dort erhalten Merza und Maryam zusammen mit den anderen 19 Geiseln Visa für Deutschland. Das sei sehr schnell und unbürokratisch gegangen, erklärt Kanoun. Er danke im Namen der assyrischen Kultusgemeinde besonders dem Generalsekretär der Saar-CDU, Roland Theis , und dem Kanzleramtsminister Peter Altmaier ( CDU ), die im Hintergrund die Strippen für diese Rettung aus der Hölle gezogen hätten, sagt Kanoun.

Doch während die Ex-Geiseln nur zehn Tage auf die Visa warten mussten, müssten normale syrische Flüchtlinge inzwischen zwei Jahre auf einen Termin in der deutschen Botschaft in Beirut warten. Merza berichtet von dem Schock, als er erfuhr, dass seine Frau mit den drei anderen Kindern, eine Tochter (5), ein eineinhalbjähriger Sohn und eine acht Monate alte Tochter, nicht mit ihm und Maryam nach Deutschland ausreisen dürfen. „Die vier leben jetzt in einer Garage in Beirut, ohne Heizung, Wasser oder Strom. Wie sollen sie den Winter überleben?“, fragt Merza verzweifelt. Auch Maryam frage ständig nach der Mutter und den Geschwistern, für sie sei die Trennung besonders schlimm. Zudem sei die beste Freundin Maryams noch immer in den Händen des IS. Denn wie es für die anderen noch etwa 250 christlichen Geiseln in Nord-Syrien weitergehe, wisse man nicht, sagte Kanoun. Der IS-Kommandant habe inzwischen den Preis pro Geisel verdoppelt auf 100 000 Dollar. Diese Summe könnten der Bischof und die kleine Gemeinde, die dort noch übrig geblieben sei, nicht aufbringen, sagt Kanoun traurig.
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