A620 Saarlouis Richtung Saarbrücken Zwischen AS Saarbrücken-Messegelände und AS Saarbrücken-Westspangenbrücke Gefahr durch ungesicherte Unfallstelle (15:56)

A620

Priorität: Sehr dringend

13°C
Saarbrücken
weather-Saarbrücken
13°C
Saarbrücken
weather-Saarbrücken

Der Biosprit ist für viele ein Problem

Saarbrücken. E10 oder nicht E10? Das ist die Frage, die derzeit einen Großteil der Besitzer eines Autos mit Ottomotor beschäftigt: Verträgt mein Fahrzeug den neuen Kraftstoff, der seit Anfang Februar flächendeckend im bundesdeutschen Tankstellennetz angeboten wird? „Wir machen momentan eigentlich nichts anderes mehr, als diese Frage zu beantworten“, berichtet Birgit Spaltmann von zahlreichen Anrufen. 30 bis 40 Mal in der Stunde klingelt das Telefon in der Verkehrsabteilung des ADAC, wollen die Anrufer von Spaltmann und ihren Kollegen Auskunft über die Spritverträglichkeit. „Es besteht offensichtlich eine ganz große Verunsicherung bei den Autofahrern“, berichtet Spaltmann. Und nicht nur dort. „Einige Anrufer haben uns geschildert, dass selbst Vertragswerkstätten bei älteren Autos keine verbindliche Aussage machen.“

Dass das so ist, hat auch ein Saarbrücker Autofahrer am eigenen Leib erfahren: „Ich habe bei meinem Saarbrücker VW-Händler angerufen, weil ich wissen wollte, ob mein Polo Baujahr 1999 den neuen Sprit verträgt. Dort wurde mir dann gesagt, dass ich etwa der 400. Anrufer an diesem Tag mit dieser Frage sei“, berichtet dieser. Der Mann wurde erst einmal vertröstet: „Zunächst konnte man mir keine Auskunft geben. Aber der Werkstattmeister hat später zurückgerufen und mir geraten, vorerst kein E10 zu tanken, da noch keine Daten zu älteren Autos vorliegen.“ Jetzt tankt der Autofahrer weiter den normalen Sprit mit der Bezeichnung E5, wobei die Ziffer den prozentualen Ethanolanteil angibt.
Bei Super E10 ist der Ethanolanteil doppelt so hoch wie beim althergebrachten Kraftstoff, beträgt also zehn Prozent. „Und das kann für ältere Autos gefährlich sein“, erklärt ADAC-Fachfrau Spaltmann. „In älteren Modellen wurden Materialien verbaut, die unter Umständen mit Ethanol reagieren.“ Daher sollten Autofahrer, wenn im Handbuch Superplus (Oktanzahl über 95) empfohlen ist, generell die Finger von E10 lassen.

Ein Großteil aller Autos mit Benzinmotor ist jedoch für eine E10-Betankung geeignet. Vor allem bei Modellen jüngeren Datums gibt es gewöhnlich keine Probleme. Jedoch kann bereits eine einzige irrtümliche Tankfüllung mit E10 zu ernsten, nachhaltigen Schäden führen. Wichtig ist, dass das Fahrzeug dann keinesfalls gestartet wird, damit der Kraftstoff nicht in das gesamte System gelangt. Bleibt der Motor aus, muss üblicherweise nur der Tank leergepumpt und geeigneter Kraftstoff aufgefüllt werden. Vor dem Verwenden sogenannter Additiven, die im Zubehörhandel angeboten werden und die E10-Tauglichkeit auch bei nicht „freigegebenen“ Modellen garantieren sollen, rät Spaltmann ab: „Ich kann mir nicht vorstellen, dass das den Motor wirklich schützen kann. Lieber weiter den normalen E5-Sprit tanken, bis es zum eigenen Modell genaue Angaben vom Hersteller gibt.“

Das empfiehlt auch Dieter Zägel, der in Marpingen eine Tankstelle betreibt. „Es ist eine Katastrophe. Ich bin den halben Tag draußen an den Zapfsäulen und versuche die Fragen unserer Kunden zu beantworten. Die Leute sind total verunsichert und wissen nicht, was sie tanken sollen“, erzählt Zägel. Bei jedem Fahrzeug weiß er es auch nicht, „aber ich habe von den Herstellern spezielle Durchwahl-Nummern bekommen. Notfalls rufen wir dort an und fragen nach, ob das jeweilige Fahrzeug tauglich ist“.
www.dat.de

Meinung
Sprit statt Brot für die Welt
Von SZ-Redaktionsmitglied Thorsten Grim


 Erdöl wird knapper und Benzin folglich teurer. Daher ist der Gedanke, mehr Bio in den Kraftstoff zu bringen, um unabhängiger von Öl exportierenden Ländern zu werden, sicherlich gut gemeint. Aber auch hier gilt: Gut gemeint ist meist das Gegenteil von gut gemacht. Denn wenn die Flächen für den Anbau von Lebensmittel künstlich verknappt werden, und das ist letztlich die Folge des Ackerbaus für den Benzintank, verstärkt sich automatisch das Hungerproblem in Entwicklungsländern. Darüber hinaus wird der neue Kraftstoff, der einen schlechteren Wirkungsgrad als herkömmliches Super-Benzin aufweist, damit er auch gekauft wird, steuerlich kräftig subventioniert. Das kann und darf nicht der Weisheit letzter Schluss sein.

Hintergrund
Der Kraftstoff Super E10 enthält neben dem klassischen Benzin bis zu zehn Prozent Ethanol, ein Biokraftstoff, der aus Pflanzen oder anderen biologisch abbaubaren Produkten gewonnen wird. Hierin liegt sowohl der Vor- als auch Nachteil von E10: Einerseits sinkt die Umweltbelastung durch den CO2-Ausstoß von Autos, da ein großer Anteil nachwachsender Rohstoffe verbrannt wird. Andererseits werden aber Feld- und Ackerflächen, auf denen ansonst Nahrungsmittel wachsen
Hat dir dieser Artikel gefallen?
Ja Nein