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Der Bischof und die Schwulen: Ackermann diskutiert Position der Kirche

Der Trierer Bischof Stephan Ackermann.

Der Trierer Bischof Stephan Ackermann.

In Papst Franziskus sehen viele einen Hoffnungsträger für Veränderungen in der Kirche. Und als der Pontifex vor Jahresfrist beim Rückflug vom Weltjugendtag in Rio kund tat, „wenn eine Person homosexuell ist, Gott sucht und guten Willens ist, wer bin ich, über ihn zu richten?“, hielten auch Lesben und Schwule eine Zeitenwende im Vatikan für möglich. Nachprüfbar anders ist die amtskirchliche Auffassung von Homosexualität seitdem nicht geworden.

„Zu den Sünden, die schwer gegen die Keuschheit verstoßen, gehören Masturbation, Unzucht, Pornografie und homosexuelle Praktiken“, heißt es unverrückbar im Katechismus, dem Handbuch für katholische Glaubensfragen. Allerdings: Es gibt Gesprächsbereitschaft zwischen einzelnen Kirchenmännern und Interessenvertretern von Homosexuellen. Der Trierer Bischof Stephan Ackermann , als Liberaler unter seinen deutschen Amtsbrüdern bekannt, kam am Mittwochabend so zum „Date mit dem Bischof“ in die Saarbrücker Congresshalle.

„Erstmals, dass sich ein katholischer Bischof in einer öffentlichen Diskussion den Fragen von Lesben und Schwulen stellt“, hatte Hasso Müller- Kittnau vom Lesben- und Schwulenverband Saar (LSVD) angekündigt. Groß war daraufhin das PresseInteresse, ein Dutzend Medienvertreter. Rund 150 Gäste waren es laut Veranstalter insgesamt. „Ich bin hörbereit“, skizzierte Ackermann seine Haltung und distanzierte sich klar von jenen, die Homosexualität im Namen der Kirche als „Krankheit“ geißeln. „Dafür gibt es keinen Rückhalt in der Amtskirche“, sagte der 51-Jährige, der an der Spitze von 1,5 Millionen Katholiken in Rheinland-Pfalz und dem Saarland steht. Der Bischof mahnte bei allen Kirchenmitarbeitern an: Man solle Homosexuellen mit „Respekt, Toleranz und Verständnis begegnen“.

Doch Ackermann machte im Gespräch mit Christian Langhorst vom LSVD Saar auch seine Grenzen deutlich. Homosexualität werde gewiss kein „eigenes Thema“ auf der laufenden Bistumssynode sein. Drängender ist für ihn die Frage, wie seine Kirche mit Geschiedenen und Wiederverheirateten umgeht. Die Ehe als Verbindung von Mann und die Kinder in die Welt setzen und so Leben weitergeben, bezeichnete der Bischof unmissverständlich als „ideale“ Verbindung. Gleichwohl hatte Ackermann kürzlich in einem Zeitungsinterview erklärt, kämen zwei Männer oder zwei Frauen zu ihm, werde er ihnen den Segen nicht verweigern. Allerdings, so differenzierte er, frage er zuvor nicht, „in welcher Beziehung stehen beispielsweise die zwei Frauen, sind sie Schwestern oder Cousinen?“

Eine Einlassung, die im Saal mit viel Lachen quittiert wurde. Es werde jedenfalls keinen Gottesdienst im Trierer Dom geben, wo er Paaren gleich welcher Konstellation den Segen erteile, betonte Ackermann: „Das wäre eine Gleichsetzung mit der Ehe.“ Eloquent, charmant, aber auch weitschweifend erwies sich Ackermann als Podiumsgast. Aus der Saal-Perspektive blieb er zudem häufiger konkrete Antworten schuldig. Auch auf den „Saarbrücker Appell“ des LSVD reagierte er zurückhaltend. Darin fordert der Verband, Ackermann solle sich von einem Beschluss der Deutschen Bischofskonferenz distanzieren, wonach Mitarbeiter der katholischen Kirche, die eine eingetragene homosexuelle Partnerschaft eingehen, sich eines „schwerwiegenden Loyalitätsverstoßes“ gegenüber ihrem Dienstherrn schuldig machen – und mit Entlassung rechnen müssen. „Ich nehme den Appell mit“, antwortete Ackermann darauf lediglich. Es war eben ein Abend für ein gutes Gespräch, aber kein Abend für Wunder.
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