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Der FCS bleibt vorerst in seinem Park – Star-Architekt plant

Wenn Real Madrid renoviert, scheint Geld keine Rolle zu spielen. 400 Millionen Euro geben die Madrilenen gerade aus, um ihr Santiago-Bernabeu-Stadion aus dem Jahre 1947 kern zu sanieren. Zum Vergleich: Die Stadt Saarbrücken renoviert mit dem Land das Ludwigsparkstadion. Gemeinsam investieren sie 16 Millionen Euro in den Bau aus dem Jahr 1953. Nun gut – Real Madrid und den 1. FC Saarbrücken (sportlich) zu vergleichen, ist nicht en vogue. Und doch haben beide Vereine eine nicht zu verachtende Gemeinsamkeit. Die Entwürfe für die Umbauten in Madrid und in Saarbrücken stammen vom selben Architekturbüro – von Gerkan, Marg und Partner (GMP).
 

Erstklassige Referenzen

Gestern hat die Stadt Saarbrücken bestätigt, dass das Hamburger Büro als Sieger aus dem Ausschreibungsverfahren hervorgegangen ist. Dazu hat die Stadt Tragwerksplaner Schlaich Bergermann und Partner (Stuttgart) und für die technische Ausrüstung das Ingenieurbüro Paulus (Essen) verpflichtet. „Die Büros erarbeiten zur Zeit in enger Abstimmung mit einer Arbeitsgruppe der Landeshauptstadt ihre vertiefenden Planungen, die vor der Sommerpause öffentlich präsentiert werden sollen“, sagt Stadtsprecher Thomas Blug.

Ein Coup für Stadt und Land. Denn die GMP scheint zu wissen, wie Stadien gebaut werden: Das Europa-League-Finalstadion in Warschau ist von GMP. Zur WM 2014 in Brasilien planten die Hamburger drei der Stadion-Neubauten und -umbauten (Brasília, Belo Horizonte und Manaus). Auch das Olympiastadion in Berlin hat GMP umgebaut. Für die WM 2006 entwarfen die Architekten zudem die Commerzbank-Arena in Frankfurt und das Rhein-Energie-Stadion in Köln. GMP gilt auch als erfolgreichstes europäisches Architekturbüro in China. Und, um wieder zurück nach Saarbrücken zu kommen: Auch das Einkaufszentrum Saar-Galerie haben die Architekten verwirklicht.

Heute sind sie in der Landeshauptstadt, treffen sich mit ihren Auftraggebern, um erste Gespräche zur Detailplanung zu führen. Dabei dürfte es auch um die im Herbst anstehenden Erdarbeiten hinter den Toren gehen. Und vor allem darum, wie in der Baustelle Fußball gespielt werden kann. Denn auch das steht seit gestern fest: Der 1. FC Saarbrücken will zumindest in der Hinrunde der Saison 2015/2016 seine Heimspiele im Ludwigspark austragen. Auch das bestätigte die Stadt gestern. Sie habe Anfang des Monats vom FCS eine Anfrage bekommen. Gestern hat die Stadt dem Verein in einem Brief erklärt, dass sie sich bereit erklärt, den FCS während der Erdarbeiten im Stadion spielen zu lassen – wenn er im Gegenzug die Mehrkosten für die Bausicherung trägt. 220 000 Euro könnten das sein, schätzt die Stadt. Dazu komme noch die Saison-Miete von 40 000 Euro. Der FCS bestätigte gestern, dass „wir in vertrauensvollen Gesprächen mit der Stadt sind, um eine ligaunabhängige Austragung unserer Spiele gewährleisten zu können. Wie immer werden wir eine Lösung finden, die allen Interessen Rechnung trägt“, sagt Präsident Hartmut Ostermann .
 

Was passiert 2016?

Ursprünglich war angedacht, dass der FCS in der Bauphase nach Elversberg ausweicht. Doch dort kann und will der FCS offenbar nicht spielen – wohl auch, weil die SVE für ihren Vip-Bereich auf den Oberrängen der Haupttribüne noch keine Genehmigung hat. Und weil Parkplätze fehlen. Dadurch entfielen Vermarkungsmöglichkeiten. „Im August und September läuft noch ein Offenlegungsverfahren, danach dürften wir die Genehmigung für den Betrieb des Oberranges haben“, sagt Kai-Uwe Frantz, Präsidiumsmitglied der SVE. Er erklärt auch, dass das Stadion vom Deutschen Fußball-Bund die Drittliga-Tauglichkeit bestätigt bekommen hat. Die habe auch der Ludwigspark, heißt es in Saarbrücken .

Bis Ende des Jahres ist der FCS sicher im Park. Danach setzen sich die Verantwortlichen zusammen, um zu schauen, ob der FCS in 2016 die Spielstätte wechseln kann. Denn im Januar will die Stadt die Haupttribüne abreißen – und dabei kann und will sie keinen Zuschauerbetrieb haben. Hat der FCS kein Ausweichquartier, ruht die Baustelle bis Ende der Saison, sagt Blug. In Madrid wäre dies sicher undenkbar.



 

„Wir werden in Würzburg alles reinwerfen“

Saarbrückens Trainer Kilic und seine Spieler geben sich nach 0:1 im Hinspiel kämpferisch – Diskussionen um taktische Ausrichtung

Der 1. FC Saarbrücken nimmt eine 0:1-Niederlage als Hypothek mit in das Rückspiel der Drittliga-Relegation am Sonntag bei den Würzburger Kickers. FCS-Trainer Fuat Kilic verbreitet trotz des Rückstands Zuversicht.

Kaum zehn Minuten war das erste Aufstiegsspiel zur 3. Fußball-Liga zwischen dem 1. FC Saarbrücken und den Würzburger Kickers beendet, da stürmte FCS-Angreifer Felix Luz geduscht und wutentbrannt aus dem Kabinentrakt. Als der in der 70. Minute eingewechselte Offensivmann sich den Weg durch die Fans bahnte, schimpfte er wie ein Rohrspatz. „Keine Zweikämpfe, eine Gelbe Karte – und das in so einem Spiel“, polterte Luz. Es waren zwei Karten – Luz wegen Meckerns und Timo Kunert wegen Foulspiels. Doch Luz hatte sich offenbar von seinen Mannschaftskollegen eine größere Aggressivität und mehr Siegeswille gewünscht.

„Wir haben leider nur zeitweise gut gespielt“, meinte Matthew Taylor, der im Sturmzentrum meist mit langen Bällen aus der eigenen Hälfte bedient wurde – und damit überfordert war: „Es war schwer gegen gleich zwei große Abwehrspieler.“ Dass die über weite Strecken der Partie routinierter wirkenden Gäste anfällig sind, wenn schnell gespielt wird, nutzte der FCS zu selten. Nach einem Tempodribbling von Dennis Wegner scheiterte der freistehende Marius Willsch an Torwart Robert Wulnikowski (24. Minute). In Halbzeit zwei ging Marco Meyerhöfer einmal zur Grundlinie durch, nach dessen Rückpass fehlte erneut Willsch die Aggressivität im Abschluss (51. Minute).

Die Kickers machten vor, wie kühl man in solchen Entscheidungsspielen vor dem Tor sein muss, wenn man aufsteigen will. Ein Freistoß, eine kurze Verlängerung – und schon sahen Alexandre Mendy, Peter Chrappan und Alexander Hahn nicht gut aus und zu, wie Nico Herzig den spielentscheidenden Treffer machte. „Wir haben eine klare Zuordnung“, sagte FCS-Trainer Fuat Kilic, „es ist schade, dass Herzig da aus den Augen verloren wird“. Das 0:1 fiel in der 36. Minute, genau in die erste und einzige echte Drangperiode des FCS. „ Saarbrücken hat das ganz gut gemacht, hatte seine Möglichkeiten. Aber wir haben dann einen reingemacht“, bilanzierte Kickers-Trainer Bernd Hollerbach, „danach haben wir gut verteidigt. Mit dem Ergebnis bin ich zufrieden, aber es ist noch nicht vorbei“.

Auch die Diskussionen um eine Szene in der Nachspielzeit werden weitergehen. War der Ball nach dem Einsatz von Chrappan nun im Tor? Oder konnte Niklas Weißenberger das Spielgerät vor dem vollständigen Überschreiten der Linie wegschlagen? „Ich habe ihn ganz klar drin gesehen“, sagte Taylor, der nah am Geschehen stand. Würzburgs Lukas Billick vertrat die gegenteilige Meinung: „Ganz klar kein Tor.“ Durch die perspektivische Verzerrung kann auch kein Video oder Foto letztendliche Klärung geben. Man muss die Tatsachen-Entscheidung von Schiedsrichter Sven Jablonski akzeptieren.

Am kommenden Sonntag um 14 Uhr muss der FCS nun mindestens zwei Tore schießen, um in die 3. Liga zurückzukehren. „So wie unsere Mannschaft agiert hat, bin ich sehr zuversichtlich“, ließ sich Kilic von der Zuversicht der FCS-Fans unter den 10 247 Zuschauern im Ludwigsparkstadion mitreißen, die ihrer Mannschaft nach dem Schlusspfiff Mut machten: „Wir gehen gestärkt in die nächste Partie, wir brauchen uns nicht zu verstecken. Wir werden in Würzburg alles reinwerfen.“

 

Meinung:
 

Chance trotz falscher Taktik

Von SZ-Redakteur Michael Kipp

Spaß hat das Relegations-Spiel nicht gemacht. Okay, das Wetter war gut, es waren zuletzt selten so viele Menschen im Ludwigspark. Doch sie sahen vom FCS meist nur eines: lange Bälle. Mal gechippt, mal gebolzt, mal verhunzt, selten sinnvoll: Denn ihr Ziel war Matthew Taylor (1,80 Meter). Der lief gegen Würzburger Abwehrspieler an, die eher Wikinger-Maße hatten (gefühlte 2,50 Meter). Mit anderen Worten: Nach zehn Minuten war klar: Lange Bälle oder, wie es heute heißt „Überspielen“, klappt nicht. Der FCS hat es dennoch bis zum Schluss versucht. Und da er trotz falscher Taktik noch Chancen hatte, ist er auch in Würzburg nicht chancenlos.

Eine Chance scheint der Architekt zu sein, der den Ludwigspark renovieren soll. Er plant auch das Stadion von Real Madrid . Die können ja dieses Kurzpass-Spiel ganz gut. Vielleicht lässt sich das im neuen Park ja auch einbauen.  
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