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Der Fremde auf unserer Couch: Was man als Gastgeber bei 'Ein Bett für Jungfilmer' erleben kann

„Ein Bett für Jungfilmer“ – da konnte ich mir das Grinsen nicht verkneifen, als Ende Januar 2012 unser erster Gast vor der Tür stand. Der Kurzfilm-Regisseur aus Köln war nämlich gut zehn Jahre älter als ich. Türker hatte längere Haare, Augenringe und konnte sich für so ziemlich alles begeistern – das Leben als Inspirationsquelle. Auch mit meinem Lebensgefährten Matthias verstand er sich auf Anhieb, und bereits am ersten Abend lernten wir was aus der Kinowelt. Und zwar, wie viel Aufwand und Drehtage hinter einem 20-minütigen Kurzfilm stecken.

Um das Ergebnis auf der Leinwand zu betrachten, lud uns unser Gast zur Premiere seines Films. Und wir gingen natürlich gern und neugierig mit. In der gleichen Kurzfilmreihe lief ein Beitrag, der so brutal war, dass ich fast den Saal verlassen musste.

Als Türker spät in der Nacht von Lolas Bistro zurück nach Hause kam, war ich eigentlich auf dem Sprung ins Bett. Aber er wollte meine Meinung über die Filme hören. Das Gespräch uferte aus in eine angeregte Diskussion und zu viel Rotwein – er mit seinen Augenringen und ich im Schlafanzug.

Türker fühlte sich wohl auf unserem Klappsofa, und wir gewöhnten uns erstaunlich schnell daran, dass ein Fremder eine Woche lang in unserem Wohnzimmer schlief. Wir klappen unsere Couch oft aus. Länger als zwei Nächte bleiben aber nur meine Eltern. So zögerten wir anfangs, als wir den Aufruf mit der Schlafplatz-Suche für Ophüls-Gäste in der Zeitung lasen.

Unsere Wohnung liegt zentral, und wir sind beide begeisterte Festival-Gänger. Also warum Ophüls nicht in dieser Art und Weise unterstützen, dachten wir schließlich. Kostet nichts und tut nicht weh. Türker und die Couch waren ein Experiment. Es lief so gut, dass wir uns entschieden haben, auch die Jahre danach mitzumachen.

Auf den gesprächsfreudigen Regisseur folgte ein höflicher aber zurückhaltender Schauspieler aus Frankfurt. Er kam nur für drei Tage, und wir bekamen ihn fast nie zu Gesicht.

2014 kam dann Isa zu uns, die einen Film mitproduziert hatte. Abends kochten und aßen wir öfter zusammen. Wir unterhielten uns über die Filme, die wir am Tag gesehen hatten. Was sich lohnt, was eher nicht. Aber auch über ganz viele andere Sachen. Im Laufe der Woche wurde Isa zu einer Freundin. Das ist sie immer noch, und wir haben regelmäßig Kontakt.

2015 war ein weniger gutes Jahr. „Wo studierst du?“, fragte mein Freund die – diesmal sehr junge – Regisseurin. „In Berlin, wo sonst?“, war die etwas schnippige Antwort, begleitet von einem Stirnrunzeln. Unser Übernachtungsgast fand die Couch unbequem und brauchte meinen Fön immer zur gleichen Zeit wie ich. Einmal wollte sie mich um acht Uhr morgens aus dem Bad jagen, weil ihr Film drei Stunden später lief. Ich hatte das bessere Argument: Ich musste in einer Stunde arbeiten.

Jungfilmer sind eben wie alle anderen Menschen auf der Welt. Es gibt die sympathischen und die zickigen. Die allermeisten gehören aber zur ersten Kategorie. Deshalb machen wir dieses Jahr wieder mit. Seit gestern schläft Andreas in unserem Wohnzimmer. Er ist offen, unkompliziert und hat kurze Haare. Meinen Fön wird er mir bestimmt nicht streitig machen.  
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