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Der Platz im Leben: Hannelore Schwarz ist seit 40 Jahren Wirtin der Gaststätte „Zum Storch“

Duzen geht gar nicht. Und auf Kosten der Gäste trinken auch nicht. Hannelore Schwarz bleibt da hart – seit 40 Jahren. Es geht dabei um Gerechtigkeit, sagt die Wirtin der Gaststätte „Zum Storch“. Wenn sie einen Gast duze, den anderen aber nicht, dann gebe das nur böses Blut. Also wird „Sie“ gesagt in ihrer Kneipe in der Talstraße –„keine Ausnahmen“, sagt die Wirtin.

Auch wenn das mit dem Siezen nicht immer ganz korrekt ist. Einige Gäste nennen sie „Frau Storch“. „Es gibt Kunden, die wissen bis heute nicht, dass ich Schwarz heiße“, sagt die Wirtin. Storch – so hieß das Pächterehepaar, das 1960 die Kneipe eröffnete. 1975 übernahm Hannelore Schwarz dann die Gaststätte. „Ich wurde arbeitslos und dachte mir: Dann probiere ich es eben mit einer Kneipe.“ Ihr Traumjob sei das aber nicht gewesen. Im Gegenteil: „Wenn mir jemand gesagt hätte, dass ich hier drin lebenslänglich habe, hätte ich ihn für verrückt erklärt.“

Aus der Übergangslösung wurde Hannelore Schwarz' Wohnzimmer. Die Wände sind voller Bilder. Es gibt ein Bücherregal, auf den Tischen liegen Deckchen. Es hat sich einiges angesammelt in 40 Jahren. Bis vor einigen Jahren habe sie nicht mal einen Fernseher gebraucht, sagt Hannelore Schwarz. Sie habe ja eh keine Zeit dafür gehabt, weil sie von mittags bis in die Nacht in der Kneipe stand. Jetzt öffnet sie erst ab 17 Uhr. Deshalb hat sie sich zu ihrem 75. Geburtstag vor drei Jahren ihren ersten Fernseher gekauft. Wenn einige der Gäste darüber klagen, dass in der Glotze nur noch Wiederholungen kommen, könne sie nur schmunzeln, denn: „Für mich ist alles neu.“

Es habe sich viel geändert in den vergangenen vier Jahrzehnten – aus Sicht einer Kneipenwirtin wenig zum Guten, sagt Hannelore Schwarz. Die „Biertrinker-Generation“ sei verschwunden. Damit meint sie die Leute, vor allem Männer, die in der Mittagspause oder nach Feierabend fast täglich auf ein paar Bierchen vorbeikamen.

Manche dieser Gäste seien dem Storch aber bis heute treu geblieben, sagt sie. Der Stammtisch von einigen Männern, die sich aus ihrer Zeit bei den Pfadfindern und der katholischen Jugend kennen, zum Beispiel. Seit 50 Jahren treffen sie sich einmal in der Woche im Storch.

Und ab und zu kommen Musiker. Die greifen zu den Gitarren, die in der Kneipe stehen. „Die Leute kriegen ein Liederbuch in die Hand, dann wird gesungen“, sagt Hannelore Schwarz.

Für manchen Saarbrücker war der Storch wichtig im Leben. „Einige, die längst weggezogen sind, rufen manchmal an, um zu hören, ob ich noch lebe“, sagt Hannelore Schwarz. Andere tauchen nach Jahren bei einem plötzlich wieder auf. Für Hannelore Schwarz ist der Storch mehr geworden, als sie vermutet hat vor 40 Jahren. „Das ist mein Leben“, sagt sie. „Das ist der Platz, den ich in meinem Leben finden musste. Sehr spät, aber ich habe ihn gefunden.“ Irgendwo stehe ein Karton mit Ansichtskarten, die Gäste geschickt haben. „Wenn ich mal aufhöre, dann schaue ich mir das alles nochmal an“, sagt Hannelore Schwarz. Aber vom Aufhören will sie eigentlich noch nicht reden.

 
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