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Der Saar-Uni fehlen Millionen

Das Institut für IT-Sicherheit Cispa ist ein Prestigeobjekt des Landes an der Universität des Saarlandes. Allerdings ist es auch ein erheblicher Kostenfaktor. Foto: Becker&Bredel

Das Institut für IT-Sicherheit Cispa ist ein Prestigeobjekt des Landes an der Universität des Saarlandes. Allerdings ist es auch ein erheblicher Kostenfaktor. Foto: Becker&Bredel

Die Zahl der Studenten der Saar-Universität schrumpft. Diese Entwicklung ist unvermeidlich, denn die Hochschule hat mittlerweile den größten Teil der Studenten der doppelten Abiturjahrgänge aus dem akademischen Betrieb verabschiedet. 17 200 Studenten werden zum Jahresende in Saarbrücken und Homburg immatrikuliert sein. Das sind zwar noch deutlich mehr als vor zehn Jahren, trotzdem macht die Entwicklung den Verantwortlichen auf dem Campus große Sorgen. Das hängt vor allem mit der Zahl der Neueinschreibungen zusammen. Denn die bedeuten für jede Hochschule bares Geld.

Schreiben sich in einem Jahrgang mehr Studenten als zum Vergleichszeitpunkt des Wintersemesters 2005 ein, kann eine Hochschule laut einer Bund-Länder-Vereinbarung, dem sogenannten Hochschulpakt, in den folgenden vier Jahren mit knapp 24 000 Euro Zuschuss pro Kopf rechnen. In diesem Jahr lag die Quote, die es dafür an der Saar-Uni zu erfüllen galt, bei 2908 Erstimmatrikulationen. „Das haben wir geschafft“, erklärt Roland Rolles, Vizepräsident für Verwaltung und Wirtschaftsführung der Saar-Universität. Doch es war knapp, und die Erleichterung ist ihm anzuhören. Die Saar-Uni bereitet sich auf finanziell schwierige Zeiten vor – und die Zahl der Erstsemester „ist eine Größe, die für uns nur sehr schwer beeinflussbar ist.“ Nächstes Jahr wird das große Zittern wieder beginnen, dann darf die Zahl der Erstimmatrikulationen die Marke von 2856 Studenten nicht unterschreiten.

Da hat die Nachricht aus der Staatskanzlei, die Hochschulen des Saarlands könnten mit einer Besserung ihrer finanziellen Verhältnisse rechnen, auch für eine deutliche Verbesserung der Stimmungslage auf dem Campus gesorgt. Ministerpräsidentin Annegret Kramp-Karrenbauer ( CDU ) hatte im Vorfeld des Informatikgipfels angekündigt, das Land wolle Uni und HTW bei Kostensteigerungen finanziell stärker unter die Arme greifen (wir haben berichtet).

Außer den kaum vorhersehbaren Entwicklungen der Studentenzahlen gibt es an der Saar-Universität eine ganze Reihe finanzieller Unwägbarkeiten, die im allgemeinen Landeszuschuss zum Hochschuletat (175 Millionen Euro ) nicht berücksichtigt sind und deren Gesamtsumme sich nach den Schätzungen des Uni-Vizepräsidenten auf 7,5 Millionen Euro pro Jahr hochrechnen lässt.

Der größte Brocken sind die Tarifsteigerungen. Die Uni muss sie bis zu einer Höhe von 2,5 Prozent selbst tragen. Sie wünscht sich für diese Tariferhöhungen, die den Haushalt pro Jahr mit drei bis vier Millionen Euro belasten, einen Ausgleich vom Land, so Roland Rolles.

Obwohl die Hochschule bereits an Anträgen für die nächste Runde der Exzellenzinitiative arbeitet, sind die finanziellen Folgen der vergangenen Runde auf dem Campus noch nicht verdaut. Zu leicht wird vergessen, dass das gewaltige Prestige, das mit dem Gewinn eines millionenschweren Exzellenzclusters verbunden ist, auch zu nicht unbeträchtlichen Verpflichtungen führt. Eine Hochschule, die in diesem Forschungswettbewerb mit einem Projekt punktet, ist verpflichtet, es danach fortzuführen. Der Uni-Vizepräsident schätzt die finanziellen Verpflichtungen, die sich aus der vergangenen Runde der Exzellenzinitiative für die Saar-Uni ergeben, auf zwei Millionen Euro pro Jahr.

Ähnliches gilt für den neuen Stern am Informatik-Himmel, das Saarbrücker Computersicherheitsinstitut Cispa, das zuletzt mit einer vielbeachteten Kooperation mit der US-Eliteuniversität Stanford auf sich aufmerksam machte. Die Professuren dieses Informatik-Instituts sind auf dem Campus verwurzelt, die Saar-Uni muss diese Stellen dauerhaft finanzieren. Eine halbe Million Euro pro Jahr fehlt dafür im Haushalt, so Roland Rolles – und die Zahl könnte angesichts der Erfolge des Cispa weiter steigen.

Ein anderer Kostentreiber auf dem Campus wird über den Erfolgen der Uni in der IT-Welt leicht vergessen: die Bibliotheken. Auch die Umstellung auf digitale Technik hat nichts daran geändert, dass die Kosten für wissenschaftliche Literatur steigen und steigen. Etwa eine dreiviertel Million Euro beträgt Rolles zufolge das „strukturelle Defizit“ dieser Kostenstelle.

Ein ganz anderes Problem plagt die Uni dagegen bei ihren Bank-Einlagen: Dort werden mittlerweile Negativzinsen berechnet. Die Konten der Hochschule dienen als Finanzspeicher, in dem Gelder laufender Projekte ihrer Wissenschaftler, Mittel aus Industrie-Kooperationen und Einnahmereste abgeschlossener Programme verwaltet werden, so Roland Rolles. Insgesamt lägen 75 Millionen Euro auf Konten der Hochschule, für die Banken bis zu 0,4 Prozent Negativzinsen berechneten. Jedes Jahr verliere die Uni so eine viertel Million Euro . Deshalb machten sich Präsidium und Universitätsrat bereits Gedanken, wie dieses Geld sinnvoller genutzt werden könnte. Eine Möglichkeit sei der Bau eines neuen Rechenzentrums.

 
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