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Der Saarbrücker Reiner Krutti lehrt eine neue Technik gegen den Druck im Alltag

Reiner Krutti demonstriert das Zusammenspiel von PC und Atemtechnik.

Reiner Krutti demonstriert das Zusammenspiel von PC und Atemtechnik.

Jeder kennt eine solche Situation: Wenn das Herz plötzlich anfängt zu rasen, der Blutdruck steigt, der Mund trocken und die Hände feucht werden. Bei Reiner Krutti entstand diese Stress-Situation immer dann, wenn auf seinem Telefon-Display die 200 erschien, die Nummer seines Chefs. Irgendwann war dem Manager eines Automobilkonzerns klar, dass er so nicht mehr weiterarbeiten wollte. Er suchte nach einer Methode, um Stress besser in den Griff zu bekommen – und fand sie in „Heart-Math“ (Herz-Mathematik): einem Verfahren, das das Muster des Herz-Rhythmus am Computer oder einem Smartphone sichtbar macht und ermöglicht, es aktiv zu beeinflussen.

Ziel der Methode sei es, das Muster des Herzschlags zu verändern, erklärt Krutti. Dies gelinge über eine bewusste und tiefe Atmung, sowie indem man sich angenehme Emotionen wie Dankbarkeit aufruft und nachempfindet. Schon innerhalb weniger Minuten sind die Ergebnisse – mit Hilfe eines Sensors am Ohrläppchen und der Verbindung mit einem Computer oder Smartphone – messbar und sichtbar: „Aus einem chaotischen Bild beim Muster des Herzschlags entsteht ein regelmäßiges Auf- und Abschwingen, was man Kohärenz nennt“, so Krutti.

Das so genannte Bio-Feedback (deutsch: Körper-Antwort) zeigt die biologischen Veränderungen im Körper auf dem Bildschirm und verstärkt damit den Erfolg: Denn wenn die Teilnehmer live miterleben können, wie sie ihr Nervenkostüm wieder ins Gleichgewicht bringen, schärfe dies nicht nur das Bewusstsein für den Geisteszustand, sondern wirke „wie ein Turbo auf die Motivation und Übungstreue“, sagt Krutti.

Schon wenige Minuten am Tag reichen aus, um die Methode zu erlernen – und dadurch langfristig die Resilienz, also Widerstandskraft, zu stärken. „Die Betroffenen verfügen dann über eine bessere Fähigkeit, sich auf schwierige Situationen vorzubereiten, in der Situation selbst bestmöglich zu reagieren und sich im Anschluss daran schnell wieder zu erholen“, erklärt Krutti.

Nachdem bislang überwiegend Therapeuten, Ärzte, medizinische Fachkräfte, Sportler und Spezialeinheiten diese Methode erlernt hätten, seien es inzwischen immer mehr Unternehmen, die „Heart-Math“ in den Berufsalltag einbezögen – darunter laut Krutti große Konzerne wie Philipps und Unilever , das Satellitenkontrollzentrum Oberpfaffenhofen, Banken und Medienhäuser. Darüber hinaus wenden seinen Angaben zufolge inzwischen auch 34 000 Polizisten in den Niederlanden die Technik an, um unter Druck klarer denken und handeln zu können.

Mit dem Thema „Arbeit und mentale Gesundheit“ beschäftigt sich auch eine aktuelle Studie der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin in Dortmund. Ein Ergebnis der repräsentativen Erhebung der Erwerbstätigen in Deutschland: Zehn Prozent der Männer und elf Prozent der Frauen leiden unter einem Burnout-Syndrom. „ Stress ist inzwischen eines der größten Volksleiden geworden und kann langfristig zu stressbedingten Erkrankungen wie Burnout führen“, sagt Corinna Peifer. Die 33-Jährige ist Junior-Professorin an der Ruhr-Universität Bochum und leitet die Arbeitsgruppe Angewandte Psychologie in Arbeit, Gesundheit und Entwicklung. „Forschungen zeigen, dass der Jahresurlaub für das Erholen zwar kurzfristig gut ist, aber langfristig nicht reicht. Wichtig ist, dass man auch zwischendurch abschalten kann.“ Dazu gehöre es nicht nur, sich nach Feierabend zu erholen und „runterzukommen“, sondern auch bei der Arbeit in regelmäßigen Abständen zumindest eine kurze Pause zu machen. „Dafür sind unter anderem Atemtechniken sicherlich gut geeignet“, sagt Peifer. Ob die Herz-Kohärenz-Methode auch eine langfristige Wirkung hat, will die Forscherin nun in wissenschaftlichen Studien überprüfen.

Auch andere Techniken – wie Achtsamkeitsübungen, autogenes Training, progressive Muskelentspannung oder Yoga – helfen natürlich, mit Stress umzugehen, räumt Krutti ein. Neu an „Heart-Math“ sei jedoch das Sichtbarmachen des Erfolges: „Es motiviert die Menschen, wenn sie sehen, was bei Stress im Körper passiert und dass es sofort ein positives Feedback gibt, wenn sie einfache Atem- und Fokussierungsübungen machen.“

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