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Der Soldatenmord von Lebach

Vier Tote beim Überfall auf ein Munitionsdepot
Von Wolfgang Ihl
Wenn es so etwas wie ein kollektives Saarland-Gedächtnis gibt, dann hat sich der Lebacher Soldatenmord dort ganz tief eingegraben. Es war mitten im Frieden der erste Angriff auf die Bundeswehr. Beim Überfall auf ein Munitionsdepot starben vier Soldaten.

Damit zum Morgen des 20. Januar 1969, einem Montag. Um 7.30 Uhr wollten Soldaten des Fallschirmjägerbataillons ihre Kameraden vom Wachdienst in dem Munitionsdepot ablösen. Sie fanden drei Leichen und zwei lebensgefährlich verletzte Soldaten, von denen einer wenige Tage später starb. Erste Erkenntnisse: Das Wachhaus war nachts überfallen, der Munitionsbunker aufgeschlossen und Munition sowie Waffen waren gestohlen worden.

Der Fall wurde sofort zum Politikum und zum medialen Großereignis: Bundesverteidigungsminister Gerhard Schröder (CDU) und Generalbundesanwalt Siegfried Buback eilten nach Lebach. Der für damalige Verhältnisse völlig ungewohnte Verdacht eines terroristischen Angriffs kam auf. Mehr als 100 Reporter kamen an die Saar und berichteten von einem der „schwersten Verbrechen der deutschen Nachkriegsgeschichte“. Während der Fall so weltweit für Schlagzeilen sorgte, ermittelte die Polizei mit Hochdruck, verfolgte mehr als 1000 Hinweise aus der Bevölkerung. Mit Erfolg.

Im Mai 1969 wurden drei Männer aus Rheinland-Pfalz verhaftet. Statt von Terroristen war daraufhin von „Kleinstadtmördern“ die Rede. Zwei von ihnen – jeweils 26 Jahre alt – gestanden den Überfall. Dem Dritten (24 Jahre alt) wurde Beihilfe zum Mord vorgeworfen. Der anschließende Prozess im Sommer 1970 musste in die „Kongreßhalle“ verlegt werden – kein Sitzungssaal im Saarland reichte für den enormen Andrang von Medien und Zuschauern. Das Gericht verurteilte die Hauptangeklagten zu lebenslanger Haft, ihren Helfer zu sechs Jahren Gefängnis.

Die Männer, einer von ihnen sitzt bis heute in Haft, hatten sich nach eigener Aussage Waffen und Munition besorgen wollen. Das Ganze sollte als Druckmittel für spätere Erpressungen Prominenter dienen. Mit dem Lösegeld wollte sich das Trio ein neues Leben finanzieren. Dazu kam ein weiterer Tabu-Bruch für die Zeit. Die Männer strebten eine Lebensgemeinschaft zu Dritt irgendwo im fernen Süden an – eine gleichgeschlechtliche Lebensgemeinschaft, würde es heute heißen. Aber damals galten die Maßstäbe von heute nicht, wo Homosexualität allgemein akzeptiert wird.

Damals war das anders. Und gemäß Paragraf 175 des Strafgesetzbuchs war die „Unzucht zwischen Männern“ strafbar. Von daher hatte das Trio bis 1969 gar nicht die Möglichkeit, in Deutschland ein gemeinsames Leben zu führen. Sie waren zu Außenseitern geworden, die sich in ihrer Kleinstadt offenbar immer weiter selbst isolierten. So lange, bis es zum absoluten Bruch mit den Wertmaßstäben der anderen kam.

All dies wurde auch zu dem Stoff, aus dem Filme sind. Das ZDF machte im Jahr 1972 den Anfang. Doch der Dokumentarfilm „Der Soldatenmord von Lebach“ wurde vom Bundesverfassungsgericht gestoppt. Das Urteil dazu, die „Lebach-Entscheidung“ von 1973, schrieb Rechtsgeschichte. Der Gedanke der Resozialisierung bekam quasi Verfassungsrang. Seit Lebach wird in den Medien nur noch sehr zurückhaltend über Straftäter berichtet. Das Ganze sollte als Druckmittel für spätere Erpressungen Prominenter dienen.


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