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Der Spielfilmwettbewerb beginnt heute

Acht Produktionen des Spielfilmwettbewerbs (17 Filme insgesamt) sind heute erstmals zu sehen - wir stellen sie vor. Dazu: Termine und Filme aus dem Rahmenprogramm des Festivals.

Acht Produktionen des Spielfilmwettbewerbs (17 Filme insgesamt) sind heute erstmals zu sehen - wir stellen sie vor. Dazu: Termine und Filme aus dem Rahmenprogramm des Festivals.

Saarbrücken. Es ist der packendste Film dieses ersten Wettbewerbstags: „Der Brand“ von Brigitte M. Bertele, die Geschichte von Gewalt und deren langer, lebensbestimmenden Nachwirkung. Eine junge Frau (intensiv gespielt von Maja Schöne) wird von einer Zufallsbekanntschaft vergewaltigt. Sie erstattet Anzeige, doch der Täter wehrt sich juristisch: Alles sei in beiderseitigem Einvernehmen geschehen, sie möge es eben gerne „ein wenig härter“. Von Ihrem Anwalt hört sie Sätze wie „Gehen Sie mal nicht zugrunde an Ihrem Selbstmitleid“, von ihrem überforderten und buchstäblich verständnislosen Lebensgefährten den Ratschlag, „das jetzt mal ruhen zu lassen“. Wie das Opfer versucht, die juristische wie die emotionale Ohnmacht hinter sich zu lassen und wieder die Kontrolle über ihr Leben zu gewinnen, erzählt dieser kammerspielartige Film mit höchster innerer Spannung. Er konzentriert sich dabei ganz auf das Opfer. Die Drehbuchautorin Johanna Stuttmann hat dankenswerterweise kein Krimi-Psychoduell entworfen, auch wird nicht versucht, die Tat oder den Täter zu erklären – was würde das nützen oder aussagen? Ein düsterer Film über einen schwierigen Weg zurück ins Leben, der ohne einen letzten Umweg, das ist die schmerzhafte Pointe des Films, nicht gelingt.
Heute 19 Uhr: CS 1; Mi 13.15: CS 4; Fr 16.30: CS 1; So 14.15: CS 2.

„Ich finde, Du bist ein Kind“, sagt eine der vielen Bettgenossinnen zum umtriebigen Denny und trifft ihn damit ins Mark, wenn auch nicht ins Herz.  Das gelingt nur Frank, dem zweiten Mann von Dennys Mutter, der ihn in Berlin besucht und dazu bewegen will, nach zehn Jahren Schweigen wieder mit der Mutter zu sprechen. Um Verantwortung und den nicht zu leugnenden Reiz der Verantwortungslosigkeit geht es in „Papa Gold“, dem Regiedebüt des Schauspielers Tom Lass. Ohne Drehbuch und nahezu ohne Budget locker improvisiert, hat der Film eine Atmosphäre des Direkten, Unerwarteten; manche Dialoge und Szenen laufen dabei ebenso ins Leere wie im wirklichen Leben. Lass als tief verunsicherter Studenten-WG-Casanova, der seine Freundinnen mit den immergleichen eisigen Floskeln abserviert, passt dabei bestens zu Peter Trabner: Der spielt den Stiefvater als leidensfähigen Sympathen mit Spießer-Charme, der mit seiner Frau gereizte, direkt aus dem Leben gegriffene Telefonate führt. In einem Wettbewerb mit vielen ausgefeilten, dabei manchmal auch etwas glatten Filmen ist diese improvisierte Geschichte sehr willkommen.
Heute 22.30: CS 3, Mi 13.30: CS 1; Fr 20: FH; So 13.30: FH.

Traumatisiert sind sie alle: der junge Julian, der aus der Psychiatrie flüchtet, eine Ärztin und ein Polizist, der Julian wieder zurück bringen soll. Regisseur und Autor Nick Baker Monteys schickt in „Der Mann, der über Autos sprang“ eine Art Messias auf Reise in Richtung Schwabenland; durch die Kraft seines Wanderns will er einen Mann retten, zu dem er eine besondere und besonders tragische Beziehung hat.  Der Film berührt, wenn er die Geschichte und seine Hauptfigur (Robert Stadlober) im Ungewissen schweben lässt, mystisch aufgeladene Naturbilder zeigt (famose Kamera: Eeva Fleig) und eine Atmosphäre des Schicksalhaften aufbaut. Doch als der Film seine Geschichte zu Ende bringt, wird viel erklärt, betont tiefsinnig diskutiert und mit Symbolen gearbeitet; der Reiz des Ungewissen weicht der Mühe, die losen Ende miteinander zu verknüpfen.
Heute 13.30: CS 1; Do 14: CS 3; Fr 19.30: CS 3; So 17: CS 1

Zürich als Schicksalszentrum: Ein Amoklauf lässt, einem Dominospiel gleich, miteinander verschränkte Lebensläufe in persönliche Katastrophen stürzen: ein junges Paar wird angefahren, das Mädchen stirbt und kommt in das Krankenkaus, in dem ihre Mutter arbeitet; der Junge überlebt, sein Unfall lässt aber die Spannungen in seiner türkischen Familie explodieren. „180 Grad“ von Cihan Inan (Buch und Regie) breitet ein großes, kunstvoll fotografiertes Schickstableau (Kamera: René Richer) mit allerlei Verzweigungen aus und spricht vieles an: Entfremdung in der Gesellschaft, Fremdenfeindlichkeit, gnadenloses Yuppietum, die Waffendichte in der Schweiz. Bisweilen wirkt das didaktisch, die Verbindung der Schicksale allzu konstruiert. Immer wieder aber gibt es kraftvolle Parallelmontagen und todtraurige Szenen: etwa wenn der Vater wie in Trance die Haarbänder seiner toten Tochter ordnet – während die Szene, in der die Mutter (Sophie Rois) ihm die Todesnachricht mitteilt, merkwürdig theatralisch wirkt.  Da droht der Film, bei aller Ambition, sich an der eigenen Schicksalsschwere zu verheben.
Heute 22.15: CS 4; Do 16.45: CS 4; Fr 13: CS 1; So 19.45: CS 4.

„Interessante Metapher!“ Das klingt wie ein typischer Kritikersatz, ist aber das, was der junge Benno von einem Psychologen zu hören bekommt – denn Benno verliert Sand; er rinnt ihn aus den Hosenbeinen, aus dem Ärmel, ins ganze Leben. In „Der Sandmann“ zeigt der Schweizer Regisseur Peter Luisi (auch Drehbuch) ein Händchen für skurrile Einfälle, für Wendungen, für Hintersinniges. Erzählt wird die Geschichte eines hemmunglosen Egoisten, der sich seinen Lebenslügen stellen muss, von denen er nicht einmal wusste, dass sie Lügen sind. Eine frische Komödie mit einer der originelleren Liebeserklärungen und einer schönen Folterszene – so also peinigen Briefmarkensammler ihre Opfer. In der Behandlung von Traumebenen wirkt „Der Sandmann“ zudem wie das filmische Gegenmodell zum pompösen „Inception“.
Heute 22.15: CS 1; Mi 14: CS 3; Sa 13.30: CS 1; So 20: CS 1

Ein Schnellimbiss, ein steriles Hotel, eine Tanke, rundum blasse Ödnis – so sieht also das gelobte Land aus, das man, wenn man Glück hat, mit einem Mercedes wieder in Richtung Albanien verlässt. Von dort ist Arben nach Deutschland gereist, illegal und viel zu Fuß: 10000 Euro braucht er, um in seiner Heimat seine schwangere Freundin heiraten zu dürfen. Doch als Illegaler ist er jeder Willkür ausgesetzt, nach Putzjobs landet er bei einer Schlepperbande, seiner einzigen Chance, das Geld zusammenzubringen.  Johannes Naber, der aus dem Dokumentarischen kommt, gelingt mit seinem Spielfilmeinstand „Der Albaner“ das spannende Porträt eines Verzweifelten und einer Situation, die keine Alternativen lässt. Gut gespielt, mit Tempo und viel Atmosphäre, ohne Schnörkel inszeniert – ein souveränes Debüt.
Heute 10.15: CS 1; Mi 19: CS 4; Do 13.45: CS 4; So 16.30: CS 4

Die geliebte Enkelin Mathilda an einen Polen weggeben? Auch wenn er der Vater ist und der Witwer der Tochter? Für Bäckermeister Grabosch (Festival-Ehrengast Henry Hübchen) kommt das nicht in Frage, und so versucht er, sich das Sorgerecht zu sichern: indem er in die neue Heimat der Enkelin reist und dort zu dokumentieren versucht, dass diese Umgebung schädlich ist für Mathilda. Doch vor Ort kommen seine Vorurteile über Polen ins Wanken. „Polnische Ostern“ von Jakob Ziemnicki (auch Ko-Drehbuch) ist ein warmherziger, oft witziger Film über Vorurteile, kulturelle Unterschiede, Sinn und Zweck von Religion. Da reckt sich manchmal der erklärende Zeigefinger, vor allem wenn Graboschs polnische Freundin zu jeder Situation einen passenden Kalenderspruch bereit hält. Aber Henry Hübchen, dessen Figur in Polen Ängste um den „scheckheftgepflegten Garagenwagen“ plagen, ist als widerspenstiger Gezähmter eine Freude.
Heute 19.45: CS 4; Mi 16: CS 4; Fr 22.30: CS 1; So 17: CS 2.

Wir bleiben in Polen: Dorthin fährt die elfjährige Katharina in einem klapprigen Minibus, gelenkt von der knarzigen Nachbarin Lene.  Katharina will in Danzig ihren russischen Vater finden, von dem sie gerade eben erst durch Zufall erfahren hat – bislang hielt sie den Mann ihrer Mutter für ihren leiblichen Vater. Für Katharina wird es die Reise in ein unbekanntes Land, für Lene die Begegnung mit der Vergangenheit: Als Kind lebte sie einst in Masuren, musste vor den Russen fliehen und erlebte dort Traumatisches. Mit Schwung beginnt „Wintertochter“ von Johannes Schmid (auch Ko-Buch) und schickt seine ungleichen Helden auf die Reise. In Polen findet der Film wunderbar atmosphärische Winterbilder (Kamera: Michael Bertl), die Dialoge klingen aber manchmal zu sehr nach Drehbuch, wenn über Heimat und ihren Verlust gesprochen wird („Zuhause. Ich weiß gar nicht mehr, wo das ist – zuhause!“). Dennoch insgesamt ein sympathischer Film mit dem Herzen auf dem rechten Fleck.
Heute 19.30: CS 3; Mi 10.15: CS 1; Do 14.45: FH; So 19.30: CS 2.

 

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