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Der Unken-Tempel: Tiere und Pflanzen profitieren vom Regen im Kreis Neunkirchen

Ganz vorsichtig nähert sich Uli Heintz einem der vielen kleinen Tümpel im Gebiet der alten Ziegelei. Einige Tage zuvor hat er erfahren, dass mittlerweile alle im vorigen Jahr angelegten Kleingewässer (wir haben berichtet) besiedelt sind. Heintz ist Geschäftsführer und Projektleiter des Naturschutzgroßprojektes LIK.Nord (Landschaft der Industriekultur Nord), zu dessen Gebiet die Flächen im Bereich der alten Neunkircher Tongrube zählen und hat zum Ortstermin geladen.

Es dauert es nicht lange, bis die Augen in den flachen, fast vegetationslosen Gewässern, die ersten Tiere erkennen. Gut getarnt, aber trotzdem sichtbar liegen die Kaulquappen der Gelbbauchunke auf dem Grund. Ein weiterer Schritt auf das Gewässer zu und der Ufersaum beginnt zu leben. Jungtiere ziehen sich ins Wasser zurück. Heintz greift beherzt zu. Beim zweiten Versuch ist er schneller als die flinken Tierchen. In der Hand hält er ein Jungtier, das gerade seine Umwandlung von der Kaulquappe zur fertigen noch kleinen Unke abgeschlossen hat. Trotzdem zeigt das Tierchen schon das arttypische Verhalten – es macht ein Hohlkreuz, zeigt den noch nicht ganz so gelben Bauch und streckt alle Viere von sich.

„Die typische Abwehrhaltung“, kommentiert Heintz. Der Fluchtreflex sei nicht besonders ausgeprägt, eher würden sich die Unken bei Gefahr in eine passive Abwehrhaltung begeben. „Sie machen sich möglichst groß und zeigen den gelb gefärbten Bauch“, erklärt der Fachmann. Ältere Tiere treiben oft im Wasser und strecken den Kopf raus. „Wenn Gefahr droht, tauchen sie kurz weg, sind aber bald wieder da.“ Ihn freut es, dass sich hier in an allen Gewässern – und seien es nur kleine Pfützen in Reifenspuren – die stark gefährdeten Tierchen in allen Entwicklungsstadien tummeln. Die Arbeit rund um die Neunkircher Westspange habe sich gelohnt. Die Tümpel südlich seien alle mit verschieden großer Fläche, verschiedenen Tiefen und unterschiedlichen Flachwasserzonen angelegt worden, erklärt Heintz. Der Lebensraum, wie ihn der Mensch durch den Tonabbau geschaffen hatte, drohte zuzuwachsen. „Die Gelbbauchunke ist aber auf offene Flächen und möglichst neue Gewässer angewiesen“, sagt Uli Heintz.

Früher Das feuchte Wetter der vergangenen Wochen hat auch seine Nutznießer. Entgegen aller Schäden, die das Oberflächenwasser bislang angerichtet hat, haben Tiere und Pflanzen davon profitiert. seien hier immer wieder neue Pfützen durch die Arbeiten entstanden. Wenn die Gewässer nach dem Ende der Arbeiten aber verkrauten und sich andere Arten, zum Beispiel Libellen mit ihren gefräßigen Larven, dort ansiedeln, muss die Gelbbauchunke weiterziehen. Deshalb werde man versuchen, die Fläche offen zu halten. „Die Gewässer sind so ins Gelände eingepasst, dass möglichst viel Oberflächenwasser gesammelt werden kann“, erzählt der LIK.Nord-Projektleiter. Außerdem sollten die Gewässer im Sinne der Gelbbauchunke möglichst frei von Rohrkolben und anderen Pflanzen gehalten werden. „In ein zwei Jahren muss man hier wahrscheinlich schon ein bisschen zupfen“, prognostiziert er. 

Mehr Vegetation in und am Wasser gibt es auf der Nordseite der Westspange. Hier war ein bestehendes Gewässer eingetieft, die umliegende Fläche aber ausgelichtet worden. Der Weg dorthin läuft durch eine Unterführung unter der Westspange hindurch. Schon von weitem ist zu hören, dass sich hier eine ganz andere Art wohlzufühlen scheint. Ein lautes Gequake weist auf den Wasserfrosch hin. „Tieferes Wasser mit Vegetation ist auch ideal für unseren größten Molch, den Kammmolch“, erklärt Heintz. Den bekommen wir allerdings nicht zu Gesicht. 

Auf dem Rückweg streift der Blick wieder die zahlreichen Tümpel voller Gelbbauchunken auf der Südseite. Heintz ist zufrieden. „Das hat wirklich toll geklappt.“ 

Mit einem weiteren Projekt werde langsam auch ersichtlich dass es um Tier und Mensch gehe. Der Startschuss ist im Heinitzer Weilerbachtal gefallen. Nach der Eintiefung eines Gewässers (wir haben berichtet) wird jetzt entlang des Ufers ein rund 150 Meter langer Steg mit Aussichtsplattform gebaut. Er macht die geschützte Natur auf sanfte Art und Weise erlebbar. Heintz: „Genau dafür ist die LIK.Nord da“, und ergänzt mit Blick auf Diskussionen um eine mögliche Globusansiedlung in Neunkirchen, „und nicht für Ansiedlungsprojekte in den Fördergebieten“.

Info: Wer sich für die Tiere um die Westspange interessiert, kann das Gebiet zu Fuß am besten über die Straße „An der Alten Ziegelei“ erreichen. Parken ist dort am Spielplatz möglich. Der Weg zu den Tümpeln führt neben dem letzten Wohnhaus parallel zur Westspange hinunter. Die Gewässer selbst sollten nicht betreten oder gar befahren werden. Uli Heintz weist darauf hin, dass die Entnahme der Tiere streng verboten ist. Eine Ansiedlung im heimischen Teich sei ohnehin nicht Erfolg versprechend.

 
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