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Der Wächter der Fechter

Die Schreie hört man schon von außen, Gepolter schallert durch die Tür. Kein Wunder – unterm Dach wird hart gearbeitet, Turnhallen-Aroma schwebt durch den Proberaum. Hier studiert Klaus Figge mit Schauspielern des Staatstheaters die Fechtkämpfe für „Romeo und Julia“ ein. Es ist ein Probentag von 24. „Mindestens 18 braucht man, wenn der Regisseur alle Fechtszenen des Stücks drinhaben will“, sagt Figge, „mit 24 sind wir in Saarbrücken also gut dabei“.

Große Häuser, kleinere Theater, Freilichtbühnen – Figge kennt sie alle, seit Jahrzehnten ist er der gesuchte Experte für Bühnenkämpfe, ob nun an der Wiener Burg, in Bad Hersfeld oder anderswo. Figge, ein charismatischer Mann mit 74, im schwarzen Nike-Pulli und mit blauen Augen, die selten blinzeln, sagt es mit Understatement: „Seit den 80er Jahren bin ich viel unterwegs“.

Der Mann aus Essen war als Jugendlicher Sportfechter, studierte später Geschichte für Lehramt und Sport. Als die Universität der Künste Folkwang einen Dozenten suchte, der Fechten und Akrobatik beherrscht, „konnte ich das abdecken“, sagt Figge, der den Lehrauftrag bis zum Sommersemester innehat und ihn dann abgibt. „Ich bin ja nicht mehr der Jüngste.“ „Romeo und Julia“ war der Beginn seiner Karriere (die Laufbahn als Studienrat ließ er hinter sich): eine Wuppertaler Inszenierung 1972, „mit dem ganz jungen Uwe Ochsenknecht“. Ein Dramaturg der Schaubühne in Berlin saß im Publikum und war offensichtlich begeistert: Man holte Figge nach Berlin, damals war Peter Stein der Intendant, wo Figge Shakespeares Stück choreografierte. „Das Werk wurde überregional beachtet – auch die Fechtszenen. Ab da lief es“, sagt er. Wiener Festwochen, Salzburger Festspiele, Ruhrtriennale, Thalia Theater Hamburg, Schauspielhaus Zürich, Wiener Burgtheater. Ein nostalgischer Anekdoten-Onkel ist Figge im Blick auf seine Karriere nicht, aber man erfährt im Gespräch etwa, dass Bruno Ganz als fechtender Hamlet „äußerst präzise“ war, „er wollte sehr viel proben“, und dass Klaus Maria Brandauer ganz anders war als sein ihm bisweilen vorauseilender Ruf des Divenhaften. „Die so genannten Stars sind die, mit denen man gut auskommt.“ Devid Striesow, Martin Wuttke, Armin Rohde und Ulrich Matthes hat Figge das Fechten gelehrt, auch Angela Winkler als Hamlet und Uwe Bohm als Laertes in derselben Inszenierung. „Beide hatten vorher noch nie gefochten, denn nicht alle Schauspielschulen bieten Bühnenkampf als Teil ihrer Ausbildung an.“ Mehr Arbeit für Figge, den das aber nicht um den Schlaf bringt – auch nicht die Theorie, dass Fechtkampf auf der Bühne irgendwann eine Sache der Vergangenheit sein könnte. „Ach, in jedem Jahrzehnt wird doch am Theater gesagt, dass wir jetzt nicht mehr fechten, und natürlich gibt es Regisseure, die das anders lösen wollen. Aber es geht immer weiter.“ Etwa im feinen Zwirn: Kämpfe im Armani-Anzug hat Figge schon choreografiert, mit Stangen statt Degen, „das war eher eine Kung-Fu-Persiflage“. Bei einer „Peter Pan“-Inszenierung von Leander Haußmann ließ er Captain Hook an Drähten durch die Szenerie fliegen. „Gespielt wurde er von einer Darstellerin über 60, das war nicht ganz einfach.“ Figge mag es lieber realistisch, auch wenn er stilisierte Kämpfe in Filmen wie „Tiger & Dragon“ oder „Kill Bill“ schätzt. „Aber was im Film spektakulär ist, kann man nicht so übertragen.“

Zentral ist für Figge die Verbindung zwischen der Figur und deren Kampfstil. „Das gehört idealerweise zusammen“, in „Romeo und Julia“ etwa habe Shakespeare schon in den Dialogen den Kampfstil definiert. „Da weiß man, dass jemand wie Tybalt, wie es in der Schlegel-Tieck-Übersetzung heißt, ‚nach dem Rechenbuch ficht' – er kennt alle Tricks, keiner ist ihm technisch gewachsen.“ Romeo dagegen sei nach Mercutios Tod „in Rage – der will Tybalt nur noch killen, in einer Mischung aus Treten und Fechten“. Gibt der Regisseur, in diesem Falle Daniel Pfluger (der bei der Probe dabei ist), solche Entscheidungen komplett an den Choreografen Figge ab? „Ganz so krass ist das nicht. Der Regisseur sagt mir, in welche Richtung er gehen will, ich entwickele etwas aus dem Text und biete es ihm an.“ Ein „Geben und Nehmen“ sei das, „aber die Struktur gebe ich schon weitgehend vor“.

Ganz ungefährlich sieht die Probenarbeit, das Hauen und Stechen auf der schrägen Ebene (so sieht die spätere Bühne auch aus), nicht aus. „Es gibt ja für alle am Theater eine Versicherung, und es passieren natürlich auch Unfälle“, sagt Figge, „aber bei mir noch nie“, und klopft auf Holz. „Es darf nicht gefährlich sein – aber es muss so aussehen.“

Premiere: Freitag, 18. März, 19.30 Uhr, Staatstheater.

Karten: Tel. (06 81) 309 24 86.

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