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Der Weg ist klar: Die neue Stadtmitte muss kommen



Saarbrücken. Spätestens im Jahr 2016 soll vieles besser und schöner als heute sein in der Saarbrücker Stadtmitte. Die Autobahn soll im Untergrund verlaufen, die Saar durch die Rückgewinnung von Flächen wieder erlebbar werden, marode Bausubstanz saniert oder durch schicke Gebäude ersetzt worden sein. Kurz: Das Bild der Stadt soll sich umfassend ändern, das Image aufpoliert und der Ruf Saarbrückens als bedeutendes Oberzentrums in der Saar-Lor-Lux-Region gefestigt werden. 300 Millionen Euro soll das Ganze kosten, wobei ein Großteil (bis zu 170 Millionen Euro) für die Verlegung eines 1,5 Kilometer langen Stücks der Stadtautobahn zwischen Bismarck- und Luisenbrücke in einen Tunnel veranschlagt wird. Durch diese Maßnahme soll der Lärm reduziert, aber vor allem „die Rückkehr der Stadt an den Fluss ermöglicht werden“. Oberbürgermeisterin Charlotte Britz sagt dazu: „Wir werden am Saarufer urbane Räume zurückgewinnen.“

Am linken Saarufer, wo Gerichte, Ministerien, der Landtag und das Schloss zu finden sind, soll ein neuer Boulevard entstehen, sollen wieder gewonnene Freiflächen den Zugang zur Saar ermöglichen und vielfältig nutzbar sein, sollen neue repräsentative Bauten vom Aufbruch künden. Zwei neue Fußgängerbrücken sollen das Überqueren der Saar erleichtern, neue Tiefgaragen sollen den Autofahrern den Aufenthalt in der Stadt versüßen.

Was genau entstehen soll, entscheidet sich in den kommenden Wochen. Sechs europaweit ausgewählte Planungsteams mit Experten verschiedener Fachrichtungen (Städte- und Landschaftsplaner, Architekten, Künstler) sollen bis Mitte November konkrete Vorschläge machen und Entwürfe vorlegen. Im Planungsprozess stimmen sie sich mit den rund 200 Teilnehmern an Bürger-Werkstätten ab: Dort können Anregungen, aber auch Einwände formuliert werden.

Saarbrückens Baudezernentin Rena Wandel-Hoefer nutzte gestern bei einer Pressekonferenz im Rathaus die Gelegenheit, die letzten Bedenkenträger zu überzeugen. Und sie wischte auch alle Zweifel weg, dass das städtebauliche Großprojekt aus finanziellen Gründen scheitern könnte. Selbst wenn sich Bund und Europäische Union (EU) nicht an den Kosten beteiligen sollten (Berlin soll 60 Millionen, Brüssel 50 Millionen Euro beisteuern), sei die Sache zu stemmen, so Wandel-Hoefer. Sie geht zum jetzigen Zeitpunkt davon aus, dass Stadt und Land je 100 Millionen Euro zahlen müssen und hält die Lasten für „darstellbar“, weil die Mittelvergabe sich auf acht bis zehn Jahre erstrecken würde. Wenn Bund und EU allerdings als Mit-Finanziers ausfielen, müssten nach Wandel-Hoefers Rechnung Stadt und Land jeweils 150 Millionen Euro aufbringen. Eine Zusage aus Berlin muss bis zum November vorliegen, wenn nach Abschluss des Wettbewerbs- und Beteiligungsverfahrens der so genannte Großprojektantrag in Brüssel eingereicht wird. Mit einem Ja oder Nein zu einem EU-Zuschuss ist im Frühjahr 2009 zu rechnen.

Davon unberührt wollen die Verantwortlichen im Saarbrücker Rathaus jetzt auf jeden Fall „die Ideen sprießen lassen“, wie es Stadtplanungsamtsleiterin Monika Kunz ausdrückte. Das letzte Wort über das Wohl und Wehe einer neuen Stadtmitte hat dann der Rat. Die Stadtverordneten von CDU, FDP, SPD und Grünen werden abschließend entscheiden müssen, ob und in welchem Umfang sich Saarbrücken das Prestigeobjekt wirklich leisten kann und will. „Wir gewinnen am Saarufer urbane Räume zurück.“

Wulf Wein

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