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Desaster "Vierter Pavillon": Wie konnte das passieren?

Wir konnte es zu dem Desster um den

Wir konnte es zu dem Desster um den "Vierten Pavillon" kommen?

Saarbrücken. In ihrer ersten Regierungserklärung hat die neue Ministerpräsidentin mit Blick auf den Vierten Pavillon just vor einem Monat einen bemerkenswerten Satz gesagt. Einer der wenigen, die nicht in ihrem Redemanuskript standen. „Die Politik hat versagt. Das ist der eigentlich Grund für die Vertrauenskrise“, resümierte eine selbstkritische Annegret Kramp-Karrenbauer an jenem Tag, an dem all der Groll und Unmut über das Fiasko Museumserweiterung unüberhörbar bis in die Reihen der Abgeordneten vordrang. Zugleich versprach sie eine Fertigstellung des Baus „in angemessener Qualität“.

Ralph Melcher: Keine Antwort zu erwarten

Dass damit wohl das Maximum des noch Erwartbaren beschrieben ist, war am Donnerstag (22.09.2011) der sich aufdrängende Eindruck, nachdem sich die Baustellenumsperrung erstmals für den Kulturausschuss (und Journalisten) geöffnet hatte. Irgendwann dürfte sich auf dieser Führung durch das Innere des Betonklotzes wohl jeder Beteiligte gefragt haben, weshalb damals eigentlich die Wahl auf diesen (jedenfalls im Rohbau) mit nichts wirklich punktenden Entwurf fiel. Dies zu erklären wäre niemand berufener als der damalige Vorstand der Stiftung Kulturbesitz. Von dem suspendierten Ralph Melcher aber ist aus naheliegenden Gründen derzeit keine Antwort zu erwarten.

Er entschied sich damals für das zwischenzeitlich im Streit um die Fassade ausgestiegene junge Kölner Büro twoo Architekten und überzeugte im April 2008 das Kuratorium der Stiftung von seinem Votum: Man nickte ab, wie gewohnt einstimmig. Zur Auswahl standen nach der Disqualifizierung des 1.?Preisträgers Hochberg + Neff (Darmstadt) auf dem Papier vier Entwürfe. Faktisch waren es wohl nur deren zwei: Der 2.?Preisträger Karl + Probst, der aufgrund von Baufeldüberschreitungen erfolgreich gegen die Prämierung der Darmstädter geklagt hatte, hatte sich damit aller Chancen, selbst zum Zug zu kommen, beraubt. Und auch der 3.?Preisträger war bei der Politik aufgrund der dort waltenden phobischen Hochwasserangst frühzeitig durchgefallen. Dabei hatte das Saarbrücker Büro Lauer Architekten den schlüssigsten und städtebaulich verträglichsten Entwurf vorgelegt, der wie kein zweiter Hans Schöneckers Moderne Galerie geschont hätte. Es half auch nichts, dass einschlägig erfahrene Ingenieurbüros Lauers Konzept Hochwassertauglichkeit attestiert hatten. Es sah vor, den Erweiterungsbau zu versenken und nur einen 1,10 Meter hohen Kubus (mit Wasserdach) sichtbar zu machen.

Schreiers „Dynamik des Landes“

Mithin standen nur zwei Entwürfe tatsächlich zur Wahl: außer twoo der des gleichfalls in Köln beiheimateten Büros Luderwaldt Verhoff, beide als 5. Preisträger (der 4. Preis entfiel) aus dem Wettbewerb gegangen. Den twoo-Entwurf hatte das Preisgericht als „pragmatischen Kubus“ tituliert und reichlich nebulös bemerkt: „Das Spiel zwischen geschlossenen und offenen Flächen, die dezent hinter dem Glasüberwurf zu spüren sind, wird als eine zeitgemäße Antwort auf die Verknüpfung von öffentlichen und musealen Räumen gesehen.“ Mag sein, dass der spätere Verzicht auf die lichtdurchlässige twoo-Fassade und der Wegfall eines Zwischengeschosses (durch die Kubusschrumpfung um einen Meter) diese Jury-Prosa heute noch abwegiger macht.

Offensichtlich entsprach am Ende das Raumkonzept des twoo-Entwurfs am ehesten Melchers Vorstellungen. Neben der „schlüssigen Architektur“ rühmte die damalige Kulturministerin Kramp-Karrenbauer als Kuratorin der Stiftung die hohe Funktionalität des twoo-Entwurfs im Inneren. Auch Melcher sprach von einer großartigen Raumarchitektur im Inneren. Um wieviel großartiger aber hatte das 13-köpfige Preisgericht des später derart in Verruf geratenen Architekturwettbewerbs den einstimmig gekürten Siegerentwurf von Hochberg + Neff bewertet. Von einer spektakulären Museumsskulptur war die Rede, die „die Dynamik des Landes“ gewissermaßen repräsentiere, wie Jürgen Schreier bekannte, der den Vierten Pavillon zuvor politisch durchgesetzt hatte.

Wettbewerbsvorgaben konterkariert

Bis heute ist die damalige Juryentscheidung rätselhaft geblieben. Weshalb votierte man ausgerechnet für den Entwurf, der in krasser Weise gegen die Regularien verstieß? Weshalb konterkarierte die Jury schlichtweg die Wettbewerbsvorgaben, die rigide ein Baufeld ausgewiesen hatten, an dessen Enge sich viele Büros den Kopf zerbrachen und ob des enormen Raumprogramms den Ausweg dann nur in solch riesigen Kuben wie dem von twoo sahen? Dass ihr Votum juristisch anfechtbar sein würde, musste der Jury doch klar gewesen sein. Eine Lösung für dieses Rätsel liefert ein altes Gerücht. Ihm zufolge soll die Jury angenommen haben, der von ihr prämierte Entwurf sei von der Pritzker-Preisträgerin Zaha Hadid – und allein schon ihr Name alle Statuten-Skrupel hinweggefegt haben. Zwar war das Verfahren anonymisiert; auszuschließen aber ist nicht, dass der Jury zugetragen wurde, dass namhafte Büros wie das Hadids sich in Saarbrücken beteiligten. Fälschlicherweise sei dann der Hochberg+Neff-Entwurf Hadid zugeschrieben worden. Zugegeben, ein Gerücht nur – aber zumindest ein Rätsel in dem großen Pavillon-Rätsel ließe sich damit lösen.

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