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"Die Bienen sind die Guten"

Die Ruhe dieses Idylls überträgt sich auf den Besitzer.  steht in seinem großen Garten in Elm, einer malerischen Oase voller Obstbäume und Sträucher. Einige Meter weiter grasen seine Schafe, Ziegen und der Esel Chocolat.

Kirch schlüpft in seinen weißen Schutzanzug, sein Gesicht verschwindet hinter dem Schleier, der von seinem Hut herunterhängt. Der 58-Jährige ist Herr über fünf Völker mit hunderttausenden Individuen. Unruhe kann er sich hier nicht erlauben: Die Bienen können sehr ungemütlich werden, wenn es in ihrem Zuhause hektisch wird – das hat Kirch gelernt. Mittlerweile stechen sie ihn nur noch selten. Das liegt an dem Rauch, der sie besänftigt. Und es liegt an der Ruhe des Imkers. „Man muss sich langsam und behutsam bewegen“, sagt der Elmer und hebt vorsichtig die Magazine des Bienenstocks an. Die Masse der Insekten kommt zum Vorschein, ihr Summen erklingt nun noch lauter. Scheinbar chaotisch schwirren sie umher. Doch sie bewegen sich nicht zufällig, sondern planvoll. Und produzieren haufenweise Honig – ein Nahrungsmittel, das an deutschen Frühstückstischen äußerst beliebt ist.

Seit Jahren ist Herbert Kirch begeisterter Imker. Wie viele Bienen es genau sind, hat er nicht gezählt – es sind genug, um zu wissen, was ihnen guttut. „Eigentlich ist das Bienenjahr schon vorbei“, erläutert Kirch, nun beginnt das neue Imkerjahr. Und gerade jetzt brauchen ihn die Bienen: Üblicherweise ernähren sich die Drohnen von dem Honig, den das Bienenvolk produziert hat, doch der wurde ja schon entnommen. Bei Kirch steht daher ein Einmachglas mit Zuckerlösung im Bienenstock, sie dient im Winter als Nahrung.

Eigentlich, bekundet Kirch, habe er sich schon vor Jahrzehnten der Bienenzucht widmen wollen. Doch da waren seine Söhne noch klein. Kirch war der Gedanke nicht geheuer, dass seine Kinder zwischen den stechfähigen Insekten herumtollen. Als er dann im Elmer Imkerverein Interesse zeigte, offenbarte sich ein weiteres Hindernis: 5000 Euro müsse er für drei Bienenvölker schon investieren, hätten einige gesagt. Kirch hatte sich wohl für ein teures Hobby entschieden. „50 bis 100 Euro sollten genügen“, meinte er – und diese Summe habe für den Einstieg tatsächlich gereicht. Schließlich überließ ihm der Vereinsvorsitzende, quasi sein „Bienen-Mentor“, ein Volk zur Aufzucht – kostenlos, aber mit einer Bedingung: Wenn er die Bienen über den Winter bringt, zahlt er seinem Lehrer etwas zurück. Es funktionierte. Hohe Kosten schrecken Interessenten ab, da ist sich Kirch sicher. Sein Verein wirbt inzwischen mit einem günstigen Einstieg in das Hobby, einige neue Imker konnten so schon gewonnen werden.

Ein hartnäckiger Parasit macht Kirch und seiner Zunft jedes Jahr aufs Neue zu schaffen: die nach Deutschland eingeschleppte Varroa-Milbe, ein Reizwort für Imker. Gerade im Herbst sind die Milben aktiv und bedrohen die Bienenvölker. Sie stechen in die Panzerung der Bienen, die so auch anfälliger für Folgeerkrankungen werden. Mit einer denkbar einfachen Methode wirkt Kirch entgegen: Einen haushaltsüblichen Putzschwamm beträufelt er mit Ameisensäure, legt ihn in den Bienenstock. Die Säure verdampft – was die Bienen gut, die Milben weniger vertragen.

Für Laien mag es befremdlich anmuten, freiwillig so viel Zeit mit Stechinsekten zu verbringen. Was treibt Kirch an? „Mein Lustfaktor ist einfach, dass ich gern Honig esse“, sagt er lächelnd. Mit dieser Vorliebe ist er nicht allein: Nirgendwo isst Otto Normalverbraucher so viel Honig wie in Deutschland. Ein großer Teil davon wird importiert. „Honig für zwei, drei Euro kommt oft aus China – man weiß nicht, was da drinsteckt“, sagt Kirch. Honig von deutschen Imkern ist meist teurer, nicht zuletzt wegen der hohen Maßstäbe. So darf laut staatlicher Verordnung der Honig bis zu 20 Prozent Feuchtigkeit aufweisen, die Richtlinien des Deutschen Imkerbundes lassen allerdings nur 18 Prozent zu.

Auch der Gesundheit tut das Erzeugnis aus dem heimischen Garten gut. Kirch war vor Jahren schwer erkrankt – und schätzt inwischen die heilende Kraft des Honigs, der Fitness fördere. Ehefrau Monika isst „jeden Morgen einen Löffel davon“, verrät sie. Als erwiesen gilt die Wirkung des Bienenharzes Propolis, mit dem die Nutztiere ihren Stock abdichten. Propolis wirkt entzündungshemmend und trägt zur Wundheilung bei. „Auch Allergiker sollten Honig essen – möglichst aus ihrer Umgebung“, rät Kirch. Das härte das Immunsystem ab.

Auch die Bienen selbst sind ökologisch wertvoll. Kirch bemüht Einstein: „Wenn die Biene von der Erde verschwindet, dann hat der Mensch nur noch vier Jahre zu leben.“ Zum Glück ist die Biene noch immer da, doch Schädlinge wie die Varroa-Milbe und andere Umwelteinflüsse bedrohen die Bestände. „Ohne Bienen gäbe es 80 Prozent weniger Obst“, sagt Kirch, denn sie bestäuben die Blüten. In seinem Garten und der Nachbarschaft mangelt es nicht an blühenden Landeplätzen für die Insekten, doch nicht wenige Imker klagen über mangelnde Blütenpracht und Monokulturen in der Landwirtschaft. Beruflich ist Herbert Kirch als Gutachter für Immobilienwesen viel unterwegs. Umso mehr genießt er die Entschleunigung im heimischen Garten, die Zeit mit den Bienen und den anderen Tieren. Wenn Kirch in wenigen Jahren in Rente geht, will er anderen mit den Tieren in seinem Garten etwas Gutes tun. Er könnte sich vorstellen, Kinder mit Behinderung in Kontakt mit seinen Eseln zu bringen. Für einen Streichelzoo eignen sich die Bienen freilich nicht. Doch Kirch bemüht sich stets, deren schlechtes Image aufzumöbeln. „Ich sage meinen Enkeln immer: Die Bienen sind die Guten!“

Hintergrund

Im Saarland gibt es etwa 1300 Imker und knapp 8000 Bienenvölker, erklärt der Vorsitzende des Imker-Landesverbands, Frank Nieser. Nach einem „Komplettausfall“ 2012 sei die Honigernte im laufenden Jahr besser, aber immer noch unterdurchschnittlich gewesen. Den Gesamtertrag der hiesigen Imker schätzt Nieser auf 150 Tonnen. Pro Jahr werden in Deutschland rund 85?000 Tonnen Honig konsumiert. jow

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