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„Die Kochprofis“ nehmen den "Reimsbacher Hof" unter die Lupe

Die »Kochprofis« Andreas Schweiger, Frank Oehler und Ole Plogstedt (von links) bringen diese Woche für ihre Coaching-Show auf RTL 2 den Reimsbacher Hof auf Vordermann.

Die »Kochprofis« Andreas Schweiger, Frank Oehler und Ole Plogstedt (von links) bringen diese Woche für ihre Coaching-Show auf RTL 2 den Reimsbacher Hof auf Vordermann.

  Es herrscht rege Betriebsamkeit in der Küche des „Reimsbacher Hofs“: Inhaber Tobias Wotipka geht mit einem scharfen Messer daran, aus einem großen Stück Speck kleine Würfelchen zu schneiden. Gegenüber von ihm ist Ole Plogstedt dabei, lange grüne Lauchstauden in schmale Streifen zu schnippeln, die er dann in ein riesiges Edelstahlbecken füllt. Neben Plogstedt, der auf einer braunen Schirmmütze seine Liebe zum Fußball-Zweitligisten FC St. Pauli bekundet, entfernt Frank Oehler, in eine weiße Kochjacke gewandet, mit gekonnten Schnitten Fasern, Sehnen und Speck von einem mächtigen Stück Rindfleisch. Und am Kopfende des Tischensembles rührt Andreas Schweiger eifrig an einem Teig. „Kommst du mal gerade“, ruft der jugendlich wirkende Schweiger Wotipka herbei. Und richtet eine Bitte an die anderen Anwesenden: „Könnt ihr ein bisschen leiser sein, wir würden gerne drehen?“ Hinter den beiden geht ein Kameramann in Stellung, der ihn begleitende Tonassistent bringt den „Galgen“ mit dem Mikrofon in Schweigers Nähe. Der erläutert dem Chef des „Reimsbacher Hofes“, wie er effektiv Dotter und Eiweiß voneinander trennt.

Solch prominente Mitarbeiter hat der 37 Jahre alte Wotipka noch nie gehabt. Drei Tage lang sind Plogstedt, Oehler und Schweiger, die donnerstags beim Privatsender RTL 2 in der Coachingsendung „Die Kochprofis“ zu sehen sind, in seinem Gasthaus. Das hat Wotipka Mitte 2012 mit seiner Frau Inken (33) wiedereröffnet. Doch obwohl der „Reimsbacher Hof“, den viele in der Gegend als „Polo“ kennen, ein Haus mit großer Tradition ist, will es nicht richtig laufen. „Wir haben nach der Eröffnung Fehler gemacht, da ist manches schief gelaufen“, räumt Wotipka ein. Eigentlich wollte er sich selbst gar nicht an den Herd stellen, zumal er kein gelernter Koch ist. Doch nach einigen Turbulenzen zum Auftakt kümmert der passionierte Hobbykoch, der einer Gastronomenfamilie entstammt, sich nun ums Essen, unterstützt von einer Küchenhilfe.

Aber das Renommee des Hauses leidet weiter unter dem missglückten Start. Und wenn mal viel los ist, tun sich Probleme auf. Immerhin bis zu 200 Personen finden in den großzügig gestalteten Räumen Platz. Sind die Tische aber gut besetzt, klappt es nicht mit den organisatorischen Abläufen. In der Küche wird es hektisch, der Service gerät ins Wanken – auch dort arbeiten ausnahmslos ungelernte Kräfte. So musste der neue Inhaber des „Reimsbacher Hofes“ gut anderthalb Jahre nach dem Start in die neue Existenz ernüchtert feststellen: „Ich komme hier an meine Grenzen.“ Er wisse, dass der Fehler bei ihm liege. „Obwohl ich schufte und schufte, will es nicht richtig laufen.“

Das war der Moment, in dem Wotipka auf die Idee kam, die „Kochprofis“ von RTL 2 um Hilfe zu bitten. Seit 2005 läuft die Sendung auf dem Privatsender. Bis zu 1,5 Millionen Zuschauer sind jeden Donnerstag dabei, wenn ein Team von Profiköchen seine Mission in gastronomische Krisengebiete startet. Tobias Wotipka bewarb sich für ein Coaching von den „Kochprofis“ – und wurde ausgewählt.

Drei Tage lang nehmen Ole Plogstedt, Frank Oehler und Andreas Schweiger das am Ortsrand von Reimsbach gelegene Gasthaus unter die Lupe. Ihr Ziel: Dem Betreiber neue Ideen und Perspektiven zu vermitteln, um wieder mehr Gäste ins Haus zu locken. Dabei steht zu Beginn ein Testessen auf dem Programm, bei dem die Profiköche ihren „Klienten“ auf den Zahn fühlen. Im „Reimsbacher Hof“ liegt es dabei nicht an der Qualität der Speisen, findet Plogstedt: „Wir haben beim Testessen hier eine leckere Küche und sympathische Gastgeber erlebt.“ Auch das Interieur des Hauses, das die Inhaber vor der Wiedereröffnung noch renoviert hatten, gibt wenig Grund zur Beanstandung. Ein Problem seien vielmehr die internen Abläufe, findet Plogstedt.

Hier sieht er den Ansatz zur Lösung des Problems: „Er muss Gerätschaften, Abläufe in der Küche und seine Karte auf die stattliche Größe des Hauses einstellen“, lautet sein Rat an Wotipka. Es sei sinnvoller, nur wenige Speisen im Angebot zu haben, diese aber häufiger zu wechseln, findet der gebürtige Berliner, der schon als Tourkoch für Rockbands wie Die Ärzte oder Die Toten Hosen unterwegs war. Seit 2010 ist er bei den RTL 2-„Kochprofis“ dabei. Neben ihm beschäftigt sich Frank Oehler mittlerweile mit einem großen Schweinefilet. Der 49-Jährige mit der graumelierten Mähne und dem Kinnbärtchen wird von seinem Sender als harter Hund charakterisiert, der höchste Anforderungen an die von ihm trainierten Gastronomen stellt. Hier, in der Küche des „Reimsbacher Hofes“, wirkt der Sternekoch an diesem Nachmittag eher locker. Während er sich ein Schokocroissant aus der örtlichen Bäckerei schmecken lässt, plaudert Oehler über die Gründe dafür, warum Kochen, Köche und Kochsendungen so populär geworden sind: „Kochen ist die älteste Kultur der Menschheit“, findet Oehler. Plötzlich wird seine Aufmerksamkeit abgelenkt. „Da brennt gleich was an!“, merkt er auf, macht einen Satz zum Herd und zieht einen Topf vom Kochfeld herunter. „Als Koch hast du es irgendwann im Gespür, wenn das Essen fertig ist“, erklärt er, „dann hörst du das Lamm im Backofen förmlich rufen: ‚Ich bin fertig, hol mich raus!’“ Die Stimmung ist gut, die Chemie zwischen den Beteiligten scheint zu stimmen. Das bestätigt Alex Kraska, der Aufnahmeleiter für diese Folge: „Wir sind sehr nett hier aufgenommen worden.“ Und das gilt nicht nur für das Team des „Reimsbacher Hofes“. Die TV-Produktion sorgt für mächtig Aufsehen in der Region. Ganz schnell waren die vorhandenen Plätze für das Abschlussessen, das jede Episode beschließt, vergeben.

Nicht nur wegen des finalen Dinners machen die „Kochprofis“ Furore. Wo immer der auffällige Teambus der Produktion in der Region auftaucht, sind Hobby-Paparazzi mit ihren Handy-Kameras nicht weit. Im sozialen Netzwerk Facebook werden eifrig Schnappschüsse mit den „Kochprofis“ präsentiert. „Genial, sie sind im Saarland“, schreibt ein Fan zu der Aufnahme vom Teambus, den er vor dem Merziger Hotel Roemer aufgetan hat. Dort übernachtet das Team während der drei Drehtage. „Die Leute wundern sich immer, wie aufwändig solch eine Fernsehproduktion ist“, weiß Aufnahmeleiter Kraska. Zwölf Mann stark ist die Truppe, die jede Folge der „Kochprofis“ in den Kasten bringt. Zu den drei Köchen kommen zwei Kamerateams zu je drei Leuten (Kameramann, Tonassistent und Autor, der darauf achtet, dass jede Szene so in Ordnung ist). Zwei Personen kümmern sich um die Ausstattung, ein Mitarbeiter um die Maske.

Dass die „Kochprofis“ hier offensichtlich viele Fans haben, findet Kraska schön: „Da kommen immer wieder Leute während der Dreharbeiten und fragen nach Autogrammen oder Erinnerungsfotos.“ In der Küche wird derweil eine Szene mit Schweiger und Wotipka nochmal gedreht. Plogstedt weiß, dass manche Leute den TV-Köchen unterstellen, für ihre Sendung werde alles gestellt, nichts sei „echt“. Es ärgere ihn, wenn ihm mangelnde Authentizität vorgeworfen werde: „Wir nehmen unsere Aufgabe sehr ernst. Wir möchten den Gastronomen, um die wir uns kümmern, wirklich helfen.“

Jeder der drei Profis hat fürs Abschlussessen Menüvorschläge entwickelt, die sie mit Wotipka und seinem Team umsetzen. Während in der Küche dafür eifrig geschnippelt, gerührt und gebrutzelt wird, sind weitere Mitglieder des Teams mit Außendrehs beschäftigt. In der Ortsmitte lässt einer der Kameramänner eine Flugdrohne steigen, um Luftaufnahmen von Reimsbach einzufangen. Dabei wird nur ein Bruchteil des Materials, das gedreht wird, tatsächlich verwendet, erläutert Aufnahmeleiter Kraska: „Wir drehen pro Folge 35 bis 45 Bänder à 45 Minuten.“ Daraus wird während der vier- bis sechswöchigen Nachproduktion eine Episode von 45 Minuten Länge zusammengeschnitten.

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