Saarland, L 295 zwischen Wemmetsweiler und Heiligenwald, Unfallaufnahme, Vollsperrung (06:07)

Priorität: Dringend

1°C
Saarbrücken
weather-Saarbrücken
1°C
Saarbrücken
weather-Saarbrücken

Die Lobby des guten Geschmacks

 Saarbrücken. Essen und Trinken mit allen Sinnen genießen: etwa den Duft einer Vanilleschote, den Geschmack knackig-frischer Karotten oder einfach das selbstgemachte Essen mit sorgfältig ausgewählten Produkten. Denn - so steht es im Programm von Slow Food (SF) Deutschland -, jeder hat ein Recht auf Genuss. Die selbst ernannte "Lobby für Geschmack" registrierte Ende 2008 rund 8300 Mitglieder. Damit gewann SF in den vergangenen sechs Jahren fast 4000 Slow-"Foodies" hinzu.

Ein Beleg dafür, dass den Deutschen Essen und Trinken ernster nehmen? "Das Thema gewinnt einen größeren Stellenwert, je mieser das allgemeine Essen wird", sagt Maria Voß-Peter, Leiterin des Slow Food Convivium Saar. Sie jedenfalls stelle einen Bedarf nach dem Erlebnis Vielfalt beim Thema Essen fest. Und jeder, der sich mit der Slow-Food-Philosophie beschäftige, dem könne sich die Mannigfaltigkeit des Ess-Genusses erschließen.

Slow Food Saar besucht etwa Betriebe, die bereit sind, ihre kulinarischen Produkte oder ihr Handwerk - so es denn einen Bezug zum Essen und Trinken hat - in Seminaren vorzustellen: Seminare zu Kaffee, Käse, Gewürzen oder auch zu Küchenmessern, die von einem Saarbrücker Messerschleifer geschliffen werden. Zu entdecken, wie Essens-Produkte hergestellt werden, die wir essen und trinken, sei ein guter Grund SF-Seminare zu besuchen. "Die Seminare stehen generell allen offen, die gern essen und trinken", sagt Voß-Peter. Dass zumeist die Hälfte der Seminarteilnehmer keine Mitglieder sind, zeige auch, dass sich Slow-"Foodies" nicht in Zirkeln abschotten.

Seit April 2008 können Kinder zwischen sechs und neun Jahren unter Anleitung der Ernährungswissenschaftlerin Petra Borgeest, die bei Slow Food Saar für "Geschmacksbildung" zuständig ist, kochen lernen. Voß-Peter weiß, dass sich im Kindesalter der Geschmack ausbildet. So würden Kinder sinnlich erfahren, welches Essen ihnen schmeckt, was ihnen am Kochen Freude bereite. In den Kulinarikkursen lernen Kinder ein Mahl selbst vor- und zuzubereiten. Am Ende des drei Stunden dauernden Kurses genießen sie dann gemeinsam das selbstgemachte Essen. Bislang werde der Nachwuchs-Kochkurs in Zusammenarbeit mit der Volkshochschule St. Ingbert angeboten. "Aber es wäre schön, wenn wir die Kurse in größerem Maßstab anbieten können", sagt Voß-Peter.

"Man muss sich Zeit zum Essen nehmen", sagt Voß-Peter. Doch einer Mission, Menschen zu echten Genießern zu bekehren, habe man sich nicht verschrieben. Sie bringt das Slow-Food-Credo auf einen Punkt: gut, sauber, fair. Essen soll gut schmecken, Produkte sollen eine gute Qualität haben und die Produzenten mit fairen Preisen entlohnt werden. Auf solche Produkte lege Slow Food auch größeren Wert als auf solche aus biologischer Landwirtschaft. Optimal sei es, wenn sich beides verbinden lasse. Aus der Sicht von Slow Food gibt es keine Einkaufs- und Produktideologie. Wichtig sei nur: "Genau hinzuschauen und sich mit dem Produkt auseinanderzusetzen."

AUF EINEN BLICK

Das Slow Food Convivium (deutsch: Tafelrunde) Saarland hat derzeit rund 100 Mitglieder. Die Gruppe wurde im Jahr 2002 gegründet. Verschiedene Förderer unterstützen Slow Food im Saarland. Kontakt zum Slow Food Convivium Saarland gibt es unter Tel. (0 68 31)8 59 05 oder (0 68 31)21 12 oder auch per E-Mail an saarland@slowfood.de. bera
Hat dir dieser Artikel gefallen?
Ja Nein