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Die Maschen der Tankbetrüger: Völklinger Tankstellenpächter berichten



Völklingen. „Tankbetrüger?“ Dieter Birkelbach nimmt tief Luft und fängt an, sehr schnell zu reden. „Innerhalb von vier Wochen haben sie dreimal bei uns zugeschlagen. Und zwei von denen hatten gestohlene Kennzeichen.“ Birkelbach ist Pächter der Esso-Tanksteller in der Völklinger Cloosstraße und ärgert sich maßlos über die Zechpreller. Tankbetrug ist nach wie vor ein Problem, in der Hüttenstadt wie auch anderswo in der Region. Birkelbach ist sich sicher: „Die Fälle nehmen zu! Auf jeden Fall!“ Die Täter fahren vor, tanken ganz normal. „Dann plötzlich springen sie in ihr Auto und hauen ab.“

Polizeihauptkommissar Jörg Hiry aus Völklingen kennt das Problem. Auch das mit den Kennzeichen ist für ihn nichts neues. Viele Täter verlassen sich auf ihre Doubletten, also Nummernschilder, die sie beispielsweise von einem anderen Auto gestohlen haben. Die wechseln sie dann für ihren dubiosen Ausflug zur nächsten Zapfsäule. So fühlen sie sich etwas immuner gegen Videoüberwachung. „Wir überprüfen die Kennzeichen natürlich“, so Hiry, „die Spur führt dann erstmal in eine Sackgasse.“ Dennoch ist das bei weitem keine Sicherheit für die Täter. Fahndungserfolge gibt’s nämlich trotzdem, so die Polizei. Vor allem, nachdem die Staatsanwaltschaft Videobilder zur Veröffentlichung freigegeben hat. Schwieriger werde es bei Tankstellen, die keine Videoüberwachung hätten. Dann sind die Beamten auf die Beobachtungen des Personals angewiesen.

„Und manchmal fällt der Betrug sogar erst beim Kassensturz auf“, so Hiry, der den Tankstellen-Leuten noch mehr Wachsamkeit empfiehlt, um den Beamten bei der Ermittlung zu helfen. Das hat auch Dieter Birkelbach seinem Personal angeordnet. Verdächtiges gibt es genug, die Täter wirken fast wie Diebe aus dem Bilderbuch: „Sie halten zum Beispiel immer ihr Gesicht nach unten“, schildert er. „Sie kommen nur nachts und sie sehen sich ganz genau um, zum Beispiel wo der Kassierer steht“, zählt Karl-Heinz Wild auf. Er ist Pächter von sechs Tankstellen in der Region, darunter auch die Shell in der Karolingerstraße in Völklingen. Nicht diese, aber eine der anderen sei einmal sogar von einem ganzen „Rudel“ heimgesucht worden. Sie kamen gleichzeitig mit drei Autos an, um Verwirrung zu stiften. Im Schnitt läge der Schaden pro Betrüger bei fünf bis 200 Liter.

Dass aber die Zahl der Fälle in jüngster Zeit angestiegen wäre, hat Wild nun nicht beobachten können. Im neuen Jahr gab’s an seinen sechs Tankstellen nur einen einzigen, sagt er. Er nimmt auch manchen in Schutz, Kunden, die schon mal vergessen zu zahlen, etwa weil sie durch ihr Handy abgelenkt seien. Die findet die Polizei dann ganz schnell, viele kommen auch später selbst wieder. Kommt es zum Sprit-Diebstahl, gilt für Wild die Devise: „Der Schutz des Mitarbeiters steht an erster Stelle!“ Soll heißen: keine Heldentaten, bloß nicht vors Auto springen. „Der Dieb überfährt ihn dann vielleicht sogar.“ Genaue Beobachtungen genügen meist.

Außerdem fällt der Schaden nicht an den Pächter – das Benzin gehört den Konzernen. Und nicht allein deswegen reagiert Michael Mees, Chef der Aral in der Karolingerstraße, auf die SZ-Nachfrage zu dem Thema mit dem Satz: „Tankbetrug kommt bei uns gerade nur an zweiter Stelle.“ Raubüberfälle bereiten ihm mehr Sorgen. Seit Ende Dezember sind im Saarland 13 Tankstellen ausgeraubt worden, zuletzt in Lebach und in Schmelz. „Ich habe im Moment alle Hände voll zu tun, meine Mitarbeiter zu beruhigen.“
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