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„Die Milchquote ist gescheitert.“

 Homburg. „Die Milchquote ist gescheitert.“ Mit dieser Aussage stieß Charl-Albrecht Bartmer, Präsident der Deutschen Landwirtschafts-Gesellschaft (DLG), all jene vor den Kopf, die weiter an einer Milchquote festhalten wollen. „Nicht eine Verschärfung der Quote, sondern ein Gleitflug zu einem freien Markt ist das Mittel der Wahl“, sagte Bartmer bei der Feier des 50-jährigen Bestehens der Landesvereinigung der Milchwirtschaft des Saarlandes (LVS). Die deutschen Milchbauern dürften nicht verkennen, dass sie mittlerweile in einer globalen Wirtschaftswelt leben. Jede Selbstbeschränkung führe unweigerlich zu einer Abtretung von Marktanteilen an internationale Anbieter.

Bartmer ermutigte deshalb die Milchbauern, nicht an dem festzuhalten, was bisher galt, sondern die Chancen der Zukunft zu ergreifen. „Die Quote zementiert die Verteilung der Milchproduktion und verhindert die Wandelung zum besseren Erzeuger und zum kreativeren Hersteller“, sagte Bartmer. Es sei nicht im Interesse der Milchbauern, wenn es keine Wachstumsmöglichkeiten mehr gebe. „Sicherlich wird Wachstum durch Strukturwandel auch mit Ausstiegen aus der aktiven Landwirtschaft verbunden sein“, sagte er. Viele Höfe würden Kooperationspartner suchen müssen, um zu überleben. Letztlich könne die deutsche Landwirtschaft aber nur durch den Wandel an internationalen Märkten bestehen.

Dass angesichts der aktuellen Preissituation den Bauern nicht unbedingt zum Feiern zumute sei, sagten alle Redner der Jubiläumsfeier. Klaus Fontaine, Präsident des saarländischen Bauernverbandes und Vorsitzender der LVS, betonte, dass sich die Preise wieder auf ein bedenklich niedriges Niveau zubewegen. Er sieht es als Hauptaufgabe der Milchwirtschaft, „die Milch in ihrer Vielfalt noch positiver darzustellen“. Der Milchpreis lag zuletzt bei rund 25 Cent pro Liter. Die Milchbauern fordern für eine auskömmliche Produktion rund 30 Cent pro Liter. Die jüngsten Preiserhöhungen von Milch und Milchprodukten kämen nur zum Teil bei den Bauern an, sagte Klaus Laub vom Bundesverband deutscher Milchviehhalter (BDM) am Rande der Veranstaltung.

Der neue Wirtschaftsminister Christoph Hartmann (FDP) sagte den saarländischen Milchbauern die Unterstützung seines Ministeriums „im Rahmen unserer begrenzten Möglichkeiten“ zu. Es sei aber auch klar, dass über die EU etwas für die Milchbauern getan werden müsse. Gleichzeitig ermahnte Hartmann Handel und Molkereien, sich vor Augen zu führen, was ein Milchpreis von 20 Cent für Folgen habe, sowohl für das Land, die Struktur als auch die Kultur: „Da darf nicht nur das nächste Quartalsergebnis entscheidend sein“, sagte er. Berlin. Das abgelaufene Wirtschaftsjahr 2008/2009 war für die Agrarwirtschaft das bisher schwierigste in diesem Jahrzehnt, doch geht es im nächsten, das bis Mitte 2010 zählt, wahrscheinlich noch weiter abwärts. Durchschnittlich erlebten die Bauern im letzten Jahr Ertragseinbußen von 24 Prozent. Nur 34 400 Euro blieben pro Betrieb im Mittel übrig – Geld von dem nicht nur die Familie ernährt werden muss, sondern das auch noch für Investitionen reichen soll.

Die kräftigsten Einbußen erlitten nach der Auswertung von 19 100 Jahresabschlüssen, die der Deutsche Bauernverband gestern in Berlin vorlegte, die Milchviehbetriebe, deren Ergebnis wegen der gesunkenen Marktpreise durchschnittlich um 45 Prozent auf 29 300 Euro absank, gefolgt vom Weinbau, dessen Betriebsergebnisse im Mittel um 20 Prozent auf 39 000 Euro heruntergingen. Die Ackerbauern erwirtschafteten 18 Prozent weniger als im Vorjahr und kamen auf 43 000 Euro.

Für die kommenden Monate geht Bauernverbandspräsident Gerd Sonnleitner von weiter leicht sinkenden Unternehmensergebnissen aus.

Trotz der dramatischen Lage hat der Bauernverband keine zusätzlichen Forderungen an die Bundesregierung. „Der Koalitionsvertrag berücksichtigt die Lage der Landwirte“, sagte Sonnleitner und lobte besonders das geplante 750-Millionen-Euro-Sonderprogramm für die Krisenbranchen. kol

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