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Die Ophüls-Leiter über das kommende 34. Filmfestival

Vom 21. bis 27. Januar 2013 findet in Saarbrücken das Festival Max Ophüls statt.

Vom 21. bis 27. Januar 2013 findet in Saarbrücken das Festival Max Ophüls statt.

Der Etat des Ophüls-Festivals liegt seit Jahren bei rund einer Million Euro. Gleichzeitig steigen die Kosten. Wo sparen Sie?

Bandel: Überall, wo es irgendwie geht. Bei den Einladungen, den Reise-, den Hotelkosten. Wenn manche Prominente nur anreisen wollen, wenn das Erste Klasse geht, dann kommen sie halt nicht. Wir sind das ganze Jahr auf Betteltour, versuchen Sponsoren zu gewinnen, bitten um Unterstützung, um Spenden, um Preisnachlässe. Das ist ja eigentlich nicht unsere Arbeit als künstlerische Leiter. Aber die Größe des Festivals im Verhältnis zu seinem Budget – die wird für uns immer mehr zum Problem.

2012 hatte das Festival 43 000 Zuschauer, der bisherige Rekord – bringt das nicht viel Geld in die Kasse?

Bräuer: So viel machen die Kartenverkäufe nicht aus. Ein Zuwachs von zweieinhalbtausend Zuschauern klingt in der Statistik gut, bringt aber auch nur ein paar Tausend Euro mehr, das ist ein Tropfen auf den heißen Stein. Rund 330 000 Euro kommen von der Stadt Saarbrücken, 80 000 vom Land, das restliche Geld, über eine halbe Million Euro, müssen wir selber aufbringen, mit Sponsoren und Eintrittsgeldern.

Sie beide leiten das Festival seit 2008 und haben in Schlüsselpositionen dieselben Mitarbeiter. Wie wirkt sich das aus?

Bandel: Diese Kontinuität zahlt sich immer mehr aus. Das betrifft die Kontakte zur Branche und das Vertrauen, das uns inzwischen entgegengebracht wird. Auch bei der Filmauswahl ist das sehr wichtig. Wir haben ja nur 2,5 feste Stellen für das Festival und arbeiten ansonsten mit freien Mitarbeitern. Aber wir profitieren davon, dass wir auf wichtigen Positionen wie der Akkreditierung, dem Ticketverkauf und der Pressebetreuung seit Jahren dieselben Mitarbeiter haben.

Warum findet die Filmparty diesmal nicht in der Congresshalle statt wie in den vergangenen Jahren, sondern im E-Werk?

Bandel: Die Congresshalle und auch das Staatstheater waren belegt, da bot sich das E-Werk an – auch wenn es viel Arbeit ist. Wir müssen die ganze Technik und die Dekoration herantransportieren, zudem steigen die Kosten etwa durch ein Bus-Shuttle von der Stadt auf die Saarterrassen.

Bräuer: Im Grunde müssen wir an einem Ort zwei ganz verschiedene Veranstaltungen bieten – erst die Preisverleihung, dann die Filmparty für 1200 Leute. Wir werden das E-Werk als Lounge einrichten, ohne klassische Preisverleihungs-Sitzordnung, sondern eher wie die Garage während der Festivalwoche. Das wollen wir mal ausprobieren.

In den mittellangen und auch in den Kurzfilmen sind meist mehr filmische Entdeckungen zu machen, da findet man öfters auch Filmemacher, die andere Wege gehen. Das ist in den abendfüllenden Spielfilmen seltener zu sehen.

Bräuer: Die kurzen und mittellangen Filme werden ja quasi außerhalb des Marktes produziert, meist als Hochschulabschlussfilme. Da kann man schon mal was riskieren. Bei einem langen Spielfilm sieht das ganz anders aus. Die muss man erst einmal finanzieren, und da geht ohne die Unterstützung der Fernsehsender und Fördergelder kaum etwas. Dort sind aber Stoffe und Filme gefragt, die beim breiten Publikum ankommen und nicht so sehr bei Cineasten.

Also geht es nicht ohne Fernsehbeteiligung?

Bandel: Nein, ohne Fernsehproduktionen oder Ko-Produktionen würde das ganze System, wie es derzeit ist, zusammenbrechen, es gäbe keine deutschen Filme – und auch kein Festival. Filme machen heißt Geld ausgeben, und dann werden bestimmte Dinge erwartet. Das Publikum will unterhalten werden, die Verleiher wollen ihre Filme verkaufen, da gibt es Sehgewohnheiten, die sich etabliert haben.

Vor einigen Jahren erhoffte man sich viel vom digitalen Film, von niedrigeren Produktionskosten, die mehr Experimente zulassen – etwa Ophüls-Filme wie „Swingerclub“ von 2005 oder auch „Ladybug“ von 2006. Dieser Trend scheint vorbei, oder?

Bräuer: „Ladybug“ ist ein gutes Beispiel für die schwierige Situation – mit diesem eigenwilligen Film hat der Regisseur Sebastian Ko es unheimlich schwer, ein Angebot einer Fernseh-Redaktion zu bekommen, weil die „so einen Film“ nicht haben wollen. Viele Filmstudenten sagen uns immer wieder, sie würden ihren Langfilm gerne experimenteller gestalten. Aber wenn man überhaupt die Chance haben will, in den nächsten Jahren einen 90-Minüter zu drehen, geht das fast nur mit der Visitenkarte „Konventionelles Drama“. Nach den Kurzfilmen kommen die Leute in die Mühle des Langfilms, und das merkt man oft. Die letzten, die dafür etwas können, sind die Autoren und Regisseure. Aber es gibt immer noch genug Entdeckungen – und die wollen wir zeigen.

 

Auf einen Blick

Zur Eröffnung am Montag im Cinestar kommt der legendäre Kameramann Michael Ballhaus („Goodfellas“, „The Departed“). Zu sehen ist der Film „Robin Hood“. Es gibt noch Karten. Während der Festivalwoche (21.-27. Januar) öffnet die Garage wieder als „Lolas Bistro“ mit Mitternachtsgesprächen. Die Preisverleihung mit Filmparty findet am Samstag, 26. Januar, im E-Werk statt. red

Programm und Termine: www.max-ophuels-preis.de
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