A1 Saarbrücken Richtung Trier Zwischen AS Eppelborn und AS Tholey Gefahr durch defekten LKW, Baustelle (11:44)

A1

Priorität: Sehr dringend

12°C
Saarbrücken
weather-Saarbrücken
12°C
Saarbrücken
weather-Saarbrücken

Die Radiostimme des Saarlandes - Manfred Sexauer starb im Alter von 83 Jahren

Manfred Sexauer.

Manfred Sexauer.

Es muss so in den 70ern gewesen sein, als Kind im Norwegen-Urlaub. Da löste die Antwort „aus Saarbrücken “, auf die Frage, woher man denn komme, dieses unvergessliche Funkeln in den Augen des Gastgebers aus, und es kam wie aus der Pistole geschossen: „Europawelle Saar, Axel Buchholz, Manfred Sexauer“. Diese Namen waren offenbar selbst im tiefsten Sognefjord ein Begriff.

Es waren damals nicht nur die Überreichweiten des Mittelwellesenders, der SR hatte tatsächlich eine heute kaum noch erahnbare Bedeutung, europaweit. Und es waren vor allem zwei Radiomacher, denen dies zu danken war: Axel Buchholz mit seinen profunden politischen Einschätzungen. Und eben Manfred Sexauer, weil er den Mut hatte, die Musik aus England und USA zu spielen, die junge Leute hören wollten, und weil er diesen „Hippie-Lärm“ mit dieser einzigartigen Stimme ankündigte. Tief, sonor, und – ja klar – sexy. Ein Adjektiv, das fast zwangsläufig zu seinem Spitznamen wurde. Als ihn der TV-Regisseur Truck Branss – noch so eine SR-Legende – mal in Miami vom Flughafen abholte, hatte Branss eigens, um Sexauer angemessen begrüßen zu können, das Nummernschild „Sexy“ an sein Auto schrauben lassen. Das war noch Show.
Wer Manfred Sexauer nicht persönlich kannte, hatte das Ohr am Empfänger wohl eine Art Errol Flynn des Radios vor Augen, einen Verführer mit Gardemaß. Das war Sexauer nun definitiv nicht, auch wenn er später im Fernsehen mit Podesten und Plateauschuhen gerne ein paar Zentimeter hinzumogelte. Dafür aber war er in seinem Metier ein wirklich Großer.

Sexauer war schon der Mr. Radio als Hörfunkmoderatoren noch wirklich Stimme haben mussten. Da half ihm sicher das Erlernte. Eigentlich wollte der am 2. August 1930 in Baden-Baden Geborene Schauspieler werden. Doch das blieb eine Kurzkarriere. Sexauer ahnte wohl, dass er auf den Theaterbrettern nie zu den ganz Großen zählen würde. Die Show jedoch, das Präsentieren, auch seiner selbst, war ganz seine Welt. Als sich da die Chance bot, zum Saarländischen Rundfunk zu gehen, griff er zu – ließ sich aber seine Lässigkeit, seine Unabhängigkeit im Denken nicht verbieten. Er spürte in den 60ern, dass die Jugend was anderes hören wollte als Peter Alexander und Heimatlieder, das, was sonst so im öffentlich-rechtlichen Radio lief. Graue Herren in hellgrauen Anzügen mit dunkelgrauen Krawatten befanden damals in deutschen Sendeanstalten darüber, was die Hörer zu hören hatten. Die bei jungen Leuten gefragten Sender strahlten von auswärts – etwa aus Luxemburg. Oder man musste AFN einstellen, um Beat, Blues, und Rock’n’Roll zu hören. Mit „Hallo Twen“ brachte Sexauer 1965 dieses Große-Welt-Aroma ausgerechnet vom kleinen SR in die große ARD-Familie ein. Er spielte englischsprachige Titel, plauderte locker wie ein Discjockey und trug dazu Schlaghosen und bunte Hemden. Eine kleine Revolution, bei der es aber nicht nur um Musik ging. Ein ARD-Sender nahm plötzlich auch Menschen unter 25 ernst. Inden Beats klang schon an, was mit den 68ern dann richtig politisch wurde.

Das ging nicht ohne Anfeindungen ab. Gerne erzählte der stets zu Anekdoten aufgelegte Sexauer, wie bitterböse Beschwerdebriefe beim damaligen SR-Intendanten Franz Mai eingingen, die eine „Verrohung der Jugend“ beklagten. Prompt wollte der Halberg-Gewaltige wissen, ob es denn auch positive Reaktionen gäbe. „Dann haben wir ihm einen Waschkorb voller Fanpost geschickt“, freute sich Sexauer – auch über 45 Jahre später noch.
Als Radio-Mann war Sexauer dann für Jahrzehnte eine sichere Bank für den SR. Er kreierte Sendungen wie „Disco Top Ten“ (ab 1975) und „Show Mix“ (ab 1992), die Dauerläufer wurden. Und da bewies Sexauer auch sein großes Herz: Gut vier Millionen Euro an Spenden sammelte er via Radio für die SOS-Kinderdörfer ein.

Klar, dass auch das Fernsehen das Jugendidol Manfred Sexauer irgendwann entdeckte: Bei Radio Bremen stieg er in die von Uschi Gehrke moderierte Kultsendung „Beat-Club“ ein, die wie eine psychedelische Bombe ins biedere deutsche Fernsehen einschlug. Vor der Erstsendung 1965 musste der Tagesschau-Sprecher noch die älteren Zuschauer warnen, vor dem, was da komme. Auf den „Beat-Club“ folgte 1972 der „Musikladen“. Bunter und poppiger, aber immer noch mit vielen Stars. Selbst Abba trat dort auf. 1985 war damit Schluss, Musikfernsehen sah jetzt anders aus, man sendete Videoclips ensuite. Da passte Sexauer nicht mehr rein.

Eigentlich hätte er zu diesem Zeitpunkt, nach gut 90 Ausgaben des „Musikladen“ auch längst ein hoch bezahlter Fernsehgigant sein müssen. „Aber ich hatte immer das Pech, dass ich für die beiden ärmsten Sender der Republik, für den SR und Radio Bremen , gearbeitet habe“, klagte er mal. Für ein annehmliches Leben hat es dennoch gereicht, mit Ferienhaus an der Costa Brava, wo er gern mit seiner Frau Urlaub machte, und einem Haus hier mit einem Keller voller Schallplatten.

Sexauer, der unendlich viele Stars persönlich kannte, blieb immer ein warmherziger Mensch, offen auch für den Jedermann, der ihn auf der Straße ansprach. Und auch in der Lebensphase, die andere als Ruhestand nennen, machte er weiter Radio. Davon war er besessen, da war ihm kein Sender zu klein, sogar aufs Internetradio ließ er sich zuletzt noch ein, einfach, weil er Radio machen wollte. Gestern ist Manfred Sexauer gestorben, wenige Tage vor seinem 84. Geburtstag. Die Radio-Stimme des Saarlandes ist verstummt.
 
Hintergrund
SR-Intendant Thomas Kleist würdigte Manfred Sexauer gestern „als eine der prägenden Stimmen der Europawelle Saar“. Er habe „beim jungen Publikum durch seine Kultsendungen viel zum europaweiten Erfolg“ des SR-Programms beigetragen. Bundesjustizminister Heiko Maas ( SPD ) äußerte sich über den Kurznachrichtendienst Twitter zu Sexauer: „Das Saarland verliert ein Aushängeschild.“ red
 
Hat dir dieser Artikel gefallen?
Ja Nein