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Die Riesen-Sauwasen-Sause: 15.000 rockten den Herchenbach

Kein Regentropfen fiel am Donnerstag zum Start des 16. Rocco del Schlacko vom Himmel, stattdessen wurde es noch mal richtig heiß. Dementsprechend vermeldete das mit 65 Helfern angerückte Deutsche Rote Kreuz an Behandlungsfällen auch vor allem Insektenstiche – sogenannte Alkoholleichen habe es vergleichsweise wenige gegeben. 15.?000 Besucher strömten zum Festivalgelände Herchenbach, das unter dem Namen „Sauwasen“ überregionale Berühmtheit erlangt hat.

Die argentinische Formation Karamelo Santo eröffnete das Programm mit einem dynamischen Mix aus Reggae und Rock – leider noch vor einer überschaubaren Menge an Zuhörern. Bei den Rheinländern von Callejon waren schon mehr Publikum zugegen, das den deutschsprachigen Metal freudig aufnahm. Die Spaßmusiker von SDP aus Berlin sorgten dann für den ersten Höhepunkt. Ihre Mischung aus HipHop, Rock und Satire mobilisierte die Mehrheit des Publikums zum Mitmachen. Gut verständliche Texte und eingängige Refrains erzeugten einen hohen Mitgrölfaktor; die ausformulierten Übergangsmoderationen zwischen zwei Stücken waren aber schauspieltechnisch noch ausbaufähig. Trotzdem: Spätestens jetzt war das Rocco del Schlacko so richtig ins Laufen gekommen, sah man das Meer aus Händen, das den Künstlern auf der Bühne entgegen winkte.
Die folgende Band Ska-P überzeugte vor allem musikalisch – die Sprachbarriere ermöglichte nur wenig Kommunikation zwischen den spanischen Punks und dem Publikum. Wobei die Parolen „Viva la revolución“ und „Hasta la victoria“ auch hierzulande bekannt sein dürften. Sie zeugten von der politischen Ausrichtung der Band, ebenso wie ein Polizist im Affenkostüm oder ein Priester, der sich im Beichtstuhl in den Teufel verwandelte. Der umstrittene Song Intifada, der sich textlich im derzeit viel diskutierten Schnittfeld zwischen Israelkritik und Antisemitismus bewegt, wurde vom Publikum kaum anders als der Rest aufgenommen (nur einer schwenkte dazu die palästinensische Flagge) – vermutlich war nur den wenigsten bewusst, dass hier die israelische Palästinenser-Politik mit dem Holocaust verglichen wurde. Es kam ohnehin mehr auf die Schweiß treibenden Beats und messerscharfen Bläsersätze von Ska-P an als auf deren Aussagen. Als dann kurz nach 21 Uhr der Rapper Casper die Bühne betrat, hatte sich der Sauwasen noch einmal merklich gefüllt. Der 32-jährige hatte das Publikum sofort im Griff und hätte die Forderung gar nicht nötig gehabt, dass „das verdammte gesamte Gelände durchdrehen“ solle – das passierte von ganz alleine. Wie ein Derwisch raste der Rapper in gebückter Haltung von einer Seite auf die andere Seite, so dass man sich fragte, wie man bei solcherart Sport überhaupt noch singen und rappen kann (Casper wechselt die Stile ja gerne). Zeugte der eine Song noch mit lauten Gitarren von seinen Wurzeln als Heavy Metal-Sänger, kam der nächste schon im fast komplett synthetischen HipHop-Gewand daher. Zwischendurch hielt Casper das Publikum bei Laune, indem er ihm immer wieder neue Aufgaben stellte: So sollte zum Beispiel die eine Zuschauerhälfte lauter schreien als die andere. Das Ergebnis des Wettbewerbs: unentschieden. Dies zu verkünden, als habe gerade der erste Mensch den Mars betreten, wirkte jedoch ein wenig albern. Nach fulminantem Beginn fuhr Casper das Tempo etwas herunter und brachte mehr balladeske Nummern bis zum nachdenklichen Titelsong des Nummer Eins-Albums „Hinterland“. Dazu gab’s romantische Feuerwerksraketen. Relativ früh verließ die Band die Bühne. Der ausgiebige Zugaben-Block startete mit dem Rap-Metal-Stück „Rock ’n‘ Roll“, einem älteren Song, den Casper einst mit Rap-Kollegen Marteria aufgenommen hatte. Mit dem frenetischen „Hallelujah“ entließ er die Zuschauer in Richtung Zeltplatz. Das musikalische Programm ging jedoch weiter – auf der vielleicht kleinsten Festivalbühne Deutschlands: Auf dem Ponyhof versammelten sich jene, die noch nicht genug hatten, um Songwriter Dave Hause zu lauschen. Später beschlossen DJs den ersten, äußerst gelungenen „Rocco del Schlacko“-Tag, an dem auch die Polizei erfreulich wenig zu tun hatte.

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