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„Die Schau polarisiert“

„Der Basketballspieler“ soll die formgebende Muskulatur unseres Körpers veranschaulichen. Fotos: Becker&Bredel

„Der Basketballspieler“ soll die formgebende Muskulatur unseres Körpers veranschaulichen. Fotos: Becker&Bredel

Umstritten, das wurde gestern bei der Pressevorführung bereits deutlich, wird die „Körperwelten“-Ausstellung auch in Saarbrücken sein. Dazu bedurfte es gar nicht der Vorab-Kommentare mancher Journalisten, die von „seltsamen Figuren“ oder „fragwürdiger Zurschaustellung“ sprachen. Kuratorin Angelina Whalley, Ehefrau des an Parkinson erkrankten Gunther von Hagens , räumte es selbst ein: „Die Schau polarisiert.“ Auch deshalb, weil sie sich „zwischen Kunst und Wissenschaft, zwischen Aufklärung und Eventkultur“ bewege, so Whalley. Seit 20 Jahren würden die „Körperwelten“-Ausstellungen nun in vielen Ländern der Welt gezeigt, insgesamt 41 Millionen Besucher habe man gezählt. „Und warum kamen so viele? Aus Sensationslust?“, fragt Whalley – um gleich selbst die Antwort zu liefern: Nein, die Besucher machten meist „eine tief berührende Erfahrung mit sich selbst“. Der Philosophie-Professor Franz Josef Wetz aus Schwäbisch-Gmünd, der auf Einladung Whalleys für die Ausstellung Partei ergreift, präzisiert: „Die Schau kann die Reflexion über das eigene Leben anstoßen.“ Wer durch die Ausstellung geht, wird feststellen: Sie drängt geradezu auf diese Reflexion des Betrachters.

Denn die wenigen Ganzkörper-Exponate werden umringt von einer Vielzahl knallgelber Schautafeln, die in Bild und Text die Entwicklung des menschlichen Körpers, seine biologischen Abläufe und vor allem seine Fragilität und Vergänglichkeit erläutern. Das wirkt bisweilen, als wollten die Ausstellungsmacher auf Nummer sicher gehen, dass die Schau keinesfalls als Effekthascherei missverstanden wird, sondern vielmehr als Ermahnung zu einem pfleglichen Umgang mit dem eigenen Körper. Aus diesem Ansatz mögen sich auch die Sinnsprüche ableiten, die auf zusätzlichen Schautafeln dem Betrachter beispielsweise dies mit auf den Weg geben: „Zu wissen, wie man altert, ist das Meisterwerk der Weisheit (…).“ Die Saarbrücker „Körperwelten“-Ausstellung ist mit „Zyklus des Lebens“ überschrieben und will den Prozess des Alterns in den Mittelpunkt rücken.


Ob die ausgestellten Plastinate (mit Azeton und Silikon haltbar gemachte Körper oder Körperteile ohne Haut und Bindegewebe) skandalös sind, wird jeder Betrachter für sich selbst entscheiden müssen. Auf den Laien werden sie mitunter verstörend wirken. Etwa wenn Föten in der 15. Schwangerschaftswoche oder ein der Länge nach zerteilter „Skiflieger“ gezeigt werden. Menschenverachtend sind die Plastinate sicher nicht, im Gegenteil: Sie würdigen ja gerade den menschlichen Körper. Ob diese Würdigung auch (Menschen-)Würde hat, darüber lässt sich allerdings streiten. Die Ausstellungsmacher betonen, die Posen der Plastinate als Schach- oder Basketballspieler sollen sie anschaulicher und lebensechter erscheinen lassen. Das ist grundsätzlich nachvollziehbar. Dass eine kniende Frau geradezu theatralisch zwei Hühner auf den Händen gen Himmel reckt, lässt allerdings Zweifel an der Ernsthaftigkeit dieser Absicht aufkommen. Was zählt, ist am Ende wohl einmal mehr: das Publikum.

Bis 13. September, Mo. - Fr. 9 bis 19 Uhr, Sa. u. So. 10 bis 19 Uhr. Eintrittsticket: 13 Euro.
 

 

Zum Thema:

Eine Podiumsdiskussion mit dem Titel „Körperwelten – darf man das?“ veranstalten die Kirchenkreise Saar-Ost und Saar-West am 14. Juli, 19 Uhr, in der Saarbrücker Congresshalle. Es diskutieren Frank Lammert vom Uniklinikum des Saarlandes, der evangelische Theologe Wilhelm Schwendemann, Hartmut Wagner von der Hochschule der Bildenden Künste Saar und Philosoph Josef Wetz. jos
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