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Die Überlebenskünstler: Video Star in der Saarbrücker Hohenzollernstraße ist die letzte Videothek in Saarbrücken

Schon auf der Straße vor dem Video Star hört man, wie jemand so tief einatmet, als wolle er sich nicht einen Kubikzentimeter Sauerstoff entgehen lassen. Und nach ein paar Schritten hinein wird klar, wer es ist: Martin McCann, der „Survivalist“. Er schläft, obwohl er neben Mia Goth im Bett liegt. „Von dem Film habe ich auch etwas anderes erwartet“, sagt Tom Stutz, während er sich zum großen Monitor in seinem Rücken dreht und leiser stellt, „ich glaube, ich nehme ihn aus der Action-Ecke wieder raus.“

 

Der Abspann von „Survivalist“ setzt ein, und Tom Stutz kommt auf den Laden zu sprechen, in dem er seit 20 Jahren seiner Arbeit nachgeht. Der Video Star in der Hohenzollernstraße ist die letzte Videothek in Saarbrücken . Sie ist ein echtes Urgestein, seit 30 Jahren gibt es sie schon. Sie war die erste Filiale von vier oder fünf der einstigen Saarbrücker Kette – Tom Stutz weiß es jetzt nicht ganz so genau. Hauptstandort war im Eschberger Weg. Aber der Laden dort hat es halt nicht geschafft. Alle zwei Jahre musste eine Filiale schließen. „Superstar“, die Konkurrenz , verschwand komplett aus der Stadt. Vor etwa zehn Jahren war das, sagt Stutz, als das Internet mit den vielen Streaming-Seiten schon ordentlich seine Finger im Spiel hatte. Die fetten Jahre Mitte der Achtziger, in denen sich Videotheken noch horrende Gebühren und dicke Strafen von späten Kunden einzukassieren erlaubten, haben sich in magere verwandelt.

 

An Strafen darf Video Star gar nicht mehr denken, um nicht seine Leute zu vergraulen. Die Konkurrenz von der digitalen Datenautobahn lässt den Spielraum in der Preisgestaltung entscheidend schrumpfen. Sich einen Film auf den eigenen Rechner senden zu lassen, ist halt billig und verführerisch bequem, was der Ausleihgebühr eine Grenze setzt, sagt Stutz, der sich genauso wie Geschäftsführerin Birgit Preis blendend in allen betrieblichen Angelegenheiten auskennt. Videos gibt es keine mehr, eine DVD oder Blu-Ray kostet 1,60 Euro, wenn sie denn am selben Tag noch zurückkommt. Um 22 Uhr schließt Stutz ab, auch samstags, und das seit 20 Jahren wohlgemerkt, eine Zeit, in der sich Alt-Saarbrücken verändert hat. Gegen neun Uhr am Abend ist kaum noch jemand auf der Straße, und Stutz hat dann schon ein komisches Gefühl, wenn es dem Feierabend entgegengeht, wie er sagt – bei der Stimmung da draußen, die keine mehr ist. Dass ausgerechnet seine Filiale in diesem Quartier überlebt hat . . . Immerhin liegen hier die Kosten mitsamt der Miete nicht so hoch wie im Nauwieser Viertel etwa. Und die Cineasten von dort haben den Weg in die Hohenzollernstraße inzwischen auch schon gefunden. Es kommen Kunden aus ganz Saarbrücken und aus Frankreich, wobei das auch wieder so ein Thema ist. Denn seit die Stadt die Eisenbahnstraße saniert hat, ist es nicht mehr so einfach, kurz mit dem Auto vor der Tür zu parken und schnell irgendwo reinzuspringen. Darunter leidet nicht nur die Videothek. „Das kann dazu führen, dass das Viertel noch weiter kaputtgeht.“

 

Dass das mit dem Video Star selbst eines Tages passiert, will er nicht hoffen. Noch rechnet es sich, die Auswahl mit 3000 Filmen und die Erotikabteilung ziehen; Stutz verspricht hier qualitativ hochwertiges Material von den wenigen Firmen, die das noch anbieten, und keine Amateurfilme wie im Netz. Er kann auch Tipps geben, auch wenn er sich eher bei den Spielfilmen auskennt. Aber er kennt seine Pappenheimer und weiß, was sie wollen.

 

Von den Kunden der Zukunft weiß er es offenbar auch. Dann mag es nur noch Special-Interest-Videotheken geben, vermutet er, die das Schicksal der Plattenläden teilen. In Saarbrücken sieht er keinen Markt dafür, auch wenn Video Star ein Regal mit „besonderen Filmen“ führt, also solchen außerhalb des Mainstreams. Aber die etwas müde Ausleihe spricht Bände. Dabei sollen da gute Filme warten. Stutz hat drei Tipps auf Lager: „Following“, „Take Shelter“ und „So finster die Nacht“. Er holt Luft – aber nein, er lässt sie doch unkommentiert.
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