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Die große bunte Leidenschaft

Es gibt Menschen, die verstehen weder das eine noch das andere: einmal die Freude am Sammeln schlechthin, am Aufspüren, Finden, Kaufen und Einsortieren; und schließlich die Freude am Comic, für (allzu) viele nur eine triviale Kinderei. Für diese, sagen wir es offen, doppelten Ignoranten haben Alex Jakubowski (Text) und Sandra Mann (Fotos) ihr Buch nicht gemacht – es ist für Kenner und Liebhaber, für Menschen, die gerne bunte Bildgeschichten lesen, sammeln und gerne wissen wollen, wie andere Sammler zu ihrem Hobby gekommen sind und was die ihr Eigen nennen. Das großformatige (und schwere) Buch „Die Kunst des Comicsammelns“ porträtiert 15 Sammler; wobei es für die Szene wohl repräsentativ ist, dass nur eine einzige Frau dabei ist.

Im Buch trifft man sympathische Menschen mit einem gewissen Spleen: den Unternehmer Heinz Richard Fürst von Sayn-Wittgenstein etwa, dem es der legendäre Carl Barks angetan hat, der prägendste Zeichner von Donald und Dagobert Duck . Dagoberts Vorliebe für Gold spiegelt sich auch beim sammelnden Fürsten wider – bis hin zu den Duschköpfen. Oder man lernt Szenegröße Peter Orban kennen, von Haus aus Psychologe, gleichzeitig aber auch Comicsammler, -kenner, -händler und -journalist, der in den 70er Jahren in Deutschland den ersten Comic-Preiskatalog erstellte. Denn das sind die bunten Hefte und Bände eben auch: eine Geldanlage, sofern man sich von seinen Schätzen trennen kann – oder muss; ein Sammler im Buch etwa hat seine Scheidung mit dem Verkauf seiner Sammlung finanziert. Profis findet man im Band, etwa den Händler Günther Polland mit Läden in Wien und Alexander Bubenheimer, Vetriebsleiter des Panini Verlags. 30 000 Hefte hortet er und kann vor allem von „Hägar dem Schrecklichen“ nicht genug bekommen. Carola Leonhard, die einzige Frau im Band, liebt japanische Mangas und steht damit zumindest hier alleine da.

Die Porträts der Sammler sind locker geschrieben und mit spürbarer Anteilnahme für die Akteure, deren Leidenschaft vom Rest der Welt nicht immer verstanden wird. Um das nahezu endlose Anstehen bei Signierstunden geht es da, um explodierende Preise, um selige Kindheitserinnerungen an „Prinz Eisenherz“, „Tim und Struppi“ oder „Akim“ und um die Suche nach dem letzten Mosaik in der Sammlung. Der zentrale Text des Bands ist ein Interview mit Szene-Veteran Heiner Jahncke, bei Comicmessen stets mit Plastiktüten unterm Arm zu sehen und mit filigranen Suchlisten. Sein Spezialgebiet (unter anderem): Comics auf Lebensmittelverpackungen – ja, auch das gibt es.

Sandra Manns Fotografien, die im Format zwischen Doppelseite und kleinem Bild variieren, sind ein Vergnügen, auch wenn manchmal eine erläuternde Unterschrift nicht geschadet hätte. Zu sehen sind glücklich entrückte Gesichter von Sammlern angesichts ihrer Schätze, Nahaufnahmen einzelner Zeichnungen, stabile, etwas prosaische Aufbewahrungskartons, Widmungen, historisches Spielzeug (etwa zu „Fix und Foxi“) und etwas, das wie ein Blatt Papier mit blau eingefärbter Blindenschrift aussieht: Es ist eine spezielle Liste von Sammlerkönig Jahnke, deren Systematik wohl nur er versteht.

Alex Jakubowski, Sandra Mann: Die Kunst des Comicsammelns. Edition Lammerhuber,

280 Seiten, 49,90 Euro.
   
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