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Die letzten Radballer des Saarlandes

In den Partien steht Radball-Spieler Benjamin Klein (20) oft im Tor. Keine ganz ungefährliche Position: Wem ein Ball mit Geschwindigkeiten um die 60 Stundenkilometer an den Kopf donnert, der sieht schon mal Sternchen.

In den Partien steht Radball-Spieler Benjamin Klein (20) oft im Tor. Keine ganz ungefährliche Position: Wem ein Ball mit Geschwindigkeiten um die 60 Stundenkilometer an den Kopf donnert, der sieht schon mal Sternchen.

Denn der Radsportverein in dem Saarbrücker Stadtteil ist der letzte hier zu Lande, in dem Radballer aktiv ihren Sport betreiben. Mit zwei Teams starten die Altenkesseler in der Oberliga, mit ebenso vielen in der Verbandsliga. Ihre Gegner kommen aus Rheinhessen oder Speyer. An den Spieltagen fahren die Teams oft über hundert Kilometer in die gegnerischen Hallen. Und dort wird dann geballert.

So auch an dem Samstagabend. Altenkessel hat Heimrecht, will mit den Verbandsliga-Teams Punkte sammeln. Mit dabei: Benjamin Klein(20). Der Mathe- und Physikstudent spurtet schon, seitdem er neun Jahre alt ist, auf dem Rad dem Ball hinterher. Der Humeser: „Meine Kumpels haben Fußball gespielt. Aber ich konnte das wegen verschiedener Allergien nicht. In unserem Ort konnte man damals aber Radball spielen. Ich habe es versucht, und es hat Spaß gemacht.“ Nach elf Jahren im Sport beherrscht er auf seinem Spezialrad zahlreiche Kabinettstückchen: Wie ein Brummkreisel dreht sich Klein auf dem Gefährt um die eigene Achse, den Ball mit dem Vorderrad immer mit sich führend. Die richtige Technik ist das A und O. Vereinssprecher Pascal Kohler (35): „Man muss zuerst lange die Radbeherrschung trainieren, bis man in den Spielbetrieb einsteigen kann.“ Ein Grund, warum viele Anfänger schnell die Lust an dem Sport verlieren. Kohler: „Der kurzfristige Erfolg bleibt aus. Das ist dann für viele zu langweilig.“

Benjamin Klein biss sich durch und kämpft nun gemeinsam mit seinem Mannschaftskollegen um Tore. Der Student steht an dem Abend meist im Tor, wippelt auf seinem Rad hin und her. Balance halten. Die Gegenspieler arbeiten sich unterdessen mit dem Ball vor, schicken das bis zu 600Gramm schwere Spielgerät geduldig von einer Spielfeldseite auf die andere. Dann geht es schnell: Schuss, Knall, Tor. Da hatte Torspieler Klein keine Chance. Bis zu 65 Stundenkilometer schnell kann so ein geschossener Ball werden. Clubsprecher Kohler: „Ein Kopfschuss im Tor lässt einen schon wanken.“

Dazu kommt es in dieser Partie nicht. Das Altenkesseler Duo unterliegt dennoch deutlich. Aber Radballer Klein lässt sich von so einer Niederlage bestimmt nicht unterkriegen. Seine Devise: „Underdog-Sportarten müssen ja auch überleben.“ Caroline Biehl

Radball wird meist in Teams zwei gegen zwei gespielt. Die Spielzeit ist zwei Mal fünf Minuten. Ziel ist es, den Ball möglichst oft ins gegnerische Tor zu bugsieren. Geschossen wird mit dem Rad, aber nur, wenn die Füße auf den Pedalen und die Hände an den Lenkern sitzen. Nur der Spieler, der im Tor steht, darf Schüsse mit den Händen abwehren. Berührt ein Spieler den Boden, muss er zuerst eine Linie auf Höhe des eigenen Tores überfahren, bevor er wieder ins Geschehen eingreifen darf. Die bis zu 2000 Euro teuren Räder sind Spezialanfertigungen: Sie fahren vorwärts und rückwärts, und der Lenker lässt sich um die eigene Achse drehen.

www.rvwaltenkessel.de
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