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Die männliche Helene Fischer kommt aus Nonnweiler

Zwischen den Sonnenblumen eines Feldes posiert Michael Schirra, während er seinen Song schmettert. Repro: hgn

Zwischen den Sonnenblumen eines Feldes posiert Michael Schirra, während er seinen Song schmettert. Repro: hgn

„Ich liebe nur Dich und will trotzdem saufen gehen.“ Diese Liedzeile hat was von Malle-Urlaub, auch wenn er nicht aus der Feder des Inselkönigs Jürgen Drews stammt. Ein Sozialpädagoge schmettert den Song „Prima Martina“. Das dazugehörige knapp dreiminütige Musikvideo karikiert den Heile-Welt-Schlagerhimmel vollends. Nur der eingängig simple Sound entspricht unverkennbar dem Klischee: eine Melodie mit taktleichtem Handklatsch-Rhythmus. Was Michael Schirra da unter lasziven Bewegungen in die Kamera trällert, soll ein Sommerpartyhit werden. Im September produziert und jetzt via Internetplattform veröffentlicht.

Der 35-Jährige beweist mit diesem Film und Song jede Menge Selbstironie. Nimmt sich mit dem von ihm selbst als „Superschlagerpartypunk“ bezeichneten Titel geschickt auf die Schippe, während er auf einer Sonnenblumenplantage bedächtig umherschreitet und mit den Blüten verliebt herumspielt. Er, der eigentliche Punkrocker, gestenreich die Schlagerwelt verballhornt. Der gebürtige Rathener (Stadt Wadern) seine Liebe zu einer Martina im Song bekräftigt, aber ein Saufgelage mit seinen Kumpels am Abend vorzieht.

Der Mitarbeiter des Nonnweiler Jugendbüros erklärt im SZ-Gespräch unmissverständlich: „Ich bin die männliche Helene Fischer .“


Wenn er sich nicht gerade als Schoolworker um Kinder in Schulen kümmert oder als Familiennetzwerker hilft. Und dabei ist Schirra eigentlich einem ganz anderen musikalischen, eher härteren Genre zugetan. „Ich spiele in einer Irish-Folk-Punkband.“ Ihr Name: The Feelgood McLouds. Gleichzeitig ist er Mitorganisator des Festivals Primsrock in Primstal. Auch diese Veranstaltung rühmt sich nicht gerade damit, seichte Schlagertöne zum Besten zu geben. Ebenso sein Kompagnon, der mit ihm sowohl den Prima-Martina-Song als auch den Videoclip dazu produzierte: Tobias Scheid aus Hasborn. „Der steht eher auf Hip-Hop und Techno“, beschreibt der junge Familienvater Schirra dessen Geschmack. Was ein wenig stutzen lässt: Auf seiner persönlichen Facebook-Seite taucht Helene Fischer unter den Favoriten auf. Scheid – Künstlername: Beatch – ist maßgeblich am Volcano-Festival in Theley beteiligt. Wer ihn nicht von seiner musikalischen Laufbahn her kennt: Scheid ist auch Stadionsprecher beim SV Hasborn.

Wie kamen die beiden auf diese verrückte Idee? Schirra schildert wie ein kleiner Schuljunge: „Wir haben bei Tobias im Kinderzimmer gehockt. Und dann haben wir das aus einer Laune heraus gemacht.“ Der Dreh sei an einem Nachmittag über die Bühne gegangen. Nicht aber auf Wiesen und Feldern im St. Wendeler Land, sondern im Waderner Stadtteil Löstertal auf der Höh. Dort hüpfte Schirra durch grüne Landschaften und posierte auf einem riesigen Misthaufen. Warum ausgerechnet im Landkreis Merzig-Wadern? Schirra, der in Noswendel lebt, feixt: „Bei uns sind die Misthaufen einfach größer.“

Eigentlich sollte „Prima Martina“ schon zur Fastnacht erscheinen. Aber das habe organisatorisch nicht hingehauen. Dann ging die Co-Produktion in der Nacht auf Donnerstag online. Ohne sie zu bewerben, sprach sich's rund. Binnen weniger Stunden klickten weit über 1500 Internetnutzer den Kurzstreifen an. Zu haben ist die Single über den Verkaufsdienst Amazon .

Ein wenig versöhnlich zeigt sich Michael Schirra dann doch noch in seiner Schlager-Parodie. Darin lässt er die imaginäre, wutschnaubende Martina wissen: „Mach Dir keine Sorgen, wir sehen uns morgen.“ Denn Schirra „ist doch ein Lieber“.

bit.ly/1ae8n3J
 
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