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Die miese Masche der Einbrecher

Ferienzeit ist oft auch Einbruchszeit: Ganoven suchen gezielt nach Häusern und Wohnungen, die in der Urlaubszeit unbewohnt sind. Die Polizei in Rheinland-Pfalz warnt jetzt vor einem besonderen Kniff, mit dem Kriminelle vor einem Einbruch überprüfen, ob eine Wohnung länger nicht aufgesucht wird. „Die Masche ist seit etwa einem Jahr bekannt“, erklärt Polizeisprecherin Heidi Nägel. Die Methode ist einfach: Die Einbrecher biegen einen maximal vier Zentimeter langen durchsichtigen Kunststoffstreifen in U-Form und klemmen ihn zwischen Haustür und Rahmen oder fixieren ihn an Garagentoren und Gartentüren. Sind die Plastikstücke noch Tage später unverändert da, haben die Einbrecher freie Bahn. „In der Ferienzeit werden die Plastikstreifen besonders häufig als Ausspähungsmittel eingesetzt“, warnt Nägel. Immer wieder stoßen ihre Kollegen an Einbruchs-Tatorten auf die Kunststoff-Stücke. Allein in den vergangenen zehn Tagen wurden in Mainz und Rheinhessen an fünf Tatorten solche Markierungen entdeckt, wie das Polizeipräsidium Mainz mitteilt.

Im Saarland ist die Methode mit den Plastikstückchen aktuell noch nicht aufgetaucht, wie Carsten Molitor, Leiter der Ermittlungsgruppe Wohnungseinbrüche (EGW) auf Nachfrage gestern der Saarbrücker Zeitung mitteilt. Aber es gibt ähnliche Vorgehensweisen, „etwa mit Streichholzstückchen, die zwischen Tür und Rahmen geklemmt werden“. Oder andere kleine Teile, die man oft nicht einmal bemerkt oder sie nicht als Mittel zum Ausspähen erkennt. Molitor nennt ein Beispiel: „Zuletzt hatten wir Fälle, bei denen Flyer, etwa von Pizzadiensten, die auf der Fußmatte lagen, nicht weggeräumt wurden“, was den Einbrechern wohl verraten hätte, dass niemand zuhause war. Auch beliebt: „Blumentöpfe oder Deko-Artikel aus dem Garten werden auf die Fußmatte gestellt oder gelegt. Und dann wird beobachtet, ob die Dinge wieder an ihren Platz geräumt werden oder nicht“, berichtet Molitor. Ähnlich können Benachrichtigungen von Paketdiensten ausgenutzt werden. Etwa wenn diese an die Haustüre geklebt werden und dort tagelang hängen, wenn die Bewohner verreist sind. „Deshalb bitten wir Paketdienste, solche Benachrichtigungen in die Briefkästen zu werfen.“ Und die sollten nicht überquellen, denn auch das sei ein Hinweis für Langfinger. „Ein zu voller Briefkasten sendet eine klare Botschaft: Das Haus ist zurzeit nicht bewohnt, die Gelegenheit für einen Einbruch ist günstig“, sagt die Bundesgeschäftsführerin des Weißen Rings, Bianca Biwer. Daher rät EGW-Leiter Molitor: „Wer verreist oder längere Zeit nicht zu Hause ist, sollte dafür Sorge tragen, dass einmal am Tag jemand aus der Nachbarschaft oder Verwandtschaft nach dem Rechten sieht.“ Zwar bringe auch das keine hundertprozentige Gewähr, nicht Opfer eines Einbruchs zu werden. „Aber man kann die Wahrscheinlichkeit doch minimieren.“ Die mit der Betreuung beauftragten Nachbarn sollten auch auf verdächtige Kleinteile an Gartentüren, Garagentoren und Haustüren achten, rät die Polizei .

Wer nun bemerkt, dass sich jemand mit einer der oben beschrieben Maschen Infos beschaffen will, „der soll, ja der muss fast schon, die Polizei informieren. Denn nur so haben wir einen Ermittlungsansatz. Gerade bei Wohnungseinbrüchen gleicht die Ermittlungsarbeit ja einem Puzzlespiel. Nur wenn wir möglichst viele Puzzle-Teile haben, ergibt sich ein Gesamtbild“. Das führt im Idealfall dazu, dass der oder die Täter ergriffen werden können. „Die Aufklärungsquote bei den Wohnungseinbrüchen im Saarland lag 2013 bei 16 Prozent“, erläutert Molitor. Damit lagen die Saar-Polizei 0,3 Prozent über dem Bundesschnitt.

Wie viele Einbrüche in Rheinland-Pfalz mit der beschriebenen Plastikstück-Methode vorbereitet werden, ist unbekannt. Das Polizeipräsidium Ludwigshafen berichtet von „einigen wenigen Fällen“ im vergangenen August. In Trier ist die Masche bislang unbekannt. Anders in Mainz und Rheinhessen: Hier werden Nägel zufolge pro Monat zwei bis drei Fälle gezählt. „Die Dunkelziffer dürfte hoch sein.“

polizei-saarland.de
 

 

Zum Thema:

Auf einen BlickDie Ermittlungsgruppe Wohnungseinbrüche (EGW) mit Sitz in Dillingen wurde im Januar 2013 ins Leben gerufen. Im gleichen Jahr konnte die Aufklärungsquote bei den Einbrüchen von 10,8 Prozent (2012) auf 16 Prozent erhöht werden.Laut Carsten Molitor, Leiter der EGW, ist die Zahl der Wohnungseinbrüche aktuell leicht rückläufig – nachdem in 2014 mit 2475 ein Höchststand erreicht wurde. 2010 wurden demnach im Saarland 1606 Einbrüche registriert, 2011 waren es 1852, 2012 dann 2057 und 2013 insgesamt 2070. tog
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