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„Die schlimmsten Befürchtungen sind wahr geworden“

Der US-Schraubenhersteller Whitesell hat die deutsche Schraubengruppe Ruia Global Fasteners, darunter das Werk in Beckingen, 2013  aus der Insolvenz übernommen. Jetzt bangen die Mitarbeiter um ihre Jobs.

Der US-Schraubenhersteller Whitesell hat die deutsche Schraubengruppe Ruia Global Fasteners, darunter das Werk in Beckingen, 2013 aus der Insolvenz übernommen. Jetzt bangen die Mitarbeiter um ihre Jobs.

  Schreckensbotschaft für die Mitarbeiter der Beckinger Schraubenfabrik und ihrer Kollegen in den deutschen Schwesterwerken Neuss , Neuwied und Schrozberg. Was Betriebsräte, Vertreter der IG Metall und Beschäftigte gestern in Neuss zu hören bekamen, löste „Wut und Unverständnis“ aus, wie es die Gewerkschaft später formulierte. „Die schlimmsten Befürchtungen sind wahr geworden“, sagte Silke Nötzel, Verhandlungsführerin der IG Metall . Gut sechs Monate nachdem der amerikanische Schraubenhersteller Whitesell die frühere Ruia-Gruppe aus der Insolvenz übernommen hat, kündigte der neue Eigentümer einen radikalen Stellenabbau an – Kernstück des Restrukturierungsplans. Mindestens die Hälfte der Belegschaft des Autozulieferers soll demnach ihren Job verlieren. Also mindestens 647 Mitarbeiter, so ein Firmensprecher. Aus Arbeitnehmerkreisen ist noch Schlimmeres zu hören. Bis zu 900 der rund 1300 Arbeitsplätze könnten wegfallen, heißt es. Den Standort Neuss mit knapp 300 Beschäftigten will Whitesell schließen. Nach Angaben der Gewerkschaft ist auch der Standort Schrozberg (Baden-Württemberg) gefährdet. Das hängt nach SZ-Informationen davon ab, ob ein Auftrag von Opel kommt.

Böse Zungen behaupten, Whitesell schließe das Werk Neuss vor allem, um Millionen mit der Verwertung des Grundstückes zu machen. Wie viele Mitarbeiter des Beckinger Werks betroffen sein werden, stehe noch nicht fest, sagte der Firmensprecher. Möglicherweise wird auf der für Freitag geplanten Betriebsversammlung Näheres bekannt gegeben. Aus Mitarbeiterkreisen ist aber zu hören, dass bis zu 200 der 340 Jobs bedroht sind. Whitesell bezeichnet das Vorgehen als unvermeidlich, um die Firma „für Wachstum auszurichten“. Schließlich „wurde das Unternehmen vom Wegfall einiger Kunden getroffen“. Bei der IG Metall sieht man das ganz anders. „Jetzt müssen die Beschäftigten die Konsequenzen des Missmanagements ausbaden“, sagte Nötzel. Gewerkschaft und Betriebsrat werfen der Geschäftsführung seit der Übernahme vor, mit drastischen Preiserhöhungen von teils mehr als 50 Prozent die Kunden zu vergraulen. So seien zum Beispiel VW und Ford deshalb abgesprungen. Whitesell weist alle Schuld von sich. Die Kunden hätten bereits vor Abschluss der Übernahme zu anderen Zulieferern wechseln wollen.

„Das ist ein wirtschaftspolitischer Skandal“, schimpfte Guido Lesch, Zweiter Bevollmächtigter der Gewerkschaft in Völklingen. „In nur sechs Monaten hat Whitesell zerstört, was in Generationen aufgebaut wurde.“ Unter der Regie von Ruia habe das Unternehmen trotz Insolvenz im vergangenen Jahr 220 Millionen Euro Umsatz und zehn Millionen Euro Gewinn erzielt – bei gesicherter Arbeit für 1300 Beschäftigte. Der Konflikt zwischen Arbeitnehmervertretern und Management dürfte sich nun weiter zuspitzen. Die IG Metall will sich das Vorgehen von Whitesell „nicht gefallen lassen“, so Nötzel. Konkrete Aktionen sind aber noch nicht beschlossen. Am Freitag will sich der saarländische Wirtschaftsstaatssekretär Jürgen Barke ( SPD ) mit Whitesell-Deutschland-Chef Bob Wiese treffen. Thema soll die Sicherung des Standorts Beckingen sein.


MEINUNG

In Wildwest-Manier

Von Volker Meyer zu Tittingdorf  

Whitesell bleibt sich treu. So brachial, wie das US-Unternehmen mit Kunden umspringt, geht es auch mit der Belegschaft um. Mindestens die Hälfte der Jobs sollen weg. Ein Werk soll schließen. Die Unternehmensführung agiert in Wildwest- Manier und provoziert damit radikalen Widerstand von Belegschaft, Betriebsrat und Gewerkschaft. Dabei ist Whitesells Restrukturierungsplan nicht in Bausch und Bogen zu verteufeln. Es hatte ja Gründe, dass die Schraubengruppe zwei Insolvenzen erlebt hat. Preiserhöhungen müssen daher gewiss durchgesetzt werden. Auch ist das Unternehmen ohne Stellenabbau und womöglich ohne Schließung eines Werks nicht flottzumachen. Doch ganz gewiss ist es ein großer Fehler, Sanierung rücksichts- und kompromisslos anzugehen. Erfolg kann Whitesell nur haben, wenn die Mitarbeiter die Sanierung mittragen.
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