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Die verrückteste Taxi-Schicht an Heiligabend

Saarbrücken. Küsschen für die Frau, Küsschen für die Kinder. So beginnt der Heilige Abend für Karlheinz Steuer - morgens um sieben. Karlheinz Steuer ist 59 Jahre alt, einen Großteil seines Lebens hat er im Taxi verbracht. Auch den Heiligen Abend - immer wieder. Seit 39 Jahren ist Karlheinz Steuer Taxifahrer, an Silvester 1971 fuhr er seine erste Schicht. Nächstes Jahr an Silvester will er sein 40-Jähriges feiern.

Der verrückteste Tag im Leben des Taxifahrers ist allerdings der Heilige Abend. Der, erzählt "de Taxler", wie sich Karlheinz Steuer nennt, läuft zum Beispiel so:

Nach den Küsschen ruft ihm seine Frau noch nach: "Schatz, denk dran: Fahr beim Bäcker vorbei, das bestellte Brot abholen. Und denk dran: Wir essen um sieben Uhr." Und dann noch die Ermahnung: "Sei wenigstens dieses Jahr pünktlich." "Ja, mach ich doch, ehrlich", sagt "de Taxler" und denkt sich: "Oh, Du Fröhliche!"

Dann sucht er erstmal sein Taxi. Das ist zugeschneit. Also erstmal freischaufeln. Dann endlich rein ins Taxi, Motor an - und: Der Tank ist leer. Da wollte der Kollege schnell nach Hause nach der Schicht. Also erstmal tanken. "Ich liebe meinen Ablöser", seufzt "de Taxler". "Frisch getankt, gut gelaunt, ab an die Halte, Kollegen begrüßen", heißt es jetzt für Karlheinz Steuer. Kurz darauf geht es los: "Zentrale begrüßen, Fahrt annehmen."

Gegen neun dann schnell zum Bäcker. Und ein Geschenk für die Schwiegermutter, sonst heißt's, denkt sich "de Taxler": "Oh, Du Fröhliche!" Aber erst mal die nächste Fahrt annehmen. Die Tour kostet sechs Euro. Am Ziel zückt der Kunde einen Fünfziger.  "Der Dritte für heute", seufzt Steuer.

Doch es bleibt keine Zeit, sich über große Scheine und kurze Fahrten zu ärgern. "Scheidter Straße 93 zu Müller", fordert die Zentrale. Kurz darauf ist klar: Da wohnt kein Müller. Die Zentrale korrigiert sich: "Fahr Scheidter Straße 39 zu Meyer." Gegenüber vor Haus Nummer 40 winkt jemand und fragt: "Sind Sie das Taxi für Schulze?" "De Taxler" nickt - und los. Die Zentrale meldet sich noch mal: "Fahr Scheidter Straße 53 bei Schmidt." Kurze Rückmeldung: "Zu spät, habe was anderes."

14.30 Uhr, Stau in der Stadt und des Taxlers Erkenntnis: "Besorgungen vergessen." Die Geschäfte, in die er unbedingt sollte, haben zu. "Oh, Du Fröhliche!"

Keine Zeit zu überlegen. Die Zentrale fragt, wer bereit ist, einer alten Dame die Taschen in den ersten Stock zu tragen. "Okay, es ist Weihnachten", denkt sich "de Taxler" und meldet sich. Kurz darauf ist klar: Die alte Dame ist gerade mal 40, "die Taschen" sind 15 Aldi-Tüten, und es ist dann doch der dritte Stock.

Die Weihnachtsstimmung ist ungebrochen. Noch eine gute Tat: Ein Kunde will nach Saarlouis. Es ist 18 Uhr. "Um 19 Uhr wird gegessen, das schaffe ich noch, kein Problem", denkt sich Karlheinz Steuer. Doch ein Problem: In Saarlouis angekommen, stellt sich heraus: Der Kunde hat kein Geld. Also: Polizei rufen, warten.

Der Ablöser ruft an und fragt: "Wo bleibst du?" Die Frau ruft an und fragt: "Wo bleibst du?" Um 19.30 Uhr kommt die Polizei, um 20 Uhr hat der Kunde in der Nachbarschaft endlich Geld aufgetrieben. Schnell zurück nach Saarbrücken, an der Tankstelle vorbei: Blumen kaufen. 

Endlich da. Der Ablöser jammert: "Immer dasselbe mit dir!" Die Ehefrau jammert: Jedes Jahr dasselbe mit dir!" Die Kinder sind beleidigt und reden gar nicht mehr mit ihm. Und von der Frau gibt es nur noch den Hinweis: "Mir hann schunn gess, dei Zeich steht in da Kisch, kannschd allän esse."

23 Uhr, "de Taxler" atmet durch: "Frau im Bett, Kinder im Bett, endlich allein. Schnell noch eine Flasche Wein, um mit mir selbst Weihnachten zu feiern." Doch vor dem ersten Schluck ein deutlicher Hinweis aus dem Schlafzimmer: "Alter, sauf nidd so vill, mir misse morje bei die Schwierleid." De Taxler seufzt: "Oh, Du Fröhliche!" "Um 19 Uhr wird gegessen, das schaffe

ich noch."

Karlheinz Steuer

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