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Diese Saarländerin (12) rast den Jungs davon

Carrie Schreiner aus Völklingen gehört zu den größten Motorsport-Talenten im Saarland und sogar bundesweit.

Carrie Schreiner aus Völklingen gehört zu den größten Motorsport-Talenten im Saarland und sogar bundesweit.

Völklingen. Ein Blick in das Zimmer von Carrie Schreiner genügt, um zu sehen, dass sie kein ganz normales Mädchen ist. Kaum eine Stelle an den Wänden oder der Decke wird nicht von einem Poster bedeckt. Doch neben Justin Bieber, Miley Cyrus oder Lukas Podolski finden sich auch Plakate von Sebastian Vettel und Co. Ist das Zufall?

Auf dem Regal stehen insgesamt 21 Pokale. Gut, die könnten auch aus anderen Sportarten stammen. Schließlich ist Carries Vater Frank Chef der Firma Donic und damit einer der Weltmarktführer im Tischtennis. Doch ganz klar wird es, als der Blick auf die Wand fällt, wo die Motorsport-Utensilien der Zwölfjährigen hängen: ein altes Lenkrad, eine verbogene Spurstange. Daneben ein Frontspoiler. Auf dem Boden liegen Teile eines Karts, am Kleiderschrank hängen zwei Rennoveralls, darauf steht ein schwarz-gelber Helm.

Aggressiver Fahrstil

Carrie Schreiner hat sich ganz dem zweiten Hobby ihres Vaters verschrieben: dem Rennsport. Seit 15 Jahren kurvt Frank Schreiner in Tourenwagen über die Rennpisten Deutschlands und des nahe gelegenen Auslands, nicht als Profi, aber doch recht erfolgreich. Den „Rausch der Geschwindigkeit“ nennt er das, und seine Augen leuchten dabei. Carrie kennt dieses Gefühl mittlerweile auch. Schließlich war sie von Beginn an mit dabei. Sie radelte, fuhr mit dem Roller oder dem Quad durchs Fahrerlager und war dort schnell ein bekanntes Gesicht. Es schien nur eine Frage der Zeit, bis sie nicht nur mehr ihrem Vater zuschauen wollte.

Ende 2008 war es dann soweit: Im Familienurlaub im Schwarzwald saß die damals Zehnjährige erstmals in einem Kart, danach war sie vom Rennfieber angesteckt. Auf der Bahn in Bous ging es erstmals in einem Rennkart auf die Piste, danach auf dem Saarland-Ring in Uchtelfangen. Und schnell war klar: Carrie hat Talent. „Sie fährt relativ aggressiv und kann sich im Zweikampf durchsetzen“, lobt ihr Vater. „Am liebsten überhole ich die Jungs“, fügt Carrie schnell hinzu und grinst dabei.

Seit diesem Jahr in höchster deutscher Kartklasse unterwegs

Dazu hat sie mittlerweile mehr als ausreichend Gelegenheit: Im Oktober 2009 fuhr sie ihre erste Rennserie in einem 6-PS-Kart, 2010 ging es in die so genannte „Formula light Klasse“ mit etwa zehn PS. Dort erreichte sie bereits einen sechsten Platz im Bundesfinale in Berlin. Seit diesem Jahr ist Carrie in der X30 Junior-Klasse im ADAC Kart Masters unterwegs, der höchsten deutschen Kartklasse. Dort ist sie nicht nur das einzige Mädchen, sondern mit ihren zwölf Jahren auch noch die Jüngste. Die meisten Starter sind 15 und haben weit mehr Erfahrung. „Ich bin es gewohnt, gegen Jungs zu fahren“, sagt die junge Pilotin selbstbewusst. „Manche haben hinterher auch echt ein Problem damit, wenn sie von einem Mädchen überholt werden, das auch noch viel jünger ist. Das ist für die Jungs einfach die Höchststrafe.“

Trainiert wird Carrie vom ehemaligen Kart-Weltmeister Christian Wangard, der sich schon viele Duelle mit einem Sebastian Vettel geliefert hat. Angst kennt Carrie Schreiner auf der Strecke nicht wirklich – trotz Geschwindigkeiten von bis zu 125 Stundenkilometern. Eher das Gegenteil ist der Fall. Aufregung verspüre sie kurz vor dem Start, danach sei es die reine Freude, „nur wenige Zentimeter über dem Boden durch die Kurven zu rasen“. Schon etwas nervöser ist da Mutter Christa, die nun mit zwei positiv rennsport-verrückten Familienmitgliedern leben muss. „Manchmal ist es wirklich schwer“, gibt sie zu. Einmal habe sie einen Unfall im Rennen ihres Mannes hautnah miterlebt und war heilfroh, dass er nicht beteiligt war. Doch sie tröstet sich: „Es kann natürlich immer etwas passieren. Aber mittlerweile ist der Rennsport so sicher geworden, dass man nicht mehr immer und überall Angst haben muss.“

Traum von Profi-Karriere

Das beruhigt auch Carrie, die ein klares Ziel vor Augen hat: „Ich will in drei bis vier Jahren im Rennauto sitzen.“ Ihr Traum: Profi-Rennfahrerin werden. „Wenn das klappen würde, wäre das toll“, sagt sie. Nur ein wenig mehr Zeit für ihre Freunde hätte Carrie gerne. Da sie fast an jedem Wochenende im Kart sitzt, ist die freie Zeit rar. „Aber da wird auch schnell klar, wo ihre Prioritäten liegen“, sagt ihr Vater.

Carrie bereut diese Entscheidung nicht. Zumal ihr der Erfolg auch Recht gibt: In ihrem ersten Rennen in der neuen Klasse in Oschersleben schaffte sie es gleich auf Rang vier und war damit beste weibliche Pilotin aller vertretenen Klassen. Einige der Jungs sind also der Höchststrafe nicht entgangen.

:: www.carrieschreiner.de

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