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Dieser Saarbrücker (26) ist mit seinen Graffitis sogar in Köln bekannt

„You rebel!“ hat er gleich vorn auf Seite zwei des Begleitbands zu seiner Ausstellung „Habitus“ im Frühjahr drucken lassen. Weiß auf schwarz: Das springt ins Auge. So aufmüpfig, so rebellisch wirkt er aber gar nicht. Jeans, Pullover, Mütze und ein Vier-, sagen wir Fünf-Tage-Bärtchen: Daniel Hahn, oder „RAKS“ wie es auf seinen Bildern steht, ist keiner für die Barrikaden, sondern einer, der genau und oft wohl auch mit leiser Ironie über das nachsinnt, was er tut.

Seine Kunst, das Graffiti , allerdings schreit eigentlich nach Aufmerksamkeit. Schiebt sich auf Wänden, Mauern, Zügen, überall im Stadtraum in den Blick. Kunst, die nicht wohlklimatisiert in Museen hängt, sondern zu den Leuten drängt, so intensiv, dass mancher sich auch bedrängt fühlt von ihr. Doch der 26-jährige Saarbrücker, dessen Diplom von der Saarbrücker Kunsthochschule (HBK) als Kommunikationsdesigner noch frisch ist, hat diese „laute“ Phase schon hinter sich. Bewusst hinter sich gelassen. „Ich werde meine Wurzeln, das Graffiti , nie verleugnen“, sagt Hahn, „aber meine Techniken werden immer malerischer. Die Leinwand interessiert mich mehr.“ Die Sprühdosen, mit denen er als 14-Jähriger loslegte, hat er beiseite gestellt. Für sein neues Atelier, verborgen im Hinterhaus des Theaterlabors „Sparte 4“, ohne Blick nach draußen, hat er dem Vermieter sogar zugesichert, dass darin nicht gesprüht wird. Garantiert. Ist das nicht allzu brav?

Doch wer sich Daniel Hahns aktuelle, mittelformatige Arbeiten anschaut, wird merken, das passt schon alles zusammen. Einerseits das Stadtleben, das ihm Inspirationsquell bleibt, aber dann auch dieser Hochkonzentrationskokon von Atelier, in dem er nun ungestört unter Oberlichtern arbeiten wird – fast schon klischeehaft wie in einer Inszenierung von Puccinis „La Bohème“. Der Urban-Art- Künstler aber bleibt klar erkennbar. Seine Tags, seine vier Buchstaben „RAKS“, die im Übrigen kein Symbol für etwas sind, sondern ihn einfach von ihrer Zeichengestalt her ansprachen, werden immer neu ausprobiert. Doch die harten Konturlinien wie man sie etwa von der Arbeit mit der Dose an der Wand kennt, verschwinden, verschwimmen, der Strich wird mal weicher, mal ganz filigran, Formen zerfließen. Trotzdem bleibt er bei der ewigen Variation dieser vier Zeichen. Für ihn keine Beschränkung, meint RAKS, sondern Herausforderung, mit klar definiertem Inventar Neues zu erschaffen, gleichsam einer Kunst der Fuge. Man könnte auch von der Über-Kultivierung eines einst rebellischen Ausdrucks reden, der nun hübsch proportioniert für die Leinwand eingefangen wird. Schicke Bilder für solvente Sammler, die auch gerne mal einen „RAKS“ kaufen. Auch auf der „.Art.Fair“, der Kölner Kunstmesse, wird es ab 24. Oktober wohl wieder solche Interessenten für seine Bilder geben. „Und warum nicht“, meint Hahn, „mich stört es nicht, wenn meine Bilder in einer Galerie oder einem Loft hängen. Ich finde es interessant, wie sich die Idee dieser Kunst weiterentwickelt, was sie kann und wie sie in unterschiedlichen Zusammenhängen wahrgenommen wird.“

Mit dieser Wahrnehmungsfrage spielte bereits seine Ausstellung „Habitus“ im Frühjahr in der Saarbrücker Galerie Neuheisel, die auch Teil seiner Diplomarbeit war. Für Fotos stellte sich „RAKS“ herrlich gewitzt mit einem seiner Bilder in Händen auch mal vors Guggenheim Museum, vors MoMa und das Whitney-Museum in New York. Frech nach dem Motto: „Ich will hier rein“. Wer weiß schon, ob Kühnheit nicht irgendwann siegt?
 
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